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Der Orden Bne Briss · 1928-10-01 · Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928) · p. Seite 146

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Festnummer zum Ordenstage ; Nr. 10 - Oktober (10.1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 146 (sequence 8)
Language
German
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wirkt. Wie sehr auch zu wünschen wäre, daß pejsönliche Ueberzeugung und Gemeindegesinnung nicht allzuweit von einander sich entfernen, wie berechtigt die Besorgnis erscheint, daß eine tiefe Kluft schließlich die Gemeinde, die ja immer eine Gemeinschaft bleiben muß,' zu sprengen vermag, so erkennen wir doch, welch wertvolles Gut. die nadcte Tatsache ist, daß jüdische Individuen in einer einheitlichen Organisation sich zusammengeschlossen wissen. Diese Würdigung beruht keineswegs auf Erwägungen wirtschaftlicher Art, indem' Spaltung und Zerteilung oder völliges Beiseitestehen vieler Einzelner die materielle Leistungsfähigkeit schwächt. Unser Urteil leitet vielmehr der positive-jüdische und religiöse Gedanke, daß die Einung jüdischer Menschen an sich ein hohes Gut ist, als Abbild jenes K'lal, der Uns durch unsre ganze Geschichte ge» tragen, hat Selbstverständlich efgibt sich aus diesem Standpunkt die Forderung der Einheitsgemeinde, die Ablehnung aller Bestrebungen, getrennte Verbände außerhalb jener zu bilden. Man darf eine Großtat des deutschen Judentums darin erblichen, daß es ihm im allgemeinen geglückt ist, größere Absplitterungen hiritanzuhalten; und es wäre eip hohes gemeindepolitisches Verdienst, gelänge es, unsern Gemeinden eine solche elastische Form zu geben, daß unter jhrem Dach alle Richtungen Platz fänden. Wir haben uns damit schon in die Fragen des Tages verloren. Zu ihnen gehört die ja für Alle sichtbare Bedeutung eines blühenden Gemeindelebens für Einrichtung and Abhaltung des Gottesdienstes, der für jüdisches Gefühl seit jeher eine Angelegenheit der-Gesamtheit gewesen ist, und die soziale Leistung “als der Teil der Aufgaben, deren Sinn von niemandem bestritten wird Denn gerade.it» der modernen Ausgestaltung des öffentlichen Wohlfahrtswesens, dessen Träger Staat und politische Kommunen sind, bekommt die Religionsgemeinde als leistungsfähigster Hort der ergänzenden Fürsorge eine Bedeutung, die sich vortrefflich der geschichtlichen Ueberfieferung jüdischer Liebesjätigkeij einfügt. Wichtiger aber als der Hinweis auf diese sattsam bekannten Dinge erscheint uns folgende Ueberlegung, die gerade für unsre Tage ihre besondere Bedeutung hat. Eine der schwersten Krankheiten der Gegenwart ist der nicht zu verkennende Niedergang der natürlichen durch die unmittelbare Sprache des Gefühls zusammengeschlossenen Verbände, vor allem desjenigen der Familie. Die Familie unsrer Eltern und Großeltern mit ihrer zahlreichen Kinderschar war der ideale Ausdruck einer natürlichen Einheit von Menschen. Die gegenseitige Erziehung der Kinder, um die sich die Eltern häufig weniger kümmern konnten als heute, bedeutete eine so starke Vergemeinschaftung auf Grund der natürlichen Einheit des häuslichen .Kreises», legte für die angeborenen Triebe der Sympathie, Selbstentäußerung und Hilfsbereitschaft ein so (festes Fundament, daß man hierin wohl nicht mij Unrecht den Grund für die Ueberlegenheit des I Herzen^ von einst sehen., darf. Die alte Familie hatte es zur .Wahrheit gemacht: Charity begins pt home.jAber die Nächstenliebe begann hier nur, sie endetje hier nicht. Von diesem engsten Kreise gingen vielmehr jene Kraftwirkungen von Liebe uijd Verantwortungsgefühl aus, die, wenn es nottat, sich noch in den entferntesten Verästelungen der Sippe bemerkbar machten. Daß dieser jüdische Familien- ‘ sinn, eines unsrer edelsten menschlichen Güterj heute geschwächt ist, erscheint sidier Dip jüdische Gemeinde aber, wieviel Enge, wieviel i»KiIlebefgerei« in ihr stecken mochte, erlebte sich selbst im Grunde als nichts anderes denn als eine Fortsetzuhg der Familie. In der menschlichen Solidarität, Sn der Opferwilligkeit, die von ihr über ihre Glieder ausstrahlten, barg sich und birgt sich j noch heute die Herzenswärme jüdischen Menschentums. Die jüdisdie Massensiedelung in den Groß' und; Weltstädten hat auch hier unendlich fielen Reichtum vernichtet Aber wir können noch! heute da, wo die Bildung kleinerer übersehbarer Kreise gelungen ist, ganz deutlich die wohltätigen Wirkungen Solchen familiären Gemeindewesens beobajchten. Gerade weil die moderne Entwicklung die mensjchlichen Beziehungen so versachlicht, weil sile die natürlichen Verbände gänzlich in Interessengemeinschaften, Berufsorganisationen, Gewerkschaften) u. dgl. aufgelöst hat, muß uns eine Gemeinschaft, welche doch die Nähe einigender Gefühle bedeutet, von höchstem Werte sein ,• denn in ihr haben wir nocK einen Bund, der et^a^ andres erstrebt, als auf angemessene Preise zu halten und die Konkurrenz abzuwehren In ihr kommt gemäß ihrem Ursinn das Ideal eine Gemeinschaft zum Ausdruck, die uns in lunsern Erleben des Heiligen und Erhabenen bfsjärke: will. Nicht um ihrer selbst willen, sonderrt jeden: von uns zuliebe müssen wir sie erhalten und festigen weil sie eine Veranstaltung ist, in der Sich di. reinsten unsrer" natürlichen Instinkte, die unsres jü. disdi-mensthlithen Solidaritätsempfindens, offenbaren 146 J

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