Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1929
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1929-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Beiher mit Qoft auch wohl gerechtet, gezürnt, getobt, mich und die Welt verwünsch!; Der Christenheit den unversöhnlichst! n Hafij zugeschwo’en. —4 Und dann die unerklärliche, gehein nisvolle Wandlung: l »Doch nun kam die Vernunft allmählich wiedej Sie sprach mit sanfter Stimme: Und doch st Gott! Doch war auch Oottes Ratschluß das! Wohlai! Komm! Uebe was du längst begriffen hast: / Was sicherlich zu übert schwerer nicht als zu begreifen ist, wenn du nur willsft. »Steh auf!« ich stand und rief zu Gott * Ich will!! Willst du nur, daß ich will! — Hier ist tiefstes religiöses Erleben, völliges Eingehen, Aufgehen in den Willen Oottesj — ein Unerforschliches, Irrationales. Hier auch ist der tiefinnerste Zusammenhang von Religiosität und guter Tat — die Aufnahme des Chri^tenkindes wird zur Selbstverständlichkeit --er hat sie sich — trotz der eigenen Worte — nicht erst »abgewinnen« müssen: die dankbare i innähme des Kindes wird ihm, da sein Wille mit dem göttlichen völlig eins geworden, zu eine m neuen Lebensinhalt. So gelangt Nathan zu jer er keite- ~ren Ruhe des Gemüts und jener Sonn« nklarheit des Geistes, die ihn fähig machen, alle Geschehnisse zu überwinden, alle Menschen zu gewinnen. Wir wissen, das Mendelssohns Persönlichkeit dem Dichter für diese Gestalt die wesentlichen Züge gegeben, es ist jüdischer Geist, ist jüdische Religion, die sich in Nathans Worten, ir Nathans Denken, spiegeln. Aber es ist etensosehr Lessings eigenes Erleben, seine Religic sität, die hier in Erscheinung Tritt. In dieser Religiosität begegnen eben die Bekenner des Judentums unc des Christentums, wie die Bekenner dl^r Reli gionen einander: im Humanitätsgedanl eri einer sie sich! Ja, auch Menschen ohne positive Religion können dieser großen Gemein; idiaft zut gehören; auch unsere Weisen sagen: »DieGerechten aller Völker haben teil an der cflnftigeii Welt« Lessing bekämpft keineswegs die objektiven positiven Religionen: »Ihr nehmt idle Sach e völlig wie sie liegt ... Es glaube ■jeae)’. sicher seinen Ring den echten! Aber: Es strebe von euch Jeder um die Wette, die Kraft djek Steins von seinem Ring an Tag zu legen«. Erst wen n die objektive Religion sich mit subjektivem Religiösen erfüllt, ist sie auf dem Wege zur Menschheitsreligion. Diese selbst aber ist eüne Verheißung, ein Zukunftsideal der menschlichen Gesellschaft. / Dies ist der Sinn einer seiner letzten reifsten Schriften, der »Erziehung des Menschengeschlechts«. Sie ist ein erster großartiger Entwurf zu einer allgemeinen Religionsgeschichte. Wenn wir auch einem Teil der Oedankengänge j namentlich soweit sie die israelitische Religion betreffen, durchaus nicht zustimmen können —sie beruhen z. T. auf ungenügender Kenntnis des Alten Testamentes, insbesondere der Propheten I — so hat doch der Grundgedanke der Schrift auch heute noch ungeminderte Geltung: In j den positiven Religionen sieht, er erziehende j Mächte, sieht er den Oang, nach welchem sich - der menschliche Verstand jedes Ortes einzig und allein entwickeln könne und entwickeln solle! An diese Entwicklung, an diesen Eortschritt der Menschen glaubt er felsenfest: »Oder soll das menschliche Geschlecht auf diese hoch-1 ste Stufe der Aufklärung und Reinigkeit nie, kommen? Nie? Nie? Laß mich diese Lästerung nicht denken, Allgütiger! Die Erziehung hat ihr Ziel! Und dieses Ziel ist Vollendung. Sie wird gewiß kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch das Oute tun wird, weil es das Oute ist«. . Wie Lessing hier die Religion, so betrachtet er in seinen »Gesprächen für Freimaurer« (Emst und Falk) den Staat als Mittel zur Beförderung der ’ menschlichen Glückseligkeit Aber auch dieses Mittel verursache wie jenes zugleich Trennung und Feindschaft. Aber es sei notwendig, über die Vorurteile der Völkerschaft hinweg zu wissen, wo »Patriotismus aufhöre, Tugend zu sein.« »Die Freimaurer«, so sagt Falk seinem Freunde, »hätten sich die Aufgabe gestellt jene religiösen und politischen Trennungen, wodurch die Menschen einander so fremd würden, so eng als möglich zusammen zu ziehen. Es sei ihr Grundgesetz, daß jeder würdige Mann ohne Unterschied des Vaterlandes, der Religion und des Standes in den Orden aufgenommen werden könne.« Der Freund wird Freimaurer und kehrt sehr bald enttäuscht zurück. Von jener Gleichheit findet er in der Loge keine Spur: Ein aufgeklärter Jude, ein ehrlicher Schuster, ein treuer Dienstbote — für sie ist in dem Orden kein Platz: »Wir sind unter uns so gute Gesellschaft.« Es ist der klaffende 1 Widerspruch zwischen der reinen Ordensidee und der organisierten Institution, den wir alle kennen und den wir doch alle mit heißem Bemühen überwinden möchten, der Lessing fragen 4