Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 11 - November (11.1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 218 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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sächlich Jesus die ihm von Ludwig zugeschriebene Entwicklung vom demütigen, heiter Ehrenden ' Rabbi zum messianisch selbstbewußten Propheten durchgemacht hat, wer könnte es wagen, diese Frage zu entscheiden? Man wird aber Emil Ludwig die Anerkennung nicht versagen können, daß er auf Grund wissenschaftlicher Prüfung der Quellen mit künstlerischer Gestaltungskraft das Leben Jesu gezeichnet h#t, daß er dqn Charakter seines Helden auch psychologisch folgerichtig entwickelt hat. Fast noch größere Bewunderung erregt aber die Kunst, mit der Emil Ludwig die damaligen^Zeitumstände, den Gegensatz zwischen Rom und Juda, zwischen Jerusalem und Galiläa, zwischen Pharisäern und Sadduzäern, zwischen Nationalisten und Hellenisten, zwischen den Führern des Volkes und den Massen schildert. Auch die christlichen Theologen, die sich bisher zu Ludwigs Buch geäußert haben, erkennen trotz mancher Vorbehalte an, daß der Autor, seinen doch sicherlich heiklen Vorwurf mit dem nötigen Takt gegen religiöse Gefühle behandelt und keinen Christen verletzt habe. Ja, das Werk ist sogar von christlicher Seite als »Friedensbrücke zwischen den Konfessionen« bezeichnet worden. Dr. Fritz Ooldschmidt (Spinoza-Loge). »Elischa« von Isaak Brie u er. Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. M? 1928. ’ j Das Büch stellt eine Apotheose des Vor 2 Jahren verstorbenen Frankfurter Rabbiners: Salomon Breuer durch seinen Sohn Isaak dar. Es ist von einer tiefen Verehrung und Kindesliebe durchstrpmt und als Aeußerung dieser Empfindungen-zu werten, j Die Reinheit der pietätvollen Gesinnung scheint mir eine kritische Besprechung des Buches auszuschließen. . Es! will mir scheinen, als hätte es den Keuschheit der kindlichen Gefühle mehr entsprochen, dieselben in Tagebuch-Aufzeichnungen oder Familienpapieren zum Ausdruck jzu bringen, als in einem Buch, das sich an die Öffentlichkeit .wendet., Ist an sich schon der Vergleich eines noch so verehrten Mannes mit dem Propheten Elijahu von! jüdischen und menschlichen Standpunkt ein Wagnis, um wie viel mehr besteht die Gefahr, durch eine derartige Hyperbel Widerspruch herauszufordern bei einer Persönlichkeit, die, wie Salomon Breuer, bei aller Hochachtung und Wertschätzung, die ihm entgegengebracht werden mag, doch im heißen Kampf der jüdischen Parteien stand. Diese Bedenken werden auch durchdie philosophische, häufig allzu pathetische Form des Buches nicht beseitigt Alfred Marcus. Encyclopaedia Judaica — Das Judentum in Geschichte und Gegenwart —. 2. Band, Akademien-Apostasie. Verlag Eschkol A.-G., Berlin. Chefredakteur: Dr. acob Klatzldn, stellvertretender Chefredakteur: Prof. Dr. . Elbogen. Der zweite Band der Encyclopaedie präsentiert sich in der gleichen gediegenen und schönen Form mit seinem reichen Inhalt wie der erste Band. Er enthält in noch höherem Maße als sein Vorgänger umfassende Gesamt-, darstellungen einzelner Wissenskomplexe, so daß manche Stichwörter der späteren Buchstaben des Alphabets vorweg genommen werden und an Ort und Stelle bloß eines Verweises auf die entsprechende Monographie bedürfen werden. Der Artikel »Antisemitismus« ist in ausführlichen Einzeldarstellungen enthalten und gewährt einen Ueberblick über die neuesten Strömungen und Entwicklungstendenzen in allein Ländern und Erdteilen. Die Redaktion bemüht sich, über das vorliegende Tatsachenmaterial rein sachlich zu referieren und jede wertende Stellungnahme nach Möglichkeit zu vermeiden. * V Siegmund Reit, Hindenburg O.-S.: »Jüdisches aus deutschen M.o n a t s b 1 ä t f e r n«. Das, was ich , diesmal bei »einer kritischen Durcharbeitung gefunden habe, mag ein Zufall sein. Aber es ist ein hinweisendes Beispiel. Es ist nicht uninteressant, die großen deutschen Familien-Monatshefte auf ihren Inhalt und auf ihre gelegentliche Verknüpfung mit jüdischem zu untersuchen.. SetbatverWändlich werden die für das Haus und das große Publikum bestimmten Familienblätter, die sich ja der politischen Neutralität befleißen müssen, Jeeine Aufsätze bringen, die polemisch sind .... in‘unserem Falle das Judenproblem positiv oder negativ zufr Diskussion stellen. Aber ein Blick, zum Beispiel in das kürzlich erschienene Septemberheft von »Westermanns Monatshefte« zeigt überraschend, wie stark das Jüdisch-Geistige mit dem deutschen Leben verknüpft ist. Lind umgekehrt, wie manchesmal auch der bewußte Jude in den Ausstrahlungen der deutschen Literatur Gutes für sich finden kann. So treffe ich in dem reichen Hefte folgende, einem jüdischen Leser .... und darüber hinaus .... nahestehende Arbeiten. Rudolf O. B i n d i n g bringt »Erzählungen der Bücher Moses«:* »Der Turmbau zu Babel«. — »Das goldene Kalb« — dann »Die Erzählung des. Buches Ruth«. — Binding, der gefeierte deutsche Novellist und Erzähler, bringt in neuer Darbietung »ohne Gelehrsamkeit und ohne / i kritisches Bedürfnis« neugefaßt, ins Modem-Oegenwärtige unserer Sprache übertragen, den Urtext Er sagt: »Der Verfasser ist der Ansicht, daß ohne eine neue Eroberung j für Jede Oegenwart alle Vergangenheit tot und nur ein I Stein des unnützen Ballastes ist Er setzt daher diese geringen Proben einer Aussprache aus, ehe er anderes in gleichem Sinne bietet!« Die Aussprache wird sich ja zweifellos entspinnen und tausende Deutsche werden so wieder an die unvergängliche Poesie des alten Judentums erinnert, um sie neu aufzunehmen., Ein schönes jüdisches Gedicht: »Das Weib des Rabbi« wird von Hans Böhm beigesteuert Hermann Ebers bietet einen gut illustrierten farbigen Reise-Aufsatz »Vom nahen Orient«. Konstantinopel, Kairo und die nahe Umgebung, Tunis und Algier und hauptsächlich Jerusalem, der »nahe Orient« und vielfach jüdisches Leben kommen da mit zur Darstellung. Oeorg Herrmans neues Buch: »Zeitlupe« wird neben anderen neuen Büchern in der »Literarischen Rundschau« von Friedrich Düsel besprochen Ein Monatsheft fürs deutsche Haus und zeigt uns, . wie die unterirdischen Ströme jüdischen Oeistes lebendig fließen, wie sie sich vereinen mit deutschem Oute. Wie auch die echte Kultur des deutschen Hauses ohne das Kulturgut des Judentums nicht gut denkbar ist . , . und wie umgekehrt starke Wechselwirkung entsteht Was nicht erst zu betonen wäre, wenn nicht Rassenantisemiten diese alte Wahrheit entwerten und umlügen wollten! Das soeben erschienene Augustheft der »Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums« zeichnet sich wieder durch einen besonders reichhaltigen Inhalt aus. L. Lewin gibt einen Ueberblick über Neuerscheinungen, die Qeschichte der Juden im Osten betreffend, S. Schulsohn führt seine Geschichte der Juden in der Bukowina zu Ende, F. Friedmann bespricht ein besonders interessantes Kapitel aus dem Emanzipationskampf der polnischen Juden. V. Aptowitzers Nachweis der Lehre, daß die Welt aus einem Urlicht geschaffen worden ist, und A. Marmorsteins Behandlung volkstümlicher Bräuche im mischnischen Schrifttum erläutern die j jüdische Gedankenwelt in sehr lehrreicher Weise aus weit | verbreiteten Vorstellungen umwohnender Völker. Archivdirektor Löwinson-Parma zeigt aus . ungedruckten Urkünden, mit welch seltsamen Mitteln die Kirche bestrebt j war, den Kreis der Täuflinge zu erweitern. H. M. Wiener: setzt seine Auseinandersetzung mit der neueren Bibeli forschung fort, indem er den Wechsel der Oottesnamen in der Thora einer eingehenden Untersuchung unterzieht | Lamparter, Eduard, Stadtpfarrer a. D.: Evangelische Kirche und Judentum. Ein Beitrag: zu christlichem Verständnis von Judentum und Anti-1 semitismus. Verlag der Abwehrblätter, Berlin W 35, FlottWellstraße 7. j ln einer Zeit antisemitischer Verhetzung, geistiger Verirrung und sittlicher Verrohung, die sich in Friedhofs» Schändungen und Synagogenbesudelungen kundgibt, ist es mit Genugtuung und Dank zu begrüßen, daß ein evangelischer Oeislucher es in ehrlichem Bemühen unternimmt, durch gediegene Schriften aufklärend auf die Menschen zu wirken und eine Atmosphäre gegenseitigen Verstehens und gegenseitiger Achtung zu schaffen. 218