Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6727475-6029145-6074785--2000-4868610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
der Ehe erwerbstätig bleibt Daß die erwerbende Frau auch in der Ehe berufstätig bleibt, und damit an der wirtschaftlichen Erhaltung des gemeinsamen Hauses an ihrem Teile mittätig ist, .ist die neue Forderung der Kameradschaftlichkeit. Ist die Frau draußen die Konkurrentin des Mannes, so werde sie in der Ehe seine Kameradin. Nur für die Zeit, in der sie als x Mutter dem Kinde gehört und mutterpflichtig verhindert ist, übernehme der Gatte die wirt» schaftliche Erhaltung des Hauses. Für diese Zeit .mag eine Versicherung oder Fürsorgeeinrichtung helfend eintreten. Die eigentlichen häuslichen Verrichtungen überlasse man der Hausangestellten, um die Kraft der Hausfrau für den Miterwerb freizuhalten. Die Frau ist des Gatten Kamerad ino besten Sinne und vollauf . gleichberechtigt, wenn, sie mit ihm oder neben ihm wie vor der Ehe beruflich arbeitet. Der selbstverdiente Groschen wird langsamer aus-^ Das selbstverdiente Kleidungsstück wird mit anderen Augen betiachtet, als das von dem Manne gekaufte. Die so oft angepriesene Bescheidenheit und Bedürfniseinschränkung ip der Ehe ist sofort aus dem Reiche der ideellen Forderung Wirklichkeit geworden, wenn die Frau an ihrem Teile miterwirbt. Eltern und Erzieher, vor allem die Frauen selbst können an der Verwirklichung dieser Oedanken ernst mitarbeiten, die eine der wichtigsten Fragen der Oegenwart der Lösung näherführt. Diese Lösung heißt Kameradschaftsehe im alten Sinne, a$er im neuen Oeiste, indem die Frau, der wirtschaftlichen Forderung der Gegenwart gehorsam, nicht in völlig ungerechtfertigtem Nichtstun ihre Zeit und Kraft vertändelt, sondern kameradschaftlich mitdem Oatten für die Erhaltung des Hauses erwerbstätig arbeitet. Das wäre die rechte Kameradschaftsehe und zugleich eine Lösung eines gegeben als der vom Manne ins Haus gebrachter Zeilproblems! Moses Hess und seine Anschauungen über Nation und Rasse. Ueber dieses Thema hielt kürzlich in einer Loge der Schriftsteller Rocker, der die deutsche Oeffentlichkeit auf den ostjüdischen Dichter Samuel Lewin aufrnerksam gemacht hat, einen Vortrag. Da Moses .Hess als Vorläufer Theodor Htrzls zu den Persönlichkeiten gehört, die 'für die. Brüder von besonderem Interesse sind, werden im folgenden die Hauptgedanken -des Vortrags wiedergegeben. Rocker wies darauf hin, daß Moses Hess aus der Zeit, in der er wirkte» verstanden werden müsse. Im Reformationszeitalter habe man von der relig ösen Freiheit das Heil der .menschlichen Gesellschaft erwartet. Die französische Revolution, wollte mit der politischen Freiheit die drückende Lage der Massen ändern. Im Anfang des 19. Jahrhunderts seien dann die ersten sozialistischen Denker Saint Simon, Fourier und Robert Owen aufgetreten, die eine Beseitigung des Wirtschaftselendes der Massen durch eine Umgestaltung' der ökonomischen Bedingungen, durch Beseitigung der Klassenmonopole erstrebten. Die Begründer und Führer des modernen Sozialismus, Marx und Lassalle, seien Schüler des Philosophen Hegel und Anhänger seiner dialektischen Methode gewesen. Hegel habe den später'in den Naturwissenschaften zur Herrschaft gelangten Entwick- * i lungsgedanken in die Geisteswissenschaften eingeführt und die Entwicklung dahin charakterisiert, daß der Position die Negation und dieser die Negation der Negation folge. Die Negation der Negation bilde dann wieder den ersten Orad einer neuen Entwicklung: (These, Antithese, Synthese). Während Hegel reaktionär eingestellt gewesen sei, (»Alles was ist, ist vernünftig, weil es besteht.«), hätten die Junghegelianer seinen Oedanken ein revolutionäres Vorzeichen gegeben, indem sie auch die Umsturzbestrebungen, weil sie beständen, als berechtigt erklärten. In den Kreis der Junghegelianer gehöre auch der in Bonn als; Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns i. J. 1812* . geborene Moses Hess, der vom Vater zum Kaufmannsberuf bestimmt worden sei, aberals Träumer diesen Beruf nicht habe ausüben können. Hess habe Entbehrungen und Verfolgungen auf sich genommen, um seinen sozialistischen Idealen tfeu bleiben zu können. Im Jahre 1839 sei seine erste Schrift »Die heimliche Oeschichte der Menschheit« in der Schweiz erschienen, in der er den Egoismus als die Grundlage des menschlichen Tuns, erklärt habe. Der Mensch sei aber auch ein Gesellschaftswesen. Der Altruismus erwache als das Gefühl für soziale Gerechtigkeit. Der Sozialismus sei ein ethisches Prinzip, das 10 r