Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 188 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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Besonderes Gewicht wurde auf die Pflege der Lehre gelegt. Die Errichtung von Hochschulen konnte nur an wenigen, wichtigen Mittelpunkten des jüdischen Geisteslebens ausgeführt werden, i iingegen wurde als .Pflicht einer jeden Gemeinde erachtet, für den Unterricht der Kinder zu sorgen Rabbi Simen ben Lakisch zitiert im Namen eines ‘Patriarchen den etwas harten, aber für die alL gemeine Auffassung bezeichnenden Spruch: Jede Stadt (Gemeinde), die Leine Schulkinder hat <d. h. für den Unterricht der Kinder nicht sorgt), verdient zerstört oder vernichtet zu werden. Sabbat 119b. — Man ging so.weir, auch die Zerstörung Jerusalems auf Vernachlässigung des ivnderunterrichts zuA rückzuführen.. (Das.)' . *In der Wohlfahrtspflege nimmt den ersten Platz die Versorgung der Armen cm/ Volksküche und Armenkasse sind die zwei Hauptinstitutionen, mit denen die Armen zu rechnen hatten. Da^ . neben gab es auch noch andere Aufgaben, die sich die öffentliche Wohltätigkeit gesteckt har, je nach denKrähenT die die einzelnen Gemeinden aufwenden konnten. Als allgemeiner Charakterzug jüdischer Wohlfahrt galt schon in alttiy Zeiten eine feinfühlig'^ Rücksichtnahme auf die Empfindsamkeit der Armen, besonders solcher, die sich scheuen, Almosen anzunehmen. - »Sagtjemand, ich will mich nicht aus fremden Mitteln ernähren lassen, so sei man entgegenkommend gegen ihn und gebe ihm das zur Ernährung Nötige •als Darlehen, das-man ihm nachträglich schenkt« Tosefta Pea IV 12. Daselbst finden sich noch andere Arten des Gebens, die auf die Empfindsamkeit verschämter Naturen Rücksicht nehmen. Diese Rücksichtnahme bot auch einen gewissen Takt bei Untersuchung der Aryiur. Man mußte stets das Selbstgefühl der Armen schonen''und jede Kränkung sorgsam verhüten. Es entwickelte sich die Praxis, daß man Untersuchungen nui» bei größeren Dingen anstellte: »Men untersucht bei Bekleidung, nicht aber bei Nahrung* <Baba Batra 9a). — Es konnte nicht fehlen, daß dadurch manchmal audi-siolche sich zur Armenkasse drängten, x die es nicht nötig hatten. Man Legnüglte sich aber mit dem Satz: »Wer es. nicht nötig hat; zu nehmen und dennoch nimmt, wird flicht eher Sterben, bis er nicht auf Menschenhilfe [angewiesen sein wird*- Wer es jaber nötig hätte zu nejimen, aber dennoch nicht nimmt, wird nicht eher sterben,, bis cs ihm nicht vergönnt sein Wird, andere aus dem Seineh zu| erhalten.« (Miscnna Rea VIH, 9) Bezeichnend für diesen Teil des Gemeinaelebens ist der talmüpischei Doppelsprudj: »Eine Gemeinde isf nicht rieich, eine Gemeinde ist nicht <}e^uskh. Gittin arm « III, 7). hat zelnen Dieser Doppelspruch sowohl den ieinals auch •; die im 'Auge Die heilige Lade im Tempel zu Rhodus Gerne nde 'Gewöhnlich wird bloß die zweite Hälfte zitiert und zwar ajs Appell an die Leistqngsfähigkeit der Gemeinde, oder alls kritische Weisung, caß die Gemeinde keine Armijit vorschützen dürf^, wenn es gilt j zu helfen. Eine ähnliche, nicht minder eindringliche Weisung auch die erste des Doppelreich« will den j enthält i Hälfte Spruchs »Eine Gemeinde [ist nicht einzelnen mahnen, die Kräfte der Gemeinde zu schonen und sie nicht unnötigerweise in Anspruch zu nehmen. Jeder Mißbraudji des Gelmeinwesens bedeutet eine sündhafte Schädigung von heiligen und wichtigen religiös-ethischen Interessen.;! Sagt jemand <in seiner letzt willigen Verfügung): »Bestattet mich nicht aus meinen pigenen Mitteln!« go darf ihm keine Folge geleistet yerdeiv Denn niemand hat. das Recht,;seinen Kindern in der Weise Vorteile! zu sichernj daß eif der Gemeinde zur Last fällt. (Ketubot 48 a). j . Ebenfalls ^ine Folge des Grundsatzes, daß — 183 -