Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1928-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli (6.1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 88 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6727475-6029143-6074773--1751-4868374
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

kritiklos vorübergegangen ist; wir wollen nur, weil uns das hi/jr am nächsten' liegt, die. antisemitische Bewegung nach fl890 herausgreifen, bei welch letzterer allerdings auch gegen , die zionistische Bewegung Steftung genommen wurde und zwar deshalb, »weil mit Ihr die Utopie des jüdischen Nationalstaates verbunden sei, welche die humanitären jüdischen Ansiedlungsbestrebungen hemmte und lediglich dem Rassen- .antisemitismus eine neue Stütze gab«, hieß es damals in der »Fr. Z.« Sonnemanns Werk, kann man zu-; sammenfassend sagen, ist die Synthese, von Oppositions- und Nachrichtenblatt, womit bewiesen ist, daß beides durchaus nichts Unvereinbares bildet. Hatte die politische Presse ursprünglich keinen Handelsteil, so hat er aus einem bescheidenen Handelsblatt eine weltbeherrschende politische Zeitung gemacht. Krankheit ließ ihn leider an der Feier des 50 jährigen Bestehens seines Werkes 1-Q06 nicht teilri^hmen, 3 Jahre später starf} er. Sein Vermächtnis, abgesehen von der sozialen Fürsorge «für seine’ Mitarbeiter, bestand darin, daßer die bisherige Haltung fortgesetzt wissen wollte mit den Worten: Politisch freiheitlich, In sozialer Hin- - sicht jederzeit gerecht und reformfreundlich, immer zur Unterstützung des wirtschaftlich Schwachen geneigt« — sind das nicht z. T. die gleichen Gedanken, wie sie unsere Logenidee verkörpert? . ' Absichtlich wurde Hier etwas ausführlich vom Lebenswerk eines Mannes erzählt, der in Wahrheit den Besten seiner Zeit genug getan und es daher verdient hat, daß die Welt, zumal bei solcher Gelegenheit; wieder einmal von ihm erfahre. V^er weiß heute noch so recht etwas von Sonnemann — aberwer kennt nicht die Männer, die es in wenigen Dezennien zu einer in Deutschland beispiellosen Popularität gebracht haben, und die es nun 7U betrachten gilt, wenn wir lins dem unvermeidlichen Berlin zuwenden: Rudolf Mos se und Leopold ^U listein? Jener — und das kennzeichnet die Verschiedenartigkeit der Persönlichkeiten und zugleich der Epochen, dje sie vertreten — war, obwohl von Hause Realpolitiker, auf vielen Gebieten öffentlicher Betätigung, in die ihn der Strom der Zeit hineindrängteT env warmherziger Idealist; mit Mosse, möchte ich sagen, . begann die Industrialisierung des Zeitungswesens, die dann durch Ullstein und seine Söhne ihre wenigstens vorläufige Krönung, ihren Höhepunkt erfahren hat. i'uijc Rudolf Mosse starfimte aus Posen uijd war der Sohn eines Arzteis. Er lernte im .Buchhandel, kam zum Verlag des Kladderadatsch und wurde Geschäftsführer einer neuen Leitung »Der Telegraf« Doch waren das nur Vorstufen und erst die nächste Stellung wurde für ihn entscheidend. Er befand sich in Leipzig beim Verlag der »Gartenlaube« und unternahm den Versuch, ihr einen Anzeigenteil beizugeben.. Was das heißt, zeigt ein Blick auf den damaligen Stand der Presse, die einen einheitlichen, wirksam ausgebauten Annoncenteil, der heute der Lebensnerv jeder, auch der k einsten Zeitung ist, nicht kannte. Auf diesem Gebiete ist 'Mosse bahnbrechend geworden, so c aß man ihn in gewissem Sinne als den Vater der modernen Zeitungsreklame bezeichnen kann. 1867 macht der erst 23jährige sich selbständig: er begründet in der Friedrich- Ecke 4e'Pz'ger Straße als etwas ganz Neues eine Arfnoncene x p e d i t i o n , deren grundlegender (jiedanke, ähnlich dem des Warenhausprinzips, jdie Zentralisation ist, d.’h. die Möglichkeit, Annoncen durch einmalige Aufgabe bei ein und derselben Stelle in die verschiedensten Zeitungen zu bringen. Das bedeutete nicht nur Zeitj sondern auch Geldersparnis, abgesehen davon, daß Mosse kaufmännisch weitblickend genug war, seinen Kunden, die ihm alsbald in Menge zuströmten, Rabattvergünstigungen infolge der lauf diese Weise entstehenden größeren Aufträge zu gewähren. Er selbst sicherte sein Unternehmen dadurch, daß er nach und nach für sehr viele Blätter, namentlich illustrierte, die a 11 e i n i g e Vermittlung dieser Anzeigen-Aufträge,übernahm, auch schuf ’er, um dies gleich vorweg? unehmen, ein für den Inseratenaufgeber sehr wichtiges technisches Hilfsmittel in dem sogenannten Zeilenmesser, der es zum ersten Male ermöglichte, den Preis des Inserats, der bis dahin oft ein recht willkürlicher war, g mz genau im voraus *u berechnen. j Aber obwohl das Geschäft bl£ hte, dem schon ein Jahr später die erste Filiale in München augegliedert wurde, drängte es Rüd. Mosses rastlosen Geist vorwärts, über das] bloße j Inseratengeschäft hinaus. Und kaum war der Krieg zu Ende, so gründete Mosse in fester Zuversicht auf das wirtschaftliche! [Aufblühen Deutschlands, das denn auch bekanntlich eingetreten ist, das »Berliner Tagsblatt«. Das Programm zeigte, was sich hintei der Idee, . die sich immer mehr als eirre äußerst glückliche erwies, verbarg: ein Berliner Lokalblatt zu' 68

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.