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Der Orden Bne Briss · 1928-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928) · p. Seite 184

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 184 (sequence 46)
Language
German
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Er entschuldigte sich, ging ins andere Zimmer, zog Schuh und St’rumpf au* und ein blinkender Gold* dukaten rollte heraus,- der Dajjan kehrte zu seinem Sitz zurück und nahm die Verhandlung wieder auf. Jetzt ging die Sache einen andern Weg, die Wagschale neigte sich entschieden auf die entgegen* gesetzte Seite. Nach einiger Zeit saßen dieselben Parteien abermals vor dem Dajjan, mitten in der Verhandlung fühlte dieser abermals einen Druck im Schuh, diesmal aber führte er ruhig die Ver* handlung weiter und entschied schließlich wiederum wie dns erste mal. Später zog er Schuh und Strumpf aus, aber, o wehe, hinaus fiel kein Gold* dukaten, sondern ein kupferner Pfennig. ' »Ist das aber heutzutage eine verlogene Welt!« rief der enttäuschte Dajjan empört, »keinem darf man mehr trauen!«. Der Dajjan einer Gemeinde lebte mit einem der Gemeindemitglieder auf gespanntem Fuße. Am Simchas Thora erging sich gerade dieses Mit» glied, obwohl ganz und-gar ungelehrt in der Thora, in lauten Freudenausbrüchen. Der darob ge» ärgerte Dajjan sprach zu ihm: »Was tut Ihr denn so besonders auffällig mit Eurer Freude an der Thora? Lernt Ihr denn die Thora/ versteht Ihr denn die Thora?. Was' geht Euch die Thora an?« Der Mann replizierte hierauf: »Seht Ihr Rebbe, vor einigen Tagen, am Jom Kippur, bei der großen Beichte <al chet> schlüg ich midi an die Brust: Vergib uns was wir vor Dir gesündigt haben durch Annahme von Bestechung. Wie komme ich zu Bestechung? Bjn ich ein Richter? Hab ich was mit Prozessen zu tun? Aber jeder Jude ist 'für den andern verantwortlich, daher, beichtete ich; was aridere sündigten. Heute freue ich midi I ebenso, daß andere die heilige Thora kennen ujid lernen « ' . Zu Purim pflegte man zu alten Zeiten einen Purim-Raw zu wählen, der den Gemeinde-Rabbiner spaßhaft imitierte, mitunter wohl auch die bestimmte Person karikierte. Die Entscheidungen und Anord» nungen des Purim-Rabbiners hatten natürlich nur einen Tag lang Geltung. Daher sagte man von einem Befehl, den man mißachtete : »Ich höre Dich wie den Purim-Rabbiner.« * * * Die dem Rabbiner entgegengesetzte Sprosse auf der sozialen Stufe war der Bader: »Verschwägerte sich-der Rabbi mit dem Bader, so hielt sich der Bader für einen Rabbi« sagt ein Sprichwort. Neben dem Rabbiner, aber ihm bedeutend nachgeordnet, stand der Chazan. Im Bewußtsein des Volkes sind diese beiden Würden streng geschieden.' »An einem Row, der singen, und einerh Chazan der lernen kann, ist kein Seg|en.« <»!emejn können« heißt gelehrt, im Talmud bewandert seinj.) »Alle Chazonim sind Naronim (Narren) — aber nicht alle Naronim sind Chazonim « »Nach einem schlechten Chazan ist gilt vo^« zubeten.«; . | j Wie immer der Chazan singf, er bekomijnt jedenfalls sein : Hol' ihn der Teufel. i Hat er gut gesungen : »der Teufel soll i|in holen! Gesungen hat er heute,fcn3an könnte v[or Süßigkeit einfach dahinschmelzen. : Hat er schleicht gesungen : »Hol' ihn der Teufel! j Uebel werden konnte es einem bei seinem Singep W) j »Nur der Chazan sagt zweirtjal:« j (Nämlich die stille und die jaute SdiTmopeh Essreh’.) i Verlangt der Chazan eine Gehaltserhöhung, legt ihm die Gemeinde ein paar phoristen hiijzu. : ♦ j 1 Andererseits lebt in der dankbaren Erinnerung des jüdischen Volkes das Andenken vieler Par* n a s s i m fort, die für die Gemeinden sogar mit dem Einsatz des eignen Lebenjs gegen äußere Gewalten kämpften, sdroere Leiden auf sich nahmen und für sie sogar in den Tod gjmgen. Die Gestalten dieser Parnassim sind vonj vielen Legenden umwoben, denen historische Tatsachen zu Grunde liegen I!; Eine dieser Legenden möge hierher; gesetzt Werden. j In der Stadt Rushany in Polen erhob sich einmal vor Pessadi die Blutbeschuldigung gegen die Juden. Die Wut des Pöbels wudhs immer heftiger an. Am Jom Kippur, während die jüdische Gemeinde im Gebet versunken war, umzingelte das Volk die Synagoge und verlangte »die Herausgabe der Schuldigen«, widrigenfalls die Synagoge angezündetj und alle Juden unter den Trümmern den Tod finden würden. Stundenlang beteten die Juden in großer Zerknirschung, bebend vor Angst, aber keine Hilfe kam. Da erhoben sich die beiden ältesten Vorsteher und überlieferten sich freiwillig det rasenden Menge, die auch an ihnen sofort ihre Blptgier stillte, fcber von der Synagoge abzog. I Unter den zahlreichen Parnassim und Sch'thadla»' nim (Sachwalter), die in $.en Gemeinden Deutschlands einen gesegneten Namen der Nachwelt hinterlassen haben, möge wenigstens Rabbi J o s e 1 m.a n n v. Rossheim (1480 -1554) erjwähnt werden, der unter Maximilian I. und Karl V. als anerkanntes weltliches Oberhaupt der Judenheit diese vor dem / 1S4

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