Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Artikel und Berückte au > Manuskripte für Eimekdun SqwemrnverMnd der U. 0. dem Verbände tteken unter Verantwortung der igen, die unter dieser Rubrik erscheinen Frau Anna Letey, Stettin, Etwabetkett licl. nie ber i das hat der wird weil sott «, prauenprobleme unserer Zeit. Es ist nicht zu B. B. Losen. Redaktion der MonaUberckte der Qrosslege; werden jedoch tuvor an die Adrette 'von 10, erbeten. Von Dr. Frieda Sich el-Oott he weniger dem Wu: erwarten, daß man mit Ausführungen zu diesem Thema Gegner überzeugt oder Ande-sgear tete bekehrt, wie ja überpt die Versindigung durch intellektuelle Mittel unter S ienscl len von ursprünglicher Wesensverschied :nheil mehr als unwahrscheinbleibt. Abirr das Ueberzeugen* ist auch lt der letzte Zweck des Redens oder Schreis. Im Orumle genommen reden wir; um zu sagen, was <ie Natur uns aufgetragen und können nur h rffen, Aehnlich-Gesinnten unrjl Verwandt-Er ipfin< enden zu begegnen; Und noch eine Einschränkung ist zu machen: Bei der Erörterung der Frauenprobleme unserer Zeit werden die praktischen Vorschläge schnell berüfmt gs wordenen Jugendrichters Linldsey und die sch in zu Schlagworten verflachten Begriffe der Kameradschaftsehe, Jurigehe^ Stufenehe, Zeitehr, u. ä., nicht in den Kreis Betrachtung gezogen werden. Vielmehr unter Versieht auf diese interessanten, aktuellen, aber allzuleicht sensationellen Dir ge eine etwas sc iwierigere, abstrakte Betrachtung für di; einem ernsten Kreis ‘angemessenere vorgeroger und die entwicklungsgeschichtliche, soziologische Frage nach dem Weher, Warum undjWohin gestellt werden müssen. Während in früh :ren Zeiten das erotische lde;J der Frau jur Madonna vergottet wurde, gini; in unseren Tagin der Nimbus auf allen Getreten verloren:. Mt dieser Wandlung; der We t ergeht zun ers enmal die Forderung an rdie Frau, etwas zu s sin; sie tritt neben den Mann, und es eriebt sich die mit aller Leidenschift zu stellende Frage, von Margarete $usmar n so formuliert: »Mit welchem Recht beansprucht die Frau im Politischen, im Sozialen, vor allem aber als ganzer Mensch, als eigenes Seit ihren Platz neben dem Manne?« Die flbe schwängliche Ver rerrlichung der Frau in r der europäischen Kun st, die ein weit über! die Wirklichkeit hinai^gesteigertes Bild der Sctiöni heit der Vollkommenhe it schuf, entspricht immer Ift, Cassel nach und der Möglichkeit der- . in aller Unvollkommenheit lebendigen,! selbständigen, menschlich-Weiblichen Persönlichkeit. Seit die bürgerlich-kapitalistische Welt über 11 Millionen Frauen allein in Deutschland zur selbständigen jBerufsausÜbung zwang, und seit der letzte mänhermordende Krieg über 11 Millionen europäischen Frauen die Möglichkeit einejs Zusammenlebens mit dem Manne in der bishjer üblichen Form der Ehe nahm, erwuchsest der Frau eigene Aufgaben und Ziele nebelt dem Mann, diej zuerst die bürgerliche Ehe iji der festen Struktur ihrer Arbeits- und Lebensfdilung, aber auch ihrer überlieferten Form ins W|anken brachten. I Mit diesem Erwachen der Frau zu Aktivität, Geist, Selbständigkeit erlebt aber naturgemäß auch die seit Jahrhunderten stabilisierte Vormachtstellung des Mannes eine schwele Erschütterung. ‘ Die Literatur, ja immer das Spiegelbild der Zeit in ihrem typischen Ausdruck, bestätigt diese Entwicklung, von dem erotischen! Ideal der Klassiker (Iphigenie, Prinzessin des Tasso, Diotima des Hölderlin) über Strindbergj und Ibsen zu ganz willkürlich herausgegriffenen Zeichnern heutiger Frauengestalten wie Rolland, Heinrich Mann, die russische' Schriftstellerin Collontay und viele andere. In-dieser Literatur unserer Tage finden wir, in welcher Abwanjdlung auch immeir, »die neue Frau«, d. h. die utn die Reinheit e ner Idee kämpfende Frau, diej ihre Persönlichkeit, ihr Vollmenschentum behaupten und entwickeln will trotz und'- neben! ihrer ewigen Weibessehnsucht nach Liebe undj Ehe. Denn das {Wissen tim die Welt der sachlichen Werte unq den beseligenden Rausch schöpferischer Leistung steht hinter der Frauenforderung um Respekt vor dem Menschen , in ihr, um ihre innere Freiheit. Dieser Kampf um die Dingverbundenheit schützt einerseits die Frau sjelbst vor; dem restlosen Verströmen im nur ojefühlsmäßigen, vor jener Selbslentäußerung bis zur Aufopferung ihrer ganzen Persönlichkeit Sie macht sie andererseits aber auch durch Verständnis und Würdigung des wie auch immer gestalteten Werkes des Mannes — 21 —