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Der Orden Bne Briss · 1928-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928) · p. Seite 94

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 94 (sequence 18)
Language
German
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I der Eintracht hat er seines heiligen Amtes gewaltet. Seine wissenschaftlichen Arbeiten, die zum Teil in den vom Verband der Deutschen Juden herausgegebenen »Lehren des Judentums« veröffentlicht sind, haben allgemeine Anerkennung gefunden. Auch als Logenbruder hat Abraham Loewenthal im Geiste der Eintracht gewirkt. Jahrelang war er Präsident der Henry-Jones-Loge, in deren Mitte er unvergessen bleibt. Hier in Berlin ist er in unsere Akiba Eger-Loge eingetreten; ihm bedeutete der Name Akiba -Eger Tradition und Programm zugleich. Er gehörte nicht zu den regelmäßigen Besuchern unserer Sitzungen: Aber wir wußten, daß er »draußen im Leben* in der Fülle seiner Arbeiten Logendienst leistet! Wir wußten, daß er zu jeder Stunde seines Lebens für unsere Ideale gewirkt hat, ein lebendiger Verkünder und Verwirklicher von Wohltätigkeit und Brüderlichkeit. Sein Andenken bleibt in unserem Bruderkreise allezeit lebendig und hochgeehrt, j . A 1 f r e d M a r c u sj. (A. E. Loge.) j Briefe an den O.B.B.* Wir erhalten von Br. Rechtsanwalt M. Lewin s k i (T. J. L.) folgende Zuschriften: Gründung einer jüdischen Zeitschrift für theoretische und praktische Ethik. Im jüdischen Leben fehlt eine jüdische Zeitschrift für theoretische und praktische Ethik, da die vorhandenen Zeitschriften entweder parteipolitisch sind oder im wesentlichen historische Wissenschaft treiben. Die Ethik im jüdischen Geiste theoretisch fundierend, müßte die Zeitschrift zugleich alle praktischen, sittlichen Fragen — Judenfragen, soziale Frage, Siedlung, Friedensfrage und dergl. — in ihren Kreis ziehen, einen festen Stamm sittlicher Anschauungen begründen und dadurch im Innern der'Judenheit und auch nach außen eine sittliche Mission ausüben. Bisher stehen wir hinter den anderen Religionsgemeinschaften zurück und sind weit davon entfernt, sittliche Mission zu erfüllen. Difese Zeitschrift könf^e vielleicht von der J ü - d i s c h e n Akademie ausgehen. Auch d i e G r o ß 1 o g e könnte hier eine Aufgabe erblicken und die Zeitschrift etwa mit dem Organ der Großloge verbinden. Stellungnahme der Redaktion: Die Redaktion hält bei der Vielheit der bereits bestehenden jüdischen Organe eine neue Gründung nicht für angebracht. Sie hat jedoch Br. Lewinski die Möglichkeit des Abdruckes geeigneter Aufsätze in dem Beiblatt unseres Gtoßl’ogenorgans eröffnet. * ' * .* Zu Gottschalks »Logenmission« (Jüdische Mission.) Die Frage ist. so brennend, daß noch ein Wörtchen dazu gesagt werden muß. Mit Recht spricht Gottschalk von der brennenden Scham, die uns erfassen muß, wenn wir erfahren, daß christlich-kirchliche Verbände sich urti die Sittlichkeit der Gesellschaft bemühen, während unsere Interessennicht über historische oder höchstinterne hinausgehe n. Ist es durdh unsere Aengstlichkeit geredh tfertigt, d^ß wir uns geistig töten? j In einer Hinsicht glaube ich allerdings, vqn Gottschalk abweichen zu nlüssen. Die Fragen der praktischen Sittlichkeit sind nicht so einfach, daß sie durch eine Proklamation — etwa der Logen gefördert werden könnten. Einmal handelt es sich nicht bloss um die Friedensfrage, wenn diese auch besonders wichtig und aktuell ist. Neben ihr stehen die vielfältigen sozialen Probleme: die Frage unserer wirtschaftlichen Entwicklung, das große soziale Problem überhaupt, die Besiedlungsfragen, die Judehnöte in allen Ländern, schließlich auch die Hebung der Rechtsprechung, j Ueber alle diese Fragen, auch über die Friedensfrage, herrscht auch innerhalb der Judenhleit keine Klarheit und Sicherheit. Es ist deshalb Studium und Besinnung erforderlich, um zuerst einmal einen Kern jüdischer sittlicher UeberzeugungCn zu festigen, der danach auch auf unsere Umwelt ausstrahlen könnte. Es fehlt also noch die Grundlage zu einer jüdischen! Mission. Leider hat auch unsere »jüdische Akademie« in Deutschland keine Forschungsabteilung für theoretische ^und praktische Sittlichkeit. LJnd nicht einnial e i n e Z e i t s c h r i f t für dji e s e s G eb i fe t besitzen wir! Sie ist unbedingt erforderlich, damit sich unter Mitwirkung per besten Kräfte die Ansichten über allgemeine und praktische Ethik klären und festigen können. Wir wollen das Interesse am Judentum heben, dem Abfall steuern. Gebt dem Judejn- — 94 —

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