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Der Orden Bne Briss · 1929-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1929
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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In diesen drei Worten sind drei verschiedene Stellungen gegeben. Der Spruch des Richters geht davon aus, daß, wie die drei Ringe einander ununterscheidbar ihnlich sind, so auch die Religionen hinsichtlich ihrer Begründung. »Denn gründen sich nicht alle auf Geschichte? Und Geschichte muß doch wohl aUein auf Treu und Glauben angenommen werden? Nun, wessen Treu lind Glauben zieht man denn am wenigsten in Zweifel? Doch der Seinen! Wie kann ich meinen Vätern wenige^ als du den* deinen glauben? Oder umgekehrt.« Die Auffassung der Religion, mit der hier gerechnet wird, ist die rein* autoritäre. Lessing teilt sie für seine Person natürlich nicht *, aber er erkennt ihr doch eine gewisse Berechtigung zu; daß man im liebsten denen glaubt, »die uns nie getäuscht, als wo getäuscht zü werden uns heilsamer war«, findet er zwar nicht logisch unanfechtbar, aber immerhin natürlich und begreiflich. Anhänger einer solchen Auffassung können freilich keine Diskussion übeir die Richtigkeit ihrer* Ansichten zulassen unil .neigen daher leicht zur Unduldsamkeit. Daß sie damit im Unrecht sind, weist ihnen Lessing von ihrem eigenen Standpunkte aus nach. Gerade wenn du es grundsätzlich billigst, daß map seinen Vätern vertraut,' gerade dann kannst d u am wenigsten vom Andersgläubigen verlangen, dajß er den seinen untreu wird, je naiver also dem Olaube ist, desto duldsamer muß er folgerichtig 'sein; jeder Versuch einer religiösen Erschütterung des anderen schwächt gleichsam den Ast der Autorität, auf dem ein naiver Kinderglattbe beruht ityren Glauben. Wenn aber das Christentum oder auch der Islam den Religionskrieg heiligt; wienn innerhalb dieses Krieges der Patriarch sich auf den Standpunkt stellt, »Bubenstück vor Menschen ist nicht auch Bubenstück vor Gott«, wenn die »gottesfürchtigen Maroniten« es für eifie fromme Tat halten, dem Saladin heimtückisch »den Garaus zu machen«, so ist der Haß, den solche Maßregeln wecken müssen, nur der Widerhall! der niedrigen Oesinnung, aus der sie erwachsen sind, und zeigt daher allerdings, daß sich eine derartige Kirche der Botschaft der Liebe entfremdet hat, auf welche sie begründet wurde. Und das Bedenkliche ist, daß diese Lieblosigkeit wurzelt — nicht etwa in der Charakterschwäche eirizelner, sondern in einem Grundgedanken der christlichen und, nach Lessings Meinung, aller positiven Religionen: in dem Anspruch, daß sie allein zur Seligkeit verhelfen können. »Denn ist's wahr, daß dieser Weg allein nur richtig führt, wie sollen sie gelassen ihre Freunde auf einem anderen wandeln sehn, der ins Verderben stürzt, ins ewige Verderben«. Mit dem Glauben an eine alleinseligmachende Religion erscheint also nach Lessing die universale Menschenliebe nicht vereinbar, die das Merkmal der wahren Religion bildet. Und so erklärt es sich, daß gerjade diejenigen Gestalten des Stückes, die Lesjsing zu Trägern der Humanitätsidee macht, mit! den positiven Religionen, nur sehr lose verknüpft sind: der Sultan, der nicht mit »glatten Steinen«, sondern mit den vom Islam verbotenen Figuren sein Lieblingsspiel ausführt, der Templer, \der sein Ordensgelübde der Ehelosigkeit durch cjie Verbindung mit einer Jüdin brechen will, Während nun aber die Männer, die vor Lessing die alte Ringfabel behandelt haben, sich mit diesem »Spruch« des Richters begnügen, fügt .Lessing einen Verdacht und einen Rat hinzu. Der Verdacht gründet sich auf die Eigenschaft, die der echte Ring irst bei Lessing' erhält, »vor Gott' und Menschen angenehm zu machen«. Die Wirkung dieser Eigenschaft zeigt sich nicht; je heftiger jeder der Brüder seinen' Anspruch auf Alleinherrschaft betont, umso weniger macht er sich bei den andern beliebt. Da also keiner der Ringe wirkt, so ist dolch wohl keiner echt; »der echte Ring vermutlich ging verloren«. 1 Die Anwendung auf die Religionen liegt auf der Hand. Auch sie beanspruchen, Liebe zu wecken; genauer . gesprochen : Liebe zu verdienen. Wenn Nero den Christen mit Haß uVd auch Nathan, der sich zwar mit dem Judentum^nicht in ausdrücklichen Widerspruch setzt, auch wohl Recha ohne Schweinefleisch erzogen hat, aber, wie wir sahen, sich mit der Lehre seines »Volks« keineswegs identifiziert und in dem schwersten Kampf seines Lebens, da er sich vom Hasse gegen die Mörder seiner Frau und seiner Söhne zur Menschenliebe emporringt nicht auf das Liebesgebot der Bibel zurückgreift sondern die Stimme der »Vernunft« leise wieder erklingen hört. So zwingend aber nach Lessings. Voraus Setzungen der furchtbare Verdacht des Richteri begründet erscheint, so enthält er doch nicht ~das letzte Wort. Denn der Richter erinnert sich, daß der Ring jene Eigenschaft nicht bedingungslos besitzen soll, sondern nur, wenn er in der rechten Zuversicht getragen wird. Und auf begegnete, so beweist das gewiß nichts gegen dieser Klausel, die natürlich gleichfalls erst von - 30 —.; j

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