Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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zeich nen sicher seir e diese r sei besehe d erscheinen zu wollsr <nach Lessings Me Aufklärung wie im Judentum. Le; s Stimmung zu Mendelssohn; m genug, nur als Jude wurzele aber in Wahrheit nbng) mindestens so tief in der deutschen Daher mochte Leäs ng, wie es zweifellos Kant getan hat, Mendels lohn im Verdacht haben, daß er di is Judentum i cht nach^ dessen eigenem Sinn, sondern unv i Ikürlich unter dem Einfluß der / ufklärung aufisse; und andere Juden als Mencelssohn hat Leksing nicht nahe, nicht von Seiten ihrer Weltanschauung gekannt. Er konnte also kaum wissen, jdaß auch splche Talmudgeleh te, die sich jeder weltlichen Bildung ablehne id verhielten, jüim bezüglich der Beurteilung frommer Nich luden keine andere Antwort hättet geben können als sein philosophischer Freund. Und so v :nig wir Mendelssohns Oesamtauffassung vom Judentum' bedingungslos, zusammen können, gerade in dem uns hier angehenden Punkte hat :rst neuerdings einer unserer führenden Talmudl iten, unser Br. Professor Michsel Outtmann, lie Ansichten Mendelssohns durch neue gelehrt! Untersuchungen in vollem Umfang bekräftigt. Oewiß kann sich das Judentum i licht zu der / leinung bekennen, »daß unsere I Ergebenheit ir Oott von unserm Wähnen über jOott so gan; und gar nicht abhängt«, wenigstens nicht i i dem Sinn, daß die rechte Ergebenheit in Golf auf dem Boden aller Religionen, höherer ur d niederer, gleich leicht erwachse. Aber in ur eingeschränktem Sinn gfaubt dies iuch Lessing i icht; macht er doch in den Worten, die wir v< rhin anführten (s. S. 30) für Dajasi Unduldsamke t die Religion verantwortlich, in der sie erzogen vurde; ist aber gemeint, daß es Ergebenheit in Oott auf dem Boden sehr verschiedener Religic inen geben kann, so stimmen wir ihm freudig zu, da wir nicht nur im Sinne unserer mittelalterlicl en Denker (z.B. Kusari 1109) den Wert der Toch erreligionen des Judentums anzuer kennen, sond :rn wahre Buße sogar von den neiden von Nin ve (im Buche Jona) zu lernen bereit sind. Mit solcher Ahe kennung des kulturellen und sittlichen Wertes jec er höheren Religion nähern wir uns aber bereits der dritten Möglichkeit Lessings, die in d:m »Rat« seines Richters enthalten ist. Denn dieser Rat beruht ja auf der Voraussetzung, daß ede Religion uns Oott näher bringen kann, wen i sie in rechter Zuversicht geübt wird, aber ke ne, wenn von ihr eine rein mechanische Wirkung, ohne persönliche Anstrengung des Oläi bigen, erwartet wird. Es geht also dien Edelsteinen Lessings .wie dem Stein der Weisen in dem bekannten Ooetneschen Wort: 1 Wie sich Verdienst und Olück verketten, Das fällt den Toren niemals ein; Wenn sie den Stein der Weisen hätten, Der Wtise mangelte dem Stein. Können wir als Juden dem Dichter darin recht geben, daß das Judentum, die persönli :he Anspannung der sittlichen Kräfte nicht etwa ersetzen will durch mechanische Üebung von Oebräucheh, sondern sie fordert als Voraussetzung füjr die volle Wjrkung der Religion? Ich glaube, niemand wird an der Antwort zweifeln, der mit. den Propheten, den Midraschlehrern, den philosophischen Ethikern des Judentums nur einigermaßen* vertraut ist. Das ist ja das Eigentümliche unserer Propheten, daß sie von vornherein, nicht etwa ihr Volk gegen andere in Schutz nehmen, sondern die gleichen sittlichen Maßstäbe anjlegen an Heiden und Juden, ja, daß sie sie an luden noch viel strenger anlegen, eben deshalb, weil uns als Juden das, Gesetz der Heiligkeit gegeben worden ist, weil wir also, nicht nur wie die Heiden, unserm Menschentum, sondern aucn unserm Judentum untreu werden, wenn wir die Gesetze der Menschlichkeit verleugnen. Dr s ist der Sinn des Prophetenwortes: »nur euch labe ich erkannt Von allen Völkern der Erde, d irum , strafe ich euch für alle eure Sünden.« Derselbe Auserwählungsgedanke, den Lessing mißdeutet als den Glauben an den bedingungslos ererbten Alleinbesitz des Heils, er soll in Watirheit das Verantwortungsgefühl in uns schärfen, das*Oefühl der persönlichen sittlichen Verpfl chtung erhöhen. Diese prophetische Auffassung < er besonderen Verantwortung israeis tritt vielleicht noch deutlicher hervor im Mittelalter, indem, an einzelne Bibelstellen anknüpfend, der Begriff c es Chjillul Haschern, der. Entweihung des göttlich« in Na tuen s, zu einem Grundbegriff jüdischer E hik eihoben wird. Aus dem ganz richtigen Gefühltieraus, daß für die Fehler der Bekenner einer Religion sehr leicht diese Religion verar twortlich gemacht Wird, ganz im Sinne der j >' /ermutung« des Lessingschen Richters, ziehen unsefe Sittenlehrer die Folgerung, daß der Jude, dei sich etwa gegen den Nichtjuden unred ich verhält (an einjjewaltsä»»' feindseliges Verh ilten war nach Lage der Dinge kaum zu denken), nicht pur den Namen seiner jüdischen Gemeinscha t, sondern auch den ihres göttlichen Gesetzgebers entehrt. ‘ - 33 -