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Der Orden Bne Briss · 1928-08-01 · Nr. 8 - August (8.1928) · p. Seite 106

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 8 - August (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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an die. Abkehrung von diesem Grundsatz Befürchtungen hinsichtlich eines Abstiegs zu knüpfen.; Die meisten dieser Erscheinungen, wenn nicht alle, haben einen inneren Zusammenhang. Um so schwerer ist eine Opposition gegen das in ihnen sich anbahnende System. Trotzdem, scheint mir, muß sie mit allen erforderlichen Nachdruck von denen versucht werden^ die die Gefahren des Systems erkennen. Freundschaft. Von Br! Rabb. Dr. Gott sch alk, Frankfurt a. iVL »Dreifach ist die Sehnsucht des Sterblichen*,-''' wo es? unmöglich geworden, durch »]frommen sagt Gleichen-Rußwurm im seinem Buche über die Freundschaft, »nach Freundschaft, Schönheit, Gotteswahrheit.« Diese Zusammenstellung von Freundschaft und Gotteswahrheit ist uns besonders wertvoll. Verschmäht es doch die Bibel selber nicht, jenes klassische Freundschaftsverhältnis vor uns auszubreiten, das zwischen David und Jonathan bestand./Wer aber von diesem Verhältnis mehr als die Tatsache und mehr als die Namen kennt, wird auch den Zusammenhang zwischen Freundschaft und Gotteswahrheit deutlich erkennen und das Wesen der Freundschaft daran begreifen. » Die Seele Jonathans knüpfte sich an die S e e 1 € bavids, und er liebte ihn’wie seine Seele. Und er schloß einen Bpnd njit ihm, da er ihn wie seine Seele liebte«. Und als sie sich trennen mußten,, erinnerten sie einander an ihren Schwur »vordem Ewigen« und »vor dem Ewigen« erneuerten sie auch ihren Bund, als sie sich , auf der Flucht begegneten. Als Jonathan aber läge. Nicht jedeikann von sich rüh Glauben« ersetzt, wie das Schillerwort es verlangt. Wenndas aber Wesen der Freundschaft ist, wenn die Befreundeten Seelenmensihen sein müssen, dann erledigt sich alles, was auch Freundschaft heißt! aber so weit von ihr entfernt ist wie Liebhaben von Lieben, j So erklären sich alle kurzen Freundschaften [und alle, die ein Leben hindurch währen. »Da ich allein ohne Sohn und Bruder stand, hat piir] die Zeit den treuen Freund geschenkt, den Freund, der tief in meinem Innern ruht, ihn, der meinj Geistesstrahl, mein Herzensblut«, singt Jehuda Halevi schon, und das Goethewort ist jja.ibekannt: »Selig, wer sich vor der Welt ohne Haß verschließt, einen Freund am Busen hjilt . . . .« So erklärt es sich weiter, daß vieler^ Freundschaft viel mehr ist als Verwandtschaft. Sind ja doch diese Bande des Blutes nicht immer Seelenbande, sei es durch Schuld des einen oder anderen, sei es durch ganz verschiedene Annen, wie "gestorben war, war es-der »Bruder«, den David beklagte, dessen Liebe ihm mehr war als »Frauenliebe*. So begründet aber, so gestärkt, so verherrlicht, gekrönt durch Jonathans Selbstlosigkeit, die ihn fast zum Verlust des Lebens ‘geführt hatte, jedenfalls -aber auf den Thron gern verzichten ließ — wächst die Beziehung dieser beiden weit über sie hinaus, mdcht sie die Freundschaft zu einem allgemeinen religiösen Erlebnis. Ja ein Bündnis der Seelen, das ist die Freundschaft, wie die Beziehung zwischen Mensch und »Gott«. Und nur sie allein verdient diesen Namen. Hervorgehend aus tiefinnerer Uebereinstimmung, unbekümmert um kleine Abweichungen des Temperaments oder der Anschauung, unbekümmert selbst darum, daß die Freundschaft zuweilen Krisen durchmacht, wächst sie empor und verbindet zwei Menschen fester und fester. Ein scheinbares Verlieren wird zu Jacob und Berthold Auerbach, daß er 50 Jahre mit seinen Verwandten befreundet war, nicht jeder den. .Wunsch äußern: »Wollte Gott, daß unsere Kinder nicht bloß unsere Verwandtschaft, sondern auch unsere Freundschaft erbten«. Und Lazarus und S'einthal? Auch hier eine Freundschaft 50 Jahre hindurch. Und was schreibt Nahida Lazarus darüber? >(n50 Jahren niemals ein Zweifel, niemals ein Zögern, niemals ein Wort des Zankes, der Heftigkeit, des Aergers, des Streites.« Kein* Wunder freilich, da ja Steinthal selbst auf dem Standpunkt stand: »Die Freundschaft, die nicht vorschreitet ur d wächst verwelkt, und diejenige, die nicht ihrem Wesen nach zum höchsten Gipfel steigen kann, bricht an irgend einem .Punkt, wo ihr die Kraft ausgeht, zusammen. Darum zerfallen die meisten Freundschaftsbündnisse, weil den wenigsten der Atem ausreicht bis zur Spitze«. Ist Freundschaft in solchem Sinne also einem immer stärkeren Finden; Begreifen wird, religiös,in der Seele verankert, die Seele suchend,' — 105 — '

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