Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wir eine eigene Jugendorganisation schaffen, dann würden alle diese Organisationen naturgemäß unsere Gegner-werden, da sie in unseren Vereinigungen eine ihnen unerwünschte Konkurrenz bekämpfen würden, und wi^ könnten nicht daihit rechnen, auf die sehr zahlreich in diesen Bünden und Vereinigungen organisierte Jugend Einfluß zu gewinnen. Wir müssen sogar noch befürchten, daß aus einem Ressentiment heraus ihre Anhänger später unseren Orden meiden würden. Wir würden auf diese Weise um eines vermeintlichen kleinen Vorteils willen unser Einflußgebiet künstlich verengen. * K An die Jugend, besonders der Großstadt, treten übrigens so große Anforderungen heran, daß es nicht für gut erachtet werden kann, junge Menschen durch eine neue Vereinsbildung in Anspruch zu nehmen. Man soll der Jugend ruhig Gelegenheit geben, auf den Gebieten, die ihr Interesse erwecken, Erfahrungen zu sammeln, und sich ein Urteil zu bilden. Wir könnten der Jugend in einer neutralen Organisation, wie dies die Logenjugendabteilung selbstverständlich sein müßte, nichts besseres bieten,, als die bereits bestehenden auf ihren Spezialgebieten ihr schon heute gewähren, Wir können ganz besonders kaum andere Arbeit leisten als der mit den Logen eng verknüpfte neutrale Jugendbund. Wir müßten_ auch — dies hat die Entwicklung ifr vielen Jugend Vereinigungen gezeigt — damit rechnen, daß sich bald die von uns gegründete Organisation verselbständigt und unserm Einflüsse entwächst. Wir würden schließlich im Wettbewerb mit den bestehenden Organisationen nur eine beschränkte Anzahl und sicherlich nicht der besten Mitglieder gewinnen können und dagegen einen neuen Zwiespalt in die Jugend hineintragen, während doch gerade unser Ziel die Herstellung der Eintracht sein muß. Aus allen diesen Gründen kommt die Bildung einer eigenen Jugendorganisation nicht in Frage. . Dagegen könnten und müßten wir gerade unter Benutzung unserer neutralen Stellung und gestützt auf unsere weltanschauungsmäßig und kulturell umfassende Tendenz auf die g e s a m t e Jugend einen Einfluß in unserem Sinne auszuüben versuchen, indem wir uns der Aufgabe widmen, einen Sammelpunkt herzustellen, in welchem die Jugend aller Richtungen sich vereint' wo sie sich aneinander zu messen vermag und in der sie Gelegenheit findet, sich auch mit unseren Bestrebungen vertraut zu machen. Es. müßte für jede Loge und an Orten, wo sich mehrere Logen befinden, für diese gemeinsam ein Ausschuß geschaffen werden, der mit sämtlichen am Orte bestehenden Jugendorganisationen in Verbindung zu treten hätte und versuchen müßte, ein Vertrauensverhältnis zu diesen Jugendorga nisationen zu gewinnen^ Dieser Logenausschuß müßte es sich zur Aufgabe machen, die Jugend zu all den Gelegenheiten zu vereinigen, die allen Jugendbünden gemeinschaftlich sind, wie Sederfeiern, Freitagabende und ähnliches. ,Er müßte die Hilfe der Jugend für die sozialen Bestrebungen des Ordens in Anspruch nehmen, der Jugendorganisation in finanziellen und geistigen Fragen Rat und Hilfe gewähren und für Repräsentation bei feierlichen Gelegenheiten sorgen, um auf diese * Weise der gesamten Jugend .die Existenz und das Wirken des Ordens fühlbar zu machen. Wenn der Jugend die kulturelle Bedeutung unserer Loge sichtbar vor Augen geführt .wird, wird es das erstrebenswerte Ziel vieler Jugendlichen werden, später die Mitgliedschatt der Loge zu erwerben. Daß daneben jede Loge dem sogenannten neutralen Jugendverein ihre besondere Aufmerksamkeit weiter zuwenden soll, ist eine selbstverständliche Forderung. Wichtig ist vor allem, daß die Jugendfrage nicht mit der Unterstützung der Jugend von außen als erschöpft angesehen wird. Die Hauptsache bleibt es, innerlich die Fühlung mit der Jugend zu gewinnen. Hierzu können und müssen wir dadurch beitragen, daß wir aus uns heraus in der Loge selbst eine Verjüngung vornehmen. Es ist demnach erforderlich, die Loge aus der Erstarrung, in der sie sich in gewissem Sinne befindet, zu lösen. Es ist notwendig, die Ordens-Ideologie den Zeiterfprdemissen anzupassen. Dazu gehört die Abkehr'vom Rationalismus, wie er heute noch bei uns in der Anschauung von den Logendingen vorwiegt. Die Logenziele sind unveränderlich Und sollen unveränderlich bleiben. Aber der Weg zu den Logenidealen muß von uns neu gesucht, erkämpft, erlebt werden 1 * * * Es ist ein alter Gemeinplatz, daß, wer die Jugend hat, auch die Zukunft habe. Diese Weisheit bringt uns aber nicht weiter. Wir müssen' uns das Gegenteil zur Richtschnur nehmen t Nur wer selbst in seiner Denken und'Fühlen jung ist, nur wer sich aen Zeiterfordernissen anzupassen vermag und Geist und Seele allem fjortschritt offen hält, der hat die Zukunft Und Wer die Zukunft hat der wird auch die Jugend für.sich haben. 28