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Der Orden Bne Briss · 1928-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928) · p. Seite 182

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 182 (sequence 44)
Language
German
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Kantor) und zwisdien den geistigen und den weit* : liehen Funktionären, teils den einepr teils den andern untergeordnet stand der Schammes (richtig: Schammasch), Gemeinde» oder Synagogendiener (Pedell), der die Aufträge der einen oder der anderen Gemeindebehörde zu vollstrecken hatte.' Obgleich das Judentum in Bezug auf die religiösen Verpflichtungen keinen Unterschied zwischen Laien und Geistlichen kennt, so wurde doch bei den rein religiösen Funktionären als selbstverständlich ein genaueres Beobachten der religiösen Vorschriften vorausgesetzt. LatjJieiten, die man dem Pamas, oder sogar dem Rosch Medina nachsah, verzieh man den »heiligen Geräten« keinesfalls und sie konnten deren Entfernung vom 'Amte bewirken. A * War also die Jüdische Gemeinde diejenige Zeuge flickt. Ein Monarch z. B., über den keine ironischen Anekdoten kursierten, war gewiß nicht populär. S° kommt es, daß über die jüdische Gemeinde und deren Funktionäre eine Menge Sprichwörter und Anekdoten existierten, die mitunter bei aller Gutmütigkeit sehr unhöflich klingen, aber zugleich für die Art des jüdischen Vojkswitzes sehr charakteristisch waren. t Zunächst übte d.er Mann aus dem Volke seine Kritik an dem Parnas oder dem Gabbai, wie besonders die Vorsteher der einzelnen Synagogen bezeichnet wurden. Diese beiden Funktionäre waren, wie gesagt, eigentlich behördliche Personen, durften Steuern auferlegen und übten in ihrem Kreise eine Gewalt aus. Sie hatten also zur Genüge Gelegenheit, sich mißliebig zü machen. Beide Funktionäre würden gewählt. lj)ie Wahl- Chuppe Aus der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin. Institution, die bei ihren Mitgliedern Gefühle des Vertrauens, der Anhänglichkeit, der Hingebung und der Ehrerbietung erweckte, Gefühle, die sich auf die Funktionäre übertrugen und ihr persönliches Verdienst noch erhöhten, so waren die jüdische Gemeinde und deren Funktionäre seit jeher zugleich der vornehmliche Gegenstand der Kritik und der Nörgelei von sehen der Juden. An ihnen übten sie gernei ihren Witz und schärften ihre Zungen. Es ist eine längst, beobachtete Tatsache, daß bei allen Völkern gerade diejenigen Einrichtungen und Persönlichkeiten, denen man die größte Hochachtung und Liebe entgegenbringt, auch die beliebteste Zielscheibe der Medisance und des Witzes sind. Für die Ehrerbietung, die das Volk einem zollt, hält es sich gleichsam schadlos, indem es ihm etwas am « ' i — urne wurde mit dem talmudischen )^oft »Kalfi« bezeichnet. Eine Kal6, sagte nun ein1 altes Sprichwort der deutschen Juden, ist eine! umgekehrte Papiermühle. In eine Papiermühle legt man Lappen hinein und es kommt Papier hetaus ,-i in eine Kalfi legt man Papier hinein und es kommen Lappen heraus. '! »Wie die Kehilla, so der Parnai«, lautete ein i anderes Sprichwort. j I j Das Woit »Kahal« bezeichnete nicht nur die . Gemeinde, sondern auch da§ Kollegium der Gjemeindevorsteher. Beklagte sich einfr, daß »Kah^l« ihn »beraube«, indem es ihm einje viel zu hc^he Steuer auferl^gte, so antwortete man ihtrt mit der sprichwörtlichen Redensart: »Kahal jst kein Räuber.*’ Worauf er erwiderte: »Sondern mehrerp Räuber« 182

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