Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Eben weil also Lessings Kritik das Judentum als Idee nicht trifft, eben deshalb darf und soll das Judentum alsOemeinschaft sich durch ihn ständig mahnen lassen an die Pflicht, auf dem Boden unseres Glaubens höhe menschheitliche Ziele zu vertreten. Und hierzu ruft nicht nur sein bekanntestes Drama, sondern auch seine ganze Persönlichkeit uns auf. Wir haben hier nicht von besonderen theologischen oder bibelwissenschaftlichen Ansichten Lessings zu reden, die tief in der Eigenart seiner Zeit wurzeln und in unserem Bunde je nach der Parteirichtung der Beurteiler sehr verschiedener Bewertung unterliegen werden. Das Ewige und immer wieder Wirksame in Lessings Bilde ist zugleich das ganz Persönliche, das durch den Kontrast der Zeit des Rokoko und der Galanterie nur noch deutlicher hervorgehoben wird: die Rastlosigkeit und Redlichkeit seines Kämpfertums. Seltsam genug: derselbe Denker, der den meisten von uns' vorwiegend als Bahnbrecher der Duldung vorschwebt, er ist einer der unerbittlichsten Streiter aller Zeiten gewesen — seit den ersten dichterischen Versuchen, da er gleichzeitig die Vorurteile der Fieidenker gegen die Pfaffen und der Frommen gegen die »Atheisten« bekämpft, seit den ersten kritischen Schriften, die er gegen Gottsched, den Literatur-Diktator, und gegen dessen Schweizer Gegner richtet,' bis zu dem letzten, notgedrungenen theologischen Waffengang. Und noch seltsamer: eben als Kämpfer hat er die Toleranz vertreten, nicht um einem friedlichen Nebeneinander und Durcheinander der Meinungen das Wort zu reden, sondern um die Bahn frei zu machen für eine redliche Aussprache über die wichtigsten Anliegen der Weltanschauung — eine Aussprache, bei der nicht der Fanatismus und die Staatsgewalt einem der Kämpfenden in den Arm fällt. Nicht Verzicht auf Kampf, sondern Verzicht auf unredliche und unsachliche Kampfmittel und K a m p f w e i s e n ist die Duldung, die wir von Lessing zu lernen haben. Und wenn der Dichter diese hegative Forderung positiv wendet und gerade von den Vertretern der Religionen njcht nur Bekenntnis, sondern vor allem eine sinnung der Liebe fordert, die alle Keime Geder als zu den Unsachiichkeit von vornherein abtötet, so tut er es weniger deshalb, weil der Haß den Kampf vergiftet und daher dem Oegner unritteilich schadet, sondern namentlich, weil er es nicht erträgt, die Religion — oder irgend ein anderes geistiges Besitztum — als feste Oabe, statt / immer sich erneuernde Aufgabe aufgefaßt sehen. Wenn Gott ihm in der Rechten Besitz der Wahrheit, in der Linken das Streben nach Wahrheit böte, dann — so erklärt der grbße Wahrheitskämpfer gegen Ende seines Leben > — würde er ihm in die Linke fallen: denn »Bejsitz macht träge, ruhig, stolz«. Und gerade auf1 religiösem Gebiet scheint uns Lessings Orundanschauung berechtigt, insbesondere vqm Standpunkt jüdischen Denkens aus. Es ist kein jZufall, daß unsere Weisen uns zurufen, die Thjora nicht morascha, Erbe, zu nennen, sondjern meorasa, die angetraute, noch nicht heimgeführte Braut: die du ererbt von deinen Vätern hkst, umwirb sie, um sie zu besitzen. Denn gerade die Mahnung zur religiösen Aktivität, zur Selbst» heiligung und Selbsterneuerung, gibt ja doch dem Judentum, so gewiß auch es den Begriff der Gnade kennt, sein Oepräge gegenüber d|em Christentum. Wenn es uns aber schwer fallen sollte, die Mahnungen unserer Weisen in unsjere Gegenwart zu übertragen, — wenn die Versuchung an uns herantritt, die großen Forderungen der Reinheit und der sozialen Gerechtigkeit, die unsere Propheten aufgestellt, zu billigen Phrasen zu verflüchtigen, statt ihnen Raum zu schaffen in reinem, aber zähem Oeisteskampf, dann mag Lessings große Kämpfemalur uns aufrufen aus »stolzem, trägem Besitz« zu immer erneuter Prüfung unseres geistigen Seibis, zum Einstehen ffljr die weiterneuem den Gedanken des Judentums. Und wenn sich unsere Loge zunj Organ des Kampfes macht gegen jede dünkelhafte Engherzigkeit auf der einen, jedes philisterhafte Verliegen auf der anderen Seite, dann — und nur dann — hat sie im vollen Sinpe das Recht, sich e^ne »Lessing-Loge« zu nennen. Das Judentum in der Geschichte Schlesiens. Ausstellung: des Vereins „Jüdiscl tes Museum ln Breslau4*. Eröffnet am 3. Februar 1929. Von Studienrat D r. Willy Cohn, Brest au. Mit der Eröffnung dieser Ausstellung darf des Judentums überhaupt, weil in ihr völlig netje sich nicht nur das Judentum Schlesiens . be- Weje gegangen wurden, um ein Stück jüdischer schattigen, sondern sie ist eine Angelegenheit . Geschichte der Umwelt verständlich zu machen. — 34 J—