Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 8 - August (8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6727475-6029143-6074774--1768-4868390- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Zeichen der ständig zunehmenden Annäherung an den englischen Distrikt ist die erfreuliche Tatsache, daB die Austauschbeziehungen zwischen englischen und deutschen Familien eingesetzt haben. Auch die holländischen Logen haben sich in dankenswerter Weise für Quartierbe^chaffung jüdischer Wandergruppen bemüht. * * Es ist Leben in den Dingen, Leben — nicht Vergehen. * A. Odt. Entwicklungs-T endenzen Von Br. Expräsident Max Baumann, Danzig. Gewissermaßen' äls Fazit meiner nunmehr 18 Jahre langen Milgliedschaft im Generalkomitee' will ich in diesem ‘ Artikel meine Eindrücke von der- Entwicklung gewisser "leitender Ideen unseres Distrikts zusammenstellen, Ich halte es für das Gebot der Stunde, mit möglichster Deutlichkeit die seit einiger Zeit eingeschlagenen Wege zu kennzeichnen, bevor die Geleise so eingefahren sind, daß ein Abschwenken aus ihnen nicht mehr, sich bewerkstelligen ließe. Es ist hiermit bereits zum Ausdruck gebracht, daß ich den Grundzügen dieser Entwicklung recht kritisch gegenüberstehe. Kritik ist» nun freilich — und damit berühre ich sofort eine wesentliche Entwicklungstendenz — in unserer Organisation ziemlich unbeliebt geworden. Man zieht ihr heute Enthusiasmus vor. Am deutlichsten tritt dies bei den Großlögenvollversammlungen in die Erscheinung. Vbr einigen Lustren noch waren sie die freilich oft recht tumultvolle Arena unserer kiitischen Geister. Immer mehr wurde dann aber dem Wunsche stattgegeben, diese Kritik, wenn nicht ganz aus- Indem wir die freimütigen Ausführungen von Br. Baumann zum Abdruck'bringen, möge der Verfasser erkennen, daB' Kritik bei uns ihren Platz findet, ln den fast 50 Jahren des Bestehens des Deutschen Distrikts, der — wie der Orden überhaupt — verschiedene Strömungen der Judenheit zu einer Einheit zusammenführt, haben immer Gegensätzlichkeiten miteinander gerungen — in dem Bestreben, die - einheitliche Linie zu finden, auf der oder von der aus Gemeinsamkeiten möglich sind. Das Bestreben ist orden^geniäß, wenn das Ziel eine Ausgleichung ist. Es ist verfehlt, wenn eine Anschauung auf Kosten oder zum Schaden einer anderen die ausschließliche Herrschaft erstrebt.- Im Falle des Austritts eines Logenmitgliedes aus der Gemeinde ist, fernab von jeder religiös-dogmatischen Anschauung, eine Ueberpfüfung des Falles seitens des Präsidenten der Loge angeregt worden, um festzustellen, ob der' Austritt aus unlauteren Motiven, beispielsweise aus Steuerscheu, erfolgt Ist Nur in solchen Fällen ist ein Einschreiten als erforderlich bezeichnet worden. Ueberzeugungen grundsätzlicher Art sollen keineswegs getroffen werden. Red. zuschalten, so doch zu zähmen und zu bändigen. Die früher recht formlos gehaltenen Tagungen wurden mit Feierlichkeit eingehüllt. Man ging selbst dazu über, die Hauptredner nach dem Gesichtspunkt auszuwähien, ob sie durch flammende Beredsamkeit befähigt seien, die Versammlungen in Eckstase zu' versetzen, und etwaige Neigung „zu Widersprüchen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Auch sonst kann man im Leben des Distrikts eine Zurückdrängyng des Rationalen hinter dem Irrationalen, des Verstandesmäßigen hinter dem Gefühlsmäßigen sich immer deutlicher ausprägen sehen; alles soll mit dem Herzen erledigt werden. Es muß aber einmal gesagt werden, daß bei einer Uebertreibung dieser Tendenz eine wichtige Seite unseres Wesens zu kurz kommt. Das Rational- Kritische ist nun einmal in sehr vielen von uns ein Zug, der neben seinen unleugbaren Nachteilen auch große Werte in sich birgt und dessen Unterdrückung nicht ohne innere Schädigung für unsere Kraft erfolgen könnte. Laßt uns daher in dem Bestreben, unsere Verhandlungen _ aus Debatten zu Liturgien zu machen, nicht zu weit gehen! ' . In einem gewissen Zusammenhang hiermit steht eine Tendenz, die man vielleicht am besten mit einem Worte bezeichnen kann, das, Wie ich soeben lese, ein prominenter Bruder kürzlichst gebraucht hat: »Klerikaiisierungc. Ic(i möchte mit diesem Worte etwa folgendes ausgedrückt wissen: - - - * In der Führung unserer Organisation wird der religiöse Laie durch den Theologen zurückgedrängt. Die religiösen Themata nehmen zu. Man ist bestrebt, dem Ritual immer mehr religiöse Färbung zu geben. Hand in Hand hiermit geht, eine Neigung zur »Dogmatisierung«. Immer deutlicher wird das Bestreben, eine gewisse religiöse Einstellung geradezu zur Voraussetzung für die Mitgliedschaft im-Orden zu machen, von jedem Bruder eine Art Glaubensbekenntnis zn. 104