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Der Orden Bne Briss · 1928-09-01 · Nr. 9 - September (9.1928) · p. Seite 130

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 9 - September (9.1928)
Date
1928-09-01
Page
Seite 130 (sequence 6)
Language
German
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Professor Wölbe, Berlin, haben sich schon 1916 und 1Q17für eine jüdische Ehevermittlungsstelle auseesprochen. Prof. Hanauer hat das große Verdienst erworben, daß er diese jüdische Angelegenheit im November v. J. in die Mitteilungen des Ordens B. B. brachte, wo sie allgemeine Beachtung fand. Er sagte da, daß die Juden in Deutschland — .und dasselbe gilt überhaupt für Westeuropa. — sich durch geringe Heiratsfrequenz gegenüber den anderen Konfessionen auszeichneten. Das durchschnittliche Heiratsalter des Mannes ist späterals das seinerUmgebung. Auffallend groß und in zunehmender^ Steigerung begriffen ist .die Zahl der Mischehen. Heute kommen in Deutschland auf 100 neugeschlossene Ehen etwa 40 Mischehen, bei welcher entweder Mann oder Frau dem Judentum angehören, so daß jeder sechste Jude oder jede sechste Jüdin, die in die Ehe treten, eine Mischehe eingehen. .Während des Krieges haben aus bekannten Gründen die Eheschließungen abgenomrpen,?bei den Juden in noch^stärkerem Maße als bei den Nichtjuden. Die Zahl der jüdisch-christlichen Mischehen hat dagegen in dieser Periode sehr zugenommen, so daß in einer Reihe von Großstädten, auch in Magdeburg, in manchen Jahren die rZajil der Mischehen die der rein jüdischen Ehen überwog. Nach dem Kriege verzeichnten wir eine starke Zunahme der Eheschließungen, dje aber bei den Juden geringer war als bei den Nicfßjuden. . ln dem vom Statistischen Reicfrsanjit veröffentlichten Band der Statistik des Deutschen Reiches sind folgende Ziffern angegeben: Es fanden in den Jahren 1922: 5025, 1923: 4833, 1924: 3310 rein jüdische Eheschließungen statt:' zwischen jüdischen Männern und evangelischen Frauen.ip den gleichen Jahren: 878". 932, 723. Zwischen jüd. Männern und katholischen Frauen , 300, 363, 214; zwischen jüdischen Männern und Frauen andererchristlicherBekenntnisse: 28, 11, 7. Ferner heirateten wieder in den Jahren 1922, "23 und 24: 485, 438 342 jüdische Frauen evangelische Männer, 169, 150, 114 jüdische Frauen katholische Männer und 10, 19 und 12 jüdische Frauen Männer anderer christlicher Bekenntnisse. Eine gemeinnützige Vermittlungsstelle würde zum Segen für das deutsche Judentum werden. ‘ .Wieviele heiratsfähige Mädchen müssen jetzt verkümmern, wenn sie älter, werden und unverheiratet bleiben, denn bei aller Würdigung der Emanzipation der Frau und der Gleichstellung von Mann und Frau hinsichtlich des Öerufes: der beste und gesündeste Frauenberuf ist doch der der Gattin und Mutter. Ein Blick in unsere jüdischen Zeitungen wird davon überzeugen, wie viele Männer und Frauen eine Ehe wünschen und mit einer Heiratsanzeige ihr Glück versuchen, tm israelitischen Familienblatt habe ich in einep Nummer schon 100 solcher Anzeigen gezählt. Der Zweck der Vermittlungsstelle ist offensichtlich: jüdischen jungen Leuten wird hiejr die Möglichkeit gegeben, sich schnell und ohpie große Kosten verheiraten zu können. Die Mischehen sollen vor allem dadurch herabgemindert werden. I / Die technische Arbeit der Vermittlungsstelle denke ich mir ähnlich wie die der Magdeburger Stelle während des Krieges. Die Reflektantejn erhalten einen sorgfältig ausgearbeiteten Fragebogen, der etwa 40—50 Fragen enthalten kanp. Nach Eingang desselben werden genaue Auskünfte über Ruf, Lebenswandel, wenn möglicjh auch Gesundheit des Interessenten eingehcflt und, falls die Auskünfte befriedigend ausfallen, kommt eine knappe Beschreibung der Persbp, ohne Namensnennung unter einer Chiffre in eine Bewerberliste, die nach Bedarf erscheint und dpn in Frage kommenden Personen zugesandt wjrjd. Ich halte es nicht für ratsam, die Summe <dsr Mitgift anzugeben, nur kurze Bemerkungen wie »Vermögen« oder »kleines Vermögen« sollten genügen. Auch könnte man davon absehen, Photographien einreichen zu lassen. Wenn aie Parteien erst einigemale ernsthaft korrespondiert haben, ist .ein Bild entbehrlich: Eine Zentralstelle muß geschaffen werden wo die Fäden zusammenlaufen. Daneben müßte aber jn der Loge ein Ausschuß gebilc et werden, der zur Aufgabe hat, die Arbeit der Vermittlungsstelle zu unterstützen. Ein solcher Ausschuß hat unter ganz besonderer Verschwiegenheit zu arbeiten, denn an ihn soll sichj ^lie Zentralstelle wenden, um Auskünfte einzuhplen. Herr Prof. Hanauer regte einen Verein;der Interessenten an, der einen Jahresbeitrag yon Mk. 5.— erheben soll, um die Bürokosten i der Zentralstelle zu bestreiten. Ich befürchte, ein vereinsajtiges Aufziehen der Angelegenheit kann leicht die Sache zersplittern. ' Hier müssen unsere großen Organisationen, voran die Oroßloge, der Landesverband und - sämtliche Logen des Deutschen Distrikts die erste finanzielle Hiife in großzügiger Weise leisten. Die Spesen (Gehälter, Bürokosten, Porti, Drucksachen) werden m. E. ca 8000.— Mk. im Jahre betragen, < Nach ein bis zwei Jahren wird aber die 'Vermittlungsstelle ohne jeden Zuschuß arbeiten. 120 -

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