Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1929-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6727475-6029145-6074787--2022-4868631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

/ ä »iner Religion der Liebe zu Forderung, die i hbt: njan solle hhnnes wenden zum Testament des Apostels: »|(indlfein, liebst einander«. Aber daraus folgt 1 vi eiterhin, daß F iedetji lassen lessing der alten Fabel eingefügt wurde, beruht c er herrliche Rat, den der Richter den streitenden E rüdem erteilt. Die Wirkungslosigkeit eurer F inge ist unbestreitbar; aber vielleicht liegt sie rieht an ihnen, sondern an euch. Erfüllt die Eedingungen, in weldie ihre Wirkung geknüpft ist; tragt sie im rechen Glauben; dann kann sich im Laufe der Zei erweisen, ob einer, ob v eileicht alle wirklich rom Vater stammen. Auch hier ist cie Anwendung auf die Religionen deutlich. *s ist zunächst gemeint, daß der einzelne die persönlichen Kräfte der Liebe, die in ihm leien, an das Verständnis wendet soll, die ja eine Religion sein beansprucht. Es ist die Lessirg anderwärts so gefaßt sich rom Evangelium des jom ann zum Tro di r Kampf um b< kämpft, je merr sie der Keime univirsalei eler kann sie troffen zu werden. Damit ist der Leasings geschlc ssen. Religion auf doppelte z ein jede Religion die andere ir\ und es aufgeben soll, den Anspruch auf aen alleinigen Besitz des Schlüssels zur Seligki it im! (ampf gegen die anderen zu vertreten. » Sei kei rem Juden, keinem Muselu Christ«. Je schärfer also die Aleingeltung geführt wird, uih so wenige!' Aussicht besteht auf Sieg. Je w;niger dageg :n eil le Religion . die andere sich auf die Entwicklung Liebe beschränkt, desto als die >va^re anerkannt Autorität de r Oe: wußtsein ihres i n n e Fä len mußt du Dul< Isamkeit üben. Im^ejsten Fale mußt du dem anderen das Recht, ja, die Pflcht zusprechen, seinen Väternr zu glauben, Ring der Beweisführung Du kannst, sagt er, deine Weise begründen: auf die Schichte und auf das Been Wertes. In beiden wie du den deinen, dir der Im zweiten Nile mußt du bewußt sein, daß eine lieblose Auffassung Religion der;n rjienschheitlichen Wert aufs tiefste erschüttert uid ihr nicht; Freunde zuführen, sondern Menschen entziehen Men lich|(i der der Soweit Lessiri] sehen des 20. eiten, die Aufklärungsz^ Die erste väterlichen ihr gerade nuß. die wertvollsten ig. Was sagen wir als jüdische Ja lrhunderts zu diesen Mögr jroße nichtjüdische Dichter lit eröffnet? sic lit, die das Festhalten an;bn auf das besondere Ver¬ All: Rclig trauen zu den eigenen Eltern zu begrinden sucht, hat Lessing, wie wir sahen, nicht geteilt; in den Woren »Oeschichte muß doch wohl auf Treu und Glauben hingenommen werden« schimmert der leise Zweifel an der Berecht gung solcher Hinnahme deutlich genug durch. In Wahrheit machten wir meinen, daß ein solcher Standpunkt nach mancher Beziehung berechtigter erscheint, als Lessings Begründung» erk innen läßt, nach anderer Richtung der Einschränkung bedarf. Wenn die weit überwiegende Mehrheit gewissenhaf er Menschen an dem Glauben ihrei* Väter in der Tat festhält, ohne siah an die politische oder weltanschauliche Stellung der Väter gebunden zu fühlen, — wenn nach einem bekannten Worte Ooethes jeder Glaubenswechsel mit einem gewissen Makel behaftet erscheint, so liegt das daran, daß Religion weit mejhr ist als geschichtliche Ueberlieferung, daß si4 uns vor allen Dingen entgegentritt im frommen Brauch und der unlöslich mit ihm verbundenen Lebensstimniung, die uns von den frühesten Kinderjahren bis in die Todesstunde begleitet Ein Bruch mit der väterlichen Religion bedeutet daher nicht nur ein Mißtrauen gegen die Ijjeberlieferung, nicht nur ein Losreißen votj dem organischen Zusammenhang mit jenen, dereh Blut 1 in unseren Adern fließt und die jenes Brauchtum mit dem Geiste unseres Blutes durchnaucht haben; er bedeutet in gewisser Beziehung auch einen Bruch mit uns selbst, mit dem Ich unserer Kinderjahre, das von den Erinnerungen an das religiöse Erebnis kaum loätrennbar erscheint. Dennoch kinn das Judentum als die einzige Quelle unseres religiösen Verhaltens die Ueberlieferung nicht anerkennen. Gott hat nach jüdischer Anschauung allen Menschen »verkündet, was gut ist«; und er hat allen, wenn auch nicht den Besitz der Wahrheit, sc doch das Streben und die Fähigkeit nach Erkenntnis der Wahrheit gegeben. Daher kann das Judentum das Fes thalten an solchen Religiorisformen nicht billiget , die, jwie z. B. der Moloch sdienst mit seinen Kii ideropljern, der Stimme des Gev rissen s widerstreben;und es hegt allerdings die Hoffnung, daß einstmils alle Völker der Anbetung von Scheinwesen entsagen und sich dem einen Ootte zu wenden v/erden” Es hat daher stets! solche Proselyten angenommen, die aus Oründen des Oewissens (len Oläuben ihrer Väter aufgjegeben haben. Niditsdestbweniger zeigt sich ai^ vielen Stellen der Bibel wie des Talmuds volles Verständnis dalür, daß auch dem Heiden j durch den völligen Bruch mit seiner Väterreligion etwas 31 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.