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Der Orden Bne Briss · 1928-11-01 · Nr. 11 - November (11.1928) · p. Seite 208

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 11 - November (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
Seite 208 (sequence 12)
Language
German
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für die kirchlichen, Rituellen und zeremoniellen Verordnungen. Er enühält eine reiche Sammlung aller Ueberlieferungen und Deutungen von Bibelstellen und Anderer Gutachten. Der Talmud ist gewissermaßen das Corpus juris civilis et ecclesiastici Judaerum; er gehört der Völkergeschichte ’ und beherrscht* den Oeist eines großen Teils einer alten fortlebenden Nation. — Mehreren christlichen Theologen und anderen Gelehrten ist cJerTalmud nicht so bekannt, wie er es verdient.: Er war und ist ja das Höchste der jüdischen Gelehrsamkeit; auf ihn beziehen sich'viele, ja man kann sagen'die meisten israelitischen milden Stiftungen.« Unter den christlichen Gelehrten und Talmudkennern des 19. Jahrhunderts ist besdnders der Orientalist Prof. Dr. August Wünsche, Dresden, hervorzuheben, der vielfach das jüdische Schrifttum würdigte: »Was ist der Talmud? Bald hat man ihn als Wissenschaft der jüdischen Religion, bald als das Corpus juris des Judentums bezeichnet. Wir sehen in ihm den Niederschlag des geistigen und religiösen Lebens der Juden von mehr als $ieben Jahrhunderten, er ist eine bis in die winzigen Details kondensierte Geistesgeschichte dcjs jüdischen Volkes. Nach einer anderen S<Hte betrachtet, erscheint der Talmud als eilte großartige Lehrhalle, in welcher mehr als tausend JRabbinen sich vernehmen lassen und außer religiösen und juristischen Fragen auch manche naturwissenschaftliche, medizinische, astronomische und pädagogische Dinge erörtern.«' Als im Jahre 1878 ein Professor der katholischen Theologie in Prag, Rohling, seine Schmähschrift »der Talmudjude«, veröffentlichte, die durch verfälschte und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate aus dem Talmud — Rohling verstand keih Wort dieses Riesenwerkes — das Judentum treffen wollte, waren es, neben Widerlegungen von jüdischer Seite, hauptsächlich die namhaften christlichen Talmudkenner: Die Professoren Franz* Delitzsch, Nöldeke, Strack, Wünsche u. n. a., die die tendenziösen Fälschungen und Entstellungen Rohlings gründlich auf gedeckt und vernichtet haben. I Als Gegenstück zu dem gefälschten »Talj mudjuden« von Rohling hatte Albert Kat 4 1893 sein Werk: die wichtigsten Grundsätze des talmudischen Schrifttums über das sittliche Leben des Menschen »der wahre Talmudjude« benannt. Albert Katz hatte sich damals, wie er angab* des von Isaak Suwalski in Warschau im Jahre 1889 hebräisch herausgegebenen Werkes, >das| Leben des Juden nach dem Talmud«, bedient: Als genauer Kenner des talmudischen Schrifttums ging Katz selbständig weiter, das Material in 70 Kapiteln systematisch zu ordnen, die Quellen möglichst genau anzugeben, den talmudischen Geist, so weit es angängig war, unverfälscht mit der modernen deutschen Ausdrucksweise in Einklang zu bringen und alle jene trocknen Uebersetzungsformen zu vermeiden, die nach einem sinnigen talmudischen Ausspruch, weil sie sich sklavisch an das Wort binden, Fehler hervorrufen oder sogar Unwissenheit verraten und Lügen verbreiten. Das Buch (XV u. 166 Seiten) entwirft ein; klares Bild der Ethik des Talmuds. Das Oanze ergibt eine kleine Sammlung, die1 viel enthält: die inhaltsreiche Sittenlehre in nuce. Neuerdings ist zu dem Tage, wo der Ver-i fasser das siebzigste Lebensjahr vollendet hätte (Kätz ist am 18. Dezember 1923 gestorben),• dank der Pietät seiner Kinder das Buch im Verlage von M. Poppelauer, Berlin, in vierter Auflage erschienen, welche allein schon eine seltene Erscheinung in der jüdischen Literatur ist und für die Qualität des Buches deutlich spricht. Der Neudruck ist allerdings anastatisch und daher die alte Ortographie beibehalten worden. Dadurch aber konnte der Ladenpreis des Werkchens nur auf 3.— Mk. beiwertet werden, um die Anschaffung für jedermann erschwinglich zu machen. I 9 Die englischen Frauenlogen des U. 0. B. B. und .... - damit Zusammenhängendes. 1 f* c * Von Expr. Schindler. 1. in seinem Artikel »Aus 'dem englischen Logenleben r (O. B. B. S. 115) bespricht Br. Expr. Dr. Leszynsky die Koexistenz englischer Logenschwestem in autonomen Frauenlogen. Gewisse Bruderkreise nehmen irrigerweise auf Grund jener Ausführungen an, daß die Entwicklung bereits über uns hinweggegangen sei, und die Logen des deutschen Distrikts sich höchstens noch bemühen könnten, den fortgeschrittenen englischen Logen möglichst rasch nachzueifern — 208

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