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Der Orden Bne Briss · 1928-06-01 · Juni/Juli (6.1928) · p. Seite 31

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
Beilage 1928 (1928)
Issue
Juni/Juli (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 31 (sequence 4)
Language
German
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3—, betitelt: »Brennende Fragen«, ferner die Aufforderung von Hanauer in jüdischen Zeitungen, das Werk zu beginnen. Es ist nicht nötig, die Zahlen nochmals anzuführen, die der Ausdruck unserer Existenzbedropung sind. Sie reden eine furchtbare Sprache. Man muff sich nur immer wieder vor Augen halten, was es bedeutet, daß 12000 jugendkräftige Menschen für alle menschlichen Beziehungen ausgelöscht sind. j 1 Fast alles Leid, fast alle Unzuträglichkeiten auf dem Gebiete der Geschlechtsbeziehungen der Gegenwart sind auf das zurückzuführen, was in dieser Ziffer Ifegt. Zur Erkenntnis der Notwendigkeit der Hdnauerschen Anregung einer .Gemeinnützigen Eheberatung^ bedürfen wir einer Klärung der Anschauungen in unserer eigenen Seele. Wir entstammen wohl fast alle einer Jugendzeit, da man sich aus den Bindungen einer vergangenen Zeit freizumachen suchte, aus deV' Lösung materieller Anschauungen gerade auf dem Oebiete der Geschlechtsbeziehungen zu dem Aufschwung idealistischer, romantischer Oedapkengänge, zur Individualist^, zur Kameradepe, zur Selbstbestimmung, zur Harmonisierung. Die Zeiten sind nup wieder andere geworden: das Finden ist (erschwert, das Binden gefahrvoller, bedenklicher, verantwortungsvoller. Im Ghetto konnten die Elterji bestimme^ in freieren Zeiten die Kinder, in Zeiten der-Gefahr, tv|e sie die Gegenwart mit sich bringt, soll die Gemeinschaft - wenigstens mitwirken. Die freie Wahl, die eigene Selbstbestimmung ist ja trotzdem letzten Endes sejlbstverständ - liehe Voraussetzung. ' 1 Der Gedanke einer gemeinnützigen Eheberatung j ist kein rein jüdischer Gedanke: Wir lasen das Vorgehen eines englischen Geistlichen, der deutschen f(olorjia|- gesellschaft (1908), der Stadt Magdeburg ((1917) — liier das Verdienst unseres Br. Benno Basch von der Mendelssohn-Loge. ( Wer soll die Ausführung übernehmen? Die jüdische Frau,'die jüdische Frau in ihrer Gesamtheit — die jüdischen Frauenorganisationen. Von der verständnisvollen Auffassung der Brüder, von ihrer Autorität, ihrer starken Zustimmung, ihrem:[ Ja! kann in dieser Frage sehr viel abhängen. j Darum erbittet er die Zustimmung zu folgender Entschließung: i | In Erkenntnis der schweren Schädigungen, die Krieg und Nachkriegszeit für die Beziehungen qer Qeschlechter gebracht haben, sieht das Oeneralkomitee der Groploge für Deutschland die Möglichkeit eine)- Besserung ■ in einer gemeinnützigen Eheberatung —ffür geeignete Fälle evtl, unter Zuhilfenahme von Fjrühehekasspn — und ersucht den Verband der Logen-Fratienvereinigungen in Verbindung mit Br. Prof. Hanauer^ Frankfurt a. M., dem Jüdischen Frauenbund und anderen jüdischen Frauenorganisati^nen der Ausführung I näher zu treten. Nicht minder wichtig ist die bedeutsame Zustimmung in der Boykottfrage, um in allen Logenortfn des deutschen Distriktes den Kampf gegen die uds bedrohenden wirtschaftlichen Gefahren aufzunehmen.I Br. Cohn, Königsberg: Die Bewilligung dir Umlage von M. 2.— ist unerläßliche Notwendigkeit Wohl ist die Großloge .eine Verwaltungsstelle. Ihre Atfgaben gehen aber weit über den Rahmen eiijer solchen hinaus. In den Etat werden auch Mittel eingestellt werden müssen, die es ermöglichen, daß die Großloge würdigere Räume erhält als sie jetzt inne bat. Er bittet, der Umlage von M. 2.— zuzustimmen. Br. Kahn, Stuttgart, wendet sich gegen die gewünschte Beschränkung der Redezeit. Der Ausgabenetat wird mit den Einnahmen mehr in Einklang gebracht werden müssen. Freilich kann eine Heruntersetzung der einzelnen Posten nur durch die mit der Finanzführung der Großloge betrauten Brüder etfolgen. Der Umlage widerspricht er. Br. Holländer, Berlin: Die Logenbeiträge müssen so angesetzt werden, daß auch finanziell nicht so günstig gestellte Kandidaten gewonnen werden können. Werden die Beiträge höher — und sie müssen sich bei der Erhöhung des Kopfbeitrages für die Großloge erhöhen — so werden sehr viele geeignete Kräfte von den Logen ferngehalten werden, weil sie den Beitrag nicht aufbringen können. Es ist dies eine Lebensfrage für den Orden. Die Staffelung der Beiträge muß im Verwaltungswege durchgefühft werden, um den Nachwuchs nach der Eignung, nicht aber nach finanziellen Verhältnissen wählen zu können. So lange nicht die letzte Witwe -und Waise, so lange nichfder notleidende Bruder in würdiger Weise versorgt ist, so lange darf die Loge nicht, wenn sie sich nicht der 'Pflichtversäumnis schuldig machen will, ihre Mittel nur für andere hergeben. Auch die Oroßloge sollte erst Zuwendungen an Institute machen, wenn feststeht daß die letzten Pflichten gegenüber Brüdern, Witwer und Waisen erfüllt sind. Die Frage des Boykotts von Juden gegen Juden is e:ne außerordentlich wichtige. Die Frage muß geklär werden. Es geht nicht an, daß ein Bruder sagt, er stellr keinen Juden an. So schwer es ist, die Frage in der Oeffentlichkeit zu behandeln, so notwendig ist es, in der eigenen Reihen klare Verhältnisse zu schaffen. Br. L i s s e r, Hamburg, betont die Notwendigkei I der Umlage von M. 2.—. Man braucht nur den Vei mögensbestand mit den Anforderungen, die an die Gro löge herankommen, zu vergleichen, um zu sehen, daj M. 1.— erforderlich ist, um den Etat auszugleichen, u die weitere Mark, um einen sogenannten »inneren Kat^- strophenfonds« zu schaffen. . Um geeigneten Nachwuchs heranzuziehen, sind ln den Hamburger Logen vier Staffelungen für Selbsteinschätzung vorgenommen worden. Br. 011 e n d o r f, Barmen: Der Absatz der Löse für die Lungentuberkulos-Lotterie ist in den Logen ein außerordentlich geringer. Er bittet nochmals dringend an die Logen zu schreiben und sie zu weiterem Bezug der Lose aufzufordem. An die Ausführung des Planes darf nur herangetreten werden, wenn die Mittel gesichert sind ' Was die Präsidentenkonferenzen anbetrifft, so ist be reits 1917 der Versuch mit einer solchen Konferenz gemacht worden, der sich — damals als Ersatz-Großloge gedacht — bewährt hat. Damals galt es, verzagte Bri der aufzurichten und in den Logen manche Mängel iuszugleichen. Heute, wo die Organisation wieder tadellos imstande ist,' sollte man von der Einrichtung von .Präsidentenkonferenzen* absehen. Den Präsidenten ist bei der Veranstaltung von Logenverbandstagen Gelegenheit gegeben, zusammenzukommen, wenn sie das Bedürfnis hierzu haben. 32

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