Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die vorgeschlagene Eheform ist aber —. und das ist ihr Todesurteil vor dem Richterstuhl aller Spruchberechtigten — der körperliche Ruin der Jugend. Die jahrelange Verhütung der Mutterschaft bedeutet für die normale Frau körperlichen und seelischen Verfall. Ein hemmungsloses Triebleben fühlt zwangsläufig zum nervösen Zusammenbruch und zu den schwersten organischen Störungen. Oäbe es wirklich eine sittliche Rechtfertigung für die amerikanische Kameradschaftsehe, so wären die organischen Gefährdungen,j die mit ihr verbunden sind, allein schon genügend, sie als eine unermeßliche Volksgefahr und zugleich als übelsten Dilettantismus zu brandmarken. Trotzdem :bildet diese amerikanische Erfindung' — sie gehört vollständig in den Oedankenkreis des Amerikanismus unserer Zeit — ein nur zu beliebtes und scheinbar unerschöpfliches Gesprächsthema in redseligen Frauenkonventikeln. Es läßt sich über so etwas eben so wundervoll radikalmodern plaudern.' Man muß sich nur darüber wundern, daß die neue Kameradschaftsehe noch nicht t den Zeitsatiriker gefunden, der ihre Konsequenzen darstellt, etwa das Verhältnis der Mutter der jungen Frau zu dem Schwiegersohn auf Kündigung, die Stellung der Quasischwiegertochter innerhalb der Familie ihres Pseudoehemannes, oder die gesellschaftliche Position der jungen Dame, die durch mehrere solcher Kameradschaftsehen ohne Dauererfolg hindurchgegangen ist. Daß hier nicht übertrieben wird, beweist ein Inserat in einer hiesigen vi'elgelesenen bürgerlichen Zeitung, in dem eine junge Dame eine Kameradschaftsehe sucht Aber die neue Kameradschaftsehe soll ja, und damit glaubt man sie rechtfertigen zu können, das Allheilmittel gegen die Ehelosigkeit so vieler Frauen und damit die Lösung eines brennenden Zeitproblem» darstellen; sie soll die Ehescheu der männlichen Jugend beheben und ein neues System der Ehevermittlung erschließen. Wer sie dafür hält, ist zu beneiden und zu bewundern. Eine zufällige Unvorsichtigkeit kann allerdings das Verhältnis zu einer Dauergemeinschaft machen. Menschen, die, sich nur sinnlich kannten, sollen nun Eltern sein — ein grausiges Verhängnis für die Beiden und eine Tragödie für das unglückselige reifende Kind. Besteht denn die angebliche Ehescheu der männlichen Jugend wirklich? Ist es denn wahr, was die Straßenpropheten predigen, daß die Frivolität in der heranwachsenden Jugend so groß ist, daß sie die Ehegemeinschaft verwirft? auch nur erhalten, sache des Mitbewerp vor drei liehen Jugend Mensch wollen. Jeder, dep mit jungen Menschen ernsten Umgang Hat, muß diese Verleumdung der Jugend entrüstet ibweisen. Die tatsächlich vorhandene Eheschieu der männlichen Jugend entspringt nicht der Leichtfertigkeit, sondern "dem wirtschaftlichen Verantwortlichkeitsgefühl; i der faktischen Unmöglichkeit für nur zu viele, einen bescheidenen Hausstand in Ehren zu Schuld an dieser unglückseligen Tat- Oegenwartslebens ist der wachsende der Frau um die Stellen, die loch bis vier Jahrzehnten allein der männoffenstanden. Kein vernünftiger wird diesen Mitbewerb, aussch ilten Aber die Frau muß die Konsrqrenz ihres Einbringens in alle Berufe jn immer erhöhtem Maße in der sich steigernden Ehelc sigkeit büßen. Der junge Angestellte,' der junge Oewerbetieibende konnte einstmals einen bescheidenen Hausstand gründen, vielleicht sugar zugleich nit einer bescheidenen Selbständig keit. Das ist infolge des Mitbewerbs der-Frau und infolge dir völligen Verschiebung aller .wirtschaftlichen Verhältnisse durch die Qroßbetr ebe nicht mehr möglich. | Oerace hier, wo die eigentliche tiefere Ursache d :r Zeiterkrankung zu Tage tritt; müs sen die Heilu igsversuche einsetzen. Die geplat iten Eheanbahnungen, die geschlossenen Frühtheversicheru igen und die Tätigkeit der ßrautausstattun gsvereine können hier nicht hei en. Mit den zwei- oder gar fünftausend Mark einer Früheheversicherung oder eines Bräutstipendiums ist heutzutage eine Eheschließung noch nicht ermöglicht. Sie werden für die Einrichtung us w. verausgab!, bilden aber keinen Fonds, du ch dessen Zinsertrag das Einkommen eines Eiegatten nennenswert gesteigert erscheint. Hier kann nur die Kameradschaftsehe, allerdings in einem anderen Sinne, als dem amerikanisch :n, helfen. ‘ - Die weitaus überwiegende Zahl der fähigen jüdischen Mädchen ist berqftkh tätig, hat aber Jen merkwürdigen Ehrgeiz, nit dem Eingehen der Ehe die Berufstätigkeit aufzugeben, uni ganz vom Erwerbe des Ehegattin zu leben. Dieser Ehrgeiz ist, so seltsam d is auf den ersten Anblick scheinen mag, das Uiheil der ellefähigen werblichen Jugend. In den el «- Dilemma, sollte die Entscheidung der denkenden jüdischen Frau nicht Ehelosigkeit wenn die u 9 — ob Damenleben oder Ehelosigke t, zu schwer fallen.1 Das Problem dir ist zu einem guten Terlj gelös vor der Ehe erwerbstätige, f-rau in