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Der Orden Bne Briss · 1929-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 3 - März
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Möglichkeit des Verlassens* offensteht, sind die Gründe gar rasch zur Stelle. Ein Partner wird krank und hinfällig und ist unfähig, die Liebe zu gewähren, die der Kamerad von ihm begeht t. . Wie nah ist der Gedanke und doch wie unfaßbar, in diesem Augenblicke könnte sich der gesunde Mensch dem leidenden Freund für immer entziehen. Bei vielen weiblichen Berufen wird bei aller Anerkennung sachlicher Tüchtigkeit auf die Gefälligkeit des Wesens und Vorzüge der körperlichen Bildung geachtet, Dinge, die bei der Tätigkeit des Mannes kaum eine Rolle spielen. Schwinden diese mit zunehmendem Alter, so rückt die Gefahr des Existenzverlustes in bedrohliche Nähe. Die Frau wird beirr} Manne Schütz suchen. Sb wird die Frage der Auflösung in jedem Falle mit einer ungeheuren Problematik belastet" sein, da hier eine Verschiedenheit der Zielrichtungen hervortreten muß, die dadurch gekennzeichnet ist, daß die Frau im allgemeinen mehr eine dauerhafte Verbindung erstrebt, während der Mann, der auch später noch »zurechfkomrot«,.es mehr mit provisorischen Zuständen zu halten wünscht. Selbst wenn die heutige Ehe, wie radikale Lebensrefoimer versichern, krank ist, so birgt sie nicht so viel Verwirrung, so viel Keime einer Tragödie in sich, wie die kündbare Ehe in dem Durcheinander der Zielrichtungen, die bei jedem offenen, provisorischen Tatsachenbestande nun einmal zutage üeten,' vorausahnen läßt. Schon das bei der Kameradschaftsehe vorausgesetzte Bewußtsein, daß diese eine leicht zu lösende Einrichtung ist, verheißt nichts Gutes für diese wie für die sittliche Kultur der Menschheit. Ein Kind, das mit einem Zeichenstift hantierte, antwortet auf die Frage, was es zeichne: Ich weiß nicht. Es wird schon etwas werden. Vielleicht wird es ein Wolf, dann male ich noch die Ohren dazu. Man hat nicht mehr nötig, zu prüfen, zu überlegen. Dieser Verzicht auf alle Erwägungen, dieses Ueberhobensein von jedem verantwortungsbewußten Denken läßt höchste Zweifel daran aufkommen, daß nur auch für die kurzf Zeit der befristeten Ehe die Treugesinnung und Verantwortung bewiesen wird, die selbst diese lockere Gemeinschaftsform fordert Man sieht schon förmlich, wie, obgleich nicht für sie bestimmt, diegeistige und sittliche Unreife sich der so bequemen Einrichtung bemächtigt, wie die Niedrigkeit der Gesinnung, die stets sich etwas darauf zugute tat, das Türchen zu linden, durch das man entschlüpfen kann, Triumphe feiert. ' I Es muß uns zur Klarheit werden, daß die Freiheit, auf der sittliches Menschentum ruht entwürdigt wird durch das Bestreben, sie durch mühelose und provisorische Entscheidungen Sich zu erhalten. , Das Heroische ihres Sinnes hat nur der begriffen, der sie zu großen Entscheidungen nutzt, deren auch die Ehe eine ist. i ♦ * * Zusatzbemerkungen.!' Br. Pr. Katten betont — wie es auch Br. Dr. Rieger getan hat — mit Recht die schweren Bejdenken, die gegen die »Kameradschaftsehe« sich pufdrängen. Nur eins scheint mir bei den Ausführungen beider Brüder zu wenig Beachtung jgefunden zu haben — nämlich die Tatsache, daß lein ungeheurer Notstand vorliegt,, der durch die [einfache Aufstellung von Grundsätzen, wie sie früheren Zeiten angemessen waren, nicht behoben werden kann. Wir müssen doch auch einmal davon ausgehen, daß die Besorgnis erregenden Zahlen-Differenzen der Geschlechter, die wirtschaftlichen Notstände, Verhältnisse geschaffen haben, die durch die Forderung: Seid brav und enthaltsam! allein nicht überwunden werden können. Wir müssen uns dem Gedanken nähern, daß die Aufstellung des Begriffes der »Kameradschaftsehe« nicht nur von Leichtsinn und Genußsucht erfolgt |ist. Der Richter Lindsey, der ihn gebildet hat, darf ernste Beachtung für sich in Anspruch nehmen. Viele Oefahren können sich mit solch’ neuetj Formgebung verknüpfen — gewiß! Betrachten wir sie aber einmal nicht nur von dem Standpunkt der Leichtsinnigen und Genußsüchtigen, sondern von dem der Ernsthaften unter den jungen Leuten! Die Möglichkeit einer Eheschließung in jungen Jahren — zunächst ohne Kinderzuwachs— bei eigenem Verantwortungsbewußtsein soll ins Auge gefaßt werden. Dieser Form soll die gesellschaftliche Aeichtung, der sie — wie wir sehen — sehrleicht unterliegen kann, genommen werden. Daß sie von großen Gefahren umgeben ist, ist bereits zugestanden worden, auch von den beiden Brüdern — Rieger und Katten — scharf beleuchtet worden. Um solchen Gefahren zu begegnen, müßte eine neue Gesellschaftsanschauung, gewissermaßen ein neuer Ehren-Kodex geschaffen werden, der am besten aus den Kreisen der Jugendlichen hervorgehen müßte. Die Anschauung über das Verhältnis der Geschlechter müßte viel mehr als das bisher ge- 148 — I

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