Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 12 - Dezember (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch einen anderen Irrtum konnte der Oe* danke der Exklusivität nach sich ziehen, den jener bequemen Methode, gan z unter seines gleichen sein zu wollen, sich gegenüber anders Denkenden und anders Fühlenden einzuschließen. Vielleicht hat es hn Laufe der Jahrzehnte hier oder dort Bestrebungen gegeben, daß man die einer bestimmten -Richtung Angehörigen nicht in die Loge hinein lassen sollte; man meinte, daß die Einheit und die Einigkeit in der Loge dadurch gestört werden würden. Aber diese Bestrebungen, wenn sie sich gezeigt haben, konnten sicn in triseren Logen nicht durchsetzen. Heute herrscht doch allgemein unter den Brüdern die Erkenntnis, daß unsere deutschen Logen ein neu traler Boden sind, auf dem alle deutschen Juden sich zusammenfinden können. Neutral sein, bedeutet nicht gleichgültig sein, Neutralität bedeutet nicht ein Aufgeben seiner Eigenart oder Besonderheit, soridern ltas Wissen darum, daß über allem Trennenden ein Verbindendes da ist, faß so für die deutschen Juden, welcher Rieh ung oder Partei sie auch angehören, in unseren Logen die Stätte bereitet ist, auf der sie innetlich einander begegnen können. Das ist uns ein Logengedanke, daß wir einander nicht nur tolerieren, nicht nur dulden sollen, sondern offen und frei einander anerkennen, den Respekt beweisen vor der ehrlichen Ueberzeugung eines anderen, eines Bruders, auch wenn sie von der unseren abweicht. Achtung nur vor der Ueberzeugjng haben, welche die gleiche ist wie die unsere, das ist immer sehr bequem, das,ist im Grur de Egoismus, ist eine Ehrenbezeigung, die man sich selber darbringt. Neutralität ist Brttderliidikeit im edelsten Sihne, Sie beginnt dort, wo der Ueberzeugung, die in ihrer Richtung nicht die unsere ist, die aber ebenso ehrlich, so innig und tief ist wie die unsere, Anerkennung und Ehrerbietung bewährt wird. Vielleicht ist es die größte Leistung unserer deutschen Logen in den vergangenen letzten Jahren, daß sie dieses neutrale Gebiet geblieben und damit die gemeinsame Stätte aller deutschen Juden mancherwärts die einzige, geworden sind. Aengstliche Gemüter unter uns hatten wohl gefürchtet, daß dieser neutrale Boden die Logen nicht tragen, daß er uns unter den Füßen entweichen würde. Oerade umgekehrt ist es geworden. Auf diesem Boden haben wir die ganze Sicherheit dessen gewonnen, was unsere Logen in Deutschland bedeuten. Vergegenwärtigen wir uns einmal, wie es in manchen unserer deutschen Gemeinden sein würde, wenn es unsere Logen nicht gäbe, diese einigende Stätte in der Oemeinde, auf der die Menschen, die führend sind, von rechts und links, 'einander begegnen, mit einander zusammen sind als Brüder, um immer wieder etwas zu empfinden, Was sie eint und verbindet! Das Wort des Dichters, daß »gemeine Naturen mit dem zahlen, was sie tun, adlige mit dem, was sie sind«, kann auch für unsere Logen gelten. Dadurch, daß sie da sind, bedenten sie eigentlich noch viel mehr, als durch das, was sie leisten und wirken. Wir fordern von unseren Brüdern immer heue Opfer, und alle werden sicherlich immer bereit sein4, sie zu bringen. Aber wir dürfen bei alle {fern, was wir leisten, auch dessen bewußt sein, wieviel das Leben der Logen als solches schon bedeutet, wieviel unsere zerrissene deutsche Judenheit darin besitzt, daß unsere Logen da sind. Wenn es sie noch nicht gäbe, sie müßten jetzt geschaffen werden. Unsere Neutralität hat sich als versöhnendes, als zusammenführendes Element, als eine Kraft der Verbindung 'bewährt. Hierin ist die erste und wohl wichtigste Aufgabe, die unser deutscher Distrik^ in den abgelaufenen Jahren erfüllt hat, dargelegt. Aber sie ist nicht die einzige. Zu ihr trat notwendig die weitere Pflicht, und auch sie sollte erkannt werden, führend zu sein. Führend iein, das ist nur den wirklichen Persönlichkeiten gegeben; in jeder Persönlichkeit, aber nur in ihr; liegt ein Führendes. Dadurch, daß sie da ist, zwingt, sie fast innerlich dieanderen,sichihranzuschließen. Darum ist es von so großer Bedeutjung, daß jede Loge ihre führenden Persönlichkeiten habe, Menschen, von denen, ohne daß sie zu fordern brauchen, dieses Oebot, sich ihnen anzufügen, .ausgeht, denen die Brüder oft ungewollt und gleichsam unbewußt nachfolgen. Es ist das tür jede Loge wichtig, um ihrer selbst wjllen und deshalb, weil sie auf ihrem Platze ein Exponent der deutschen judenheit ist. Und noch mehr gilt es für die Auswahl der Männer, welche den großen Deutschen Distrikt führen sollen.^ Es ist heute Ihre Aufgabe, meine Brüder, Männer, welche führen, zu Führern zu wählen. Nur, wenn der Deutsche Distrikt wirkliche Persönlichkeiten zu Führern hat, wird er das zu leisten im Stande sein, was von ihm erwartet wird. Aber, wenn so das Entscheidende die Persönlichkeit ist, so muß doch für die Männer, welche den Deutschen Distrikt leiten sollen, noch ein weiteres däzukommen, der Blick nämlich für das, was sich vorbereiteL Welch vergeßliche Wesen sind wir Menschen «Ile. Wie — 222 —