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Der Orden Bne Briss · 1929-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 3 - März
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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darf man das Wort aissprechen, das Herder in dem Qespräch Ober eine unsichtbare Gesellschaft, einer Fortsetzun g der Gespräche zwischen Ernst und Falk, an Lessine gerichtet hat: »Wir sind nichts ils Menschen, sei Du der erste unserer Gesellschaft.< Dem Vorakt folgte eine Woche später eine offene Festloge. Det Festausschuß hatte für eine würdige Ausschmückung des großen Logensaals gesorgt. Die Lessingbüste war in einen antiken Säulenhjun gestellt, den Lorbeerbäume umrandeten. jDie Farben — weiß die r — gaben dem Raum er auch Frohes und ar uns kein Fremderer Geist wirkte in uns und I]>er würdige Präsident Säulen, grün der Lori etwas Feierliches, Lebendiges. Lessing lebte unter uns, sei in unfern Rednern. Br. Dr. Prager, führte einleitend folgendes aus: Es handelt Sich fjlr uns nicht darum, zu den zahlreichen Lessin^-Fjuern, die in dieser Zeit überall veranstaltet wejrden, noch eine neue hinzuzufügen, sondern dajrum, den Namen Lessings, den wir tragen, und |den wir von der früheren Generation ererbt habtn, uns wieder neu zu erwerben. Der Name einer Organisation bedeutet ein Programm. Bei jder Namengebung spielen sich ebenso wie bei der Namengebung eines Kindes Diskussionen j zwischen den £ltern ab. Bei uns war der Name »Pniel«-von der Konstitutions-Oroßloge vdrgeschlagen worden. Die Männer, die unsere jLoge gründeten, wählten aber »Lessing«. Es ist das symbolisch für die beiden Betrachtungsweisen, die für die Logenarbeiten möglich sind: Vom Jüdischen ausgehend, den Weg ins Allgemeine zu suchen, oder das Allgemeine von Anfang an in den Vordergrund .zu stellen. Beide Richtungen finden bis heute noch ihre Vertreter. Unser Großpräsident prägte bei der letzten QrofJlogetvTagung die Formel: »Durch unser JudentüCi hindurch zur Menschheit*. UnsereAufgabe am heutigen Tage wird es sein, von unsererjetzigenjüdischenSituationausLessing zu begreifen und ihn aufs neue mit Bewußtsein zu unserem Namenspatrjon zu machen. Hierüber soll der Redner def Abends zu uns sprechen. Darauf hielt Bri. Dr. Heinemann die 'Festrede, in der er ü.a. ausführte: Die Hauptszene des »Nathan«) nimmt zu deTFtage der Religion Stellung erstens durch das Urteil des Richters, daß alle Religionen gleich wahr lind unwahr seien, da äfle sich auf Geschichte und Autorität gründen, zwjeitens durch den Verdacht, daß alle unecht seien, weil sie keine Liebe •wecken, drittens durch den Rat,, daß jeder der Kraft sein es Steines entgegenkommensolle. Der Redner zeigte insbei andere, daß dec Vorwi rf der Engherzigkeit das Judentum nicht trifft, dal aber Lessings J Mahnung, durch persönliche Frö nmigkeit das religiöse Erbe zur Oeltung zu brngen, auch für uns volle Qeltung besitzt.*) Rezitation von Ruth Rosen Klosterszene aus »Nathan der Weise« und- Wirtsszen» aus »Minna von Barnhdm«, — sowie Gesang von Leopold Alexander -- »in diesen heil’gen Hallen« von Mozart und »Orenzen der Menschheit« von Schubert ■— umrahmten die Feier. Für sonntag, Jen 20. Januar, hatten die Lessing-Loge urid der-Verband der Breslauer Logen die Brüder und Schwestern, die. jüd sehen Vereine, die Presse! die Volkshochschule, die Volksbühr e und die Breslauer Freimaurei- und Odd-felkw-Logen zu einer Morgenfeier in das »Deli«-Theater eingeladen. Die Festrede hi :1t bei dieser Vermstaltung Br. Expräsident Dr< Albert Lewkow-itz. Ey behandelte »Lessings Bedeutung fiir das Judlentum«. Nachdem der Redner zunächst die Frage Wesen seiner Persönlichkeit, nach nach dem der Einheit, aus Lessings hervorgegängen; beantwortet hatte, würdigte er Lessinj; als den Erneuerer jener durch die Religionskriege unterbrochene l. Bewegung, die zur Befreiung von der mittulalter liehen Ku tur führte) die Autoritätskultu ■ war »ebendas und in der Kirche ih-en das Leben beherr — 53 — das große * Leben swerk sbau hatte. Lessing vollendete Spinoza, l|.eibniz, Locke, Shaftrsbury, die Vernunft zur Quelle der Ei kennt den Oeiste Werk der Cr machte nis des Seins und dies Oehaltes des Menschen lebens. :r bedeutet die Verkörperung des Menschen des neuzeitlichen Europas, er proklamierte die Selbständigkeit der Persönlichki :it, die Freiheit des Geistes, idie Selbstgesetzgebu ig des Menschen und lehnte im Gegensatz zu seinen Vorgängern jeden ,Kompromiß zwischen dem Zwang der Autorität und der wissenschaftlichen ab. Der; Sinn seiner theolof ischen die Entscheidung der Frage, ob die Form Erkenntnis Kämpfe is Religion eine für ejwig abgeschlossene habe, oder ob das liehen Denkens Credo lief unseres D liehen L die sich sie Ringen des wigser schaftbeeinflussen' müsse. -Dem er die Tut folgen. Dem Begründer amas ist Heldentum Sinh des nensch- Helden sind ihm die Me ischen, gehören, die sich vor keiner Ibens. selbst *) DieEedewar in der vorigen Nümmer im Wortlaut abgedruckt. i

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