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Der Orden Bne Briss · 1928-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928) · p. Seite 180

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 180 (sequence 42)
Language
German
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X lernen. Vokabeln-werden'nicht einzeln eingepaukt, sondern fügen sich leichter durch wiederholten Gebrauch in zusam menhängenden Sprachin halten dem Gedächtnis ein. Nicht die grammatische Regel steht am Anfang, sondern der lebendige Sprachgebrauch, der zunächst das Gefühl für die Sprachfbrm erzeugt,- erst allmählich erhebt sich das Sprachgefühl zur logischen Erkenntnis der Sprachgesetze. Wir beginnen deshalb schon mit unseren Kleinen hebräisch zu sprechen, Wochen hindurch, bevor sie Hebräisch lesen können, Alles von der lebendigen Anschauung atjs, in der das Kind lebt, also etwa: ein Besuch in der Synagoge,- im Sinn modernen Anschauungsunterrichtes’Besprechung all der Dinge/ die hier zu sehen sind, Besprechung a^ dessen, was hier geschieht. Eine c rs:e Reihe hebräischer Worte wird so dem Gedächtnis der Kinder einverleibt. Der Wortschatzwächst mit dem selbsttätigen Interesse desKindes,. an Bildern religiösen Erlebnisses bei religiösen Feiern. So lernen sie im Laufe einiger Monate — etwa im 2. Schuljahrviertel der untersten Klasse — die meisten Dinge aus dem kindlichen Erfahrungskreise hebräisch benennen. Erst jetzt setzt der Leseunterricht ein, aber nicht mit Lesen, sondern mit Schreiben, nach dem Worte; Grasers: »Jeder Leseunterricht, der mit Lesen beginnt, ist ein naturwidrigerGang.« Die Schreibschwierigkeiten werden spjelend überwunden. Grundsätzlich wird nur die hebräische Quadratschrift verwendet, die infolge ihrer Bildhaftigkeit ja so leicht vom Kinde aufgefaßt wird. Alles, was das Kind geschaut hat, will es malend wiedergeben. Die moderne Arbeitstechnik besteht überhaupt ddrin, daß jeder Eindruck durch einenentsprechenden Ausdruck vertieft wird. Und weil Malen dem Kinde Bedürfnis ist, beginnt der Schreibunterricht mit Malen von Formen. Ein Beispiel: Das Haus, das wir be- - trachten und bei dem wir besonders dje Aufmerksamkeit auf Fenster und Türen gelenkt haben, wird vom Kinde gemalt <das beigefügte Bifd ist die Zeichnung - eines sedisjährigen Kindes aus dem drittem Monat des ersten Schuljahres). DieGrundelementederhebräischen Schrift <rtD> sind so spielend erobert. Wir lassen weiterhin »malen« .Haken (V), Kugeln <••>, und jetzt kann das Schreiben beginnen. Als erstes / Wonbild nehmen wir <T>. <Hand>/ die Hand wird in der kindlichen Manier gezeichnet, der hebräische ^Name dazugeschrieben. Schon die Veränderung der Namen (T, T) veranlaßt das Kind, selbsttätig die Analyse des Wortes vorzunehmen und zu den Einzellaufen vorzudringen. Als zweites Normal wort folgt - etwa, wiederum in Bild und Schrift TH (Kanne) als nächstes TH (Onkel), als folgendes TH usw. Im Sinneeinesstrengsythenthischen Aufbaues,geordijet nach den Schreibschwierigkeiten, wobei jedes folgende Normalwort gegenüber den vorausgegangenen nur einen einzigen neuen Laut bzw. neuen Buchstaben bringt. Die Fibeln sind aus unserem Unterricht verbannt. Das Kind schafft malend und schreibend die hebräische Bilderfibel i ich selbsr. Die hebräischen Wort - bilder, die als Benennung bekannter Dinge, vom Kind zuerst gesprochen, dann von ihm gemalt undgesch rieben werden, prägen sich ti£fein, infolge der Assoziationen, die sich bilden zwischen Wortbedeutung, Woriklangbild — Wortschriftbild — Sprechbewegung — Smreibbewegung. Schon nach dem zweiten oder dritten Normalwort tritt das] Setzen der Wortbilder mit dem “hebräischen Lesekasten in Tätigkeit, wobei zu Anfang nur jeweils die Buchstaben dem Kindegegeben werden, die es zu den betreffertden Normalwörtern braucht. Bel solchem Betrieb herrscht Leben in der Klasse. Sprech- und ScAreibübüngen, deren Inhalt aus ■ dem Interessenkreise des Kindes entnompic n sind, / werden in den folget den Schuljahren fortgesetzt. So lernt das Kind schon im 2. und 3. Schuljahre alle ihm bekanntenTätigkeiten auch hebräisch bezeichnen. Es spricht hebräisch t nd schreibt: der Knabe ist gesessen, hat gclerm, hat gehört, hat gegessen, ist gegangen usw. (#1 HZX, .?!?£• .HttS -Z'u" Diese- Übungen unt:r Abwandlungen in (en verschiedenen Personen-) und Zahlformen (ich, du) bilden ein lebendiges Spracjiformgefühl. Ob dieser Sprachunterricht, der durch, häufiges Schreiben unterstützt wird, an' kleine Erzählungen anschließt, die in einem besonderen Buch geboten werden, oder ob diese. Sprechübungen an biblische Texte ange schlossen werden, ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Das Wesentliche ist, daß der Lehrer st lbst das Hebräische in Wort (und Schrift beherrscht und durch systematischen Aufbau solcher Sprachforir Übungen die Kinder allmählich in den Formenreichtum und Geist der hebräischen Sprache hineinführt. Zum Schluß ein Beispiel aus der Praxis, das zeigt, wie i 1 jährige Knaben im Anschluß) an die Behandlung d|es Bibeltextes II. B. M. Ka>. 21, 1 — 6 unter Leijung und Mithilfe des Lehrers eine Erzählung im hebräischen Texte formen. Wir geben hier lediglich den deutschen Text in wortgetreue^ Übersetzung: | Es war ein armer Mann, der nicht arbeiten wollte. Nachts ging et in den Garten seines! Jachbarn, um Früchte zu stehlen. Er wurde betroffen bei seinem Diebstahl. Man brachte ihn zum Richter, der Richter sprach: Zahle das Doppelte, der Dieb antwortete: Ich habe nichts, um zahlen zu können . -. . usw. (In der Fortsetzung wurde (ror allem der zuvor behandelte Bibeltext in abgeändqrter Spradiform verarbe itet.) Das Beispiel zeigt zugleicji, in welcher Weise die moderne Arbeitstechnik bestrebt ist, den lebendigen Sprach-' unterricht zu gestalten, der durch Konzentiation mit biblischen Texten döch zugleich das Zie ethischreligiöser Bildung verfolgt. — ISO

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