Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 5 - Mai (5.1928)
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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einer tieferen Erkenntnis des jüdischen Geistes durch ernste Versenkung gelangen wollen. Auf der anderen Seite hätten viele Aussprüche, die nur Variationen des gleichen Gedankens enthalten, ohne Schaden für das Ganze wegfallen können. Die Absicht des Verfassers, die tiefe Verwurzelung einer ethischen Idee im jüdischen Denken durch ihr wiederholtes Auftreten dem Leser zum Bewußtsein zu (hingen, hätte durch eine diesbezügliche Bemerkung im Vorwort und Angabe ähnlich lautender Stellen im Quellennachweis erreicht werden können. ‘Der Genuß bei der Lektüre des Buches würde dadurch nur -erhöht worden sein, im einzelnen wäre noch zu bemerken, daß die .Systematik, die Einordnung Und Uebersetzung der Sprüche nicht '' durchgängig einwandfrei erscheint. Auch sind kleine Versehen im Stil, besonders bei der Uebersetzung, nicht immer vermieden worden. Der Verfasser vertritt mit Recht den Standpunkt, daß viele Aussprüche unserer alten Weisen aus der jeweiligen Lage des jüdischen Volkes und. den Zeitverhältnissen, zu erklären sind, nur ’ daß Wir in der volkspsychologischen Deutung der Einstellung mancher Zeftepoche mit. dem Verfasser nicht ganz Zusammengehen können. Den erwähnten Mängeln des Buches stehen aber viele Vorzüge gegenüber. Die Aussprüche sind in mehrjähriger mühevoller Arbeit mit außerordentlicher Sorgfalt zusammengetragen und gewähren einen allseitigen und bis ins einzeln*? gehenden Einblick in die sittliche Denkweise jder Alten, die den großen Vorzug hat, nicht bloß Denkweise zu sein, sondern von einem vorbildlichen, heiligen Ernst erfüllt ist Auch die Etnik des jüdischen Gesetzes, der Halacha, ist, wenigstens teilweise, berücksichtigt. Der aufmerksame Leser wird hier reiche Belehrung finden und auf dem Wege der jüdischen Selbsterkenntnis, die unseren Gebildeten, auch aus den führenden Schichten, so bitter nof tut, ein gutes Stück vorwärts kommen. Der Leser des ersten-Teils /wird ferner finden, daß Themen, die in der biblischen Zeit vielfach nur angeschlagen sind, in der talmudischen Zeit weiter entwickelt und nicht «selten zu größerer Höhe emporgeführt werden. Der Verfasser weist mit Recht darauf hin, daß z. B. die Gedanken über Demut, Buße, über Liehe zu Gott als reinstes Motiv der Sittlichkeit erst in der talmudischen Zeit jhre volle, ideale Ausprägung gefunden haben. Auch in den einleitenden und eingestreuten Betrachtungen des Verfassers findet sich manches treffliche Wort. -Daß das geistige Leben eines Volkes zu seinem Oedeihen eine gewisse Stabilität erfordert, die freilich für innere Bewegung Raum lassen und die Freiheit der fortgeschrittenen Erkenntnis und des höherentwickelten Gewissens ■ nicht ausschließen darf,. ist. zweifellos richtig. Die heute in moralischen Dingen infolge einer umfassenden Neuorientierung vielfach Herrschende Entwegtheit und Zügellosigkeit kann dies nur zur Genüge dartun. Weniger .können wir dem beistimmen, was Z über.den Ursprung des'jüdischen Konservatismus sagt. Dieser ist schwerlich erst das Werk unserer alten Weisen gewesen, er hat vielmehr seine letzten Wurzeln im patriarchalischen Charakter der jüdischen. Familie und wurde begünstigt durch das leidenschaftliche Temperament des Juden, der an dem einmal als richtig oder gar heilig Erkannten zäh und unverbrüchlich festhält. Das starke Familiengefühl und die heiße Glut des religiösen Bewußtseins im Judent tum, gestützt durch deni OffenbarungsglaubenL sind die Urmütter des jüdischen Konservatismus. Ueberhaupt besteht zwischen dem jüdischen FamiliengefühJ und der jüdischen Religinnsansctmuung ein tiefer, noäi viel zu wenig gewürdigter innere^ Zusammenhang. Dajvon spricht der Verfasser nicht, aber nur zu begründet ist sein Hinweis auf die fundamentale Bedeutung des Familienlebens für die Entwicklung und das Gedeihen alles weiter ausgreifenden Gemeinschaftsbewußtseinjs, also der ganzen sozialen Ethik, .und der warnende; Hinweis auf die unermeßlichen Gefahren» die 'durch die wahnsinnige Unterminierung des Familienlebens in der Gegenwart drohen. Ebenso richtig und beherzigenswert ist,'was der Verfasser über das verwahrloste und völlig desorientierte Geschlechtsleben unserer Tage sagt, in das zu furchtbarem Unglück auch die Frau hineingerissen wird, die in einem großen Teil unserer, besonders großstädtischen weiblichen [Jugend die Frauenemanzipation arg mißversteht, wodurch jdie gesamte Kultur an unheilbaren Wunden zu erkranken in Oefahr ist. Nur zu berechtigt und ergreifend ist die Klage des Verfassers über das Dahinschwinden des Sabbats in der Judenheit der Neuzeit. Der Sabbat hat dtm religiössittlichen Leben nicht nur eine unvergleichliche Weihe vermittelt, sondern auch zur Stärkung und Ernaltung der zerstreuten Judenheit sehr wesentlich beigetragen. Aehnliches gilt von dem hoh :n, heiligen Ernst, -mit dem das Thorastudium seit den Tagen unserer altepi Weisen gepflegt A'urde, und von d :m Religionsgesetz pnd der religiös getränkten nationa le'n Kultur, wie der Verfasser ebenso^ zutreffend wie tachdrücklich betont. Auch was er von dem zunehmend kühler werdenden Verhältnis des Judentums zum Proselyi ismus sagt, müssen wir unterschreiben. Der Proselytismus gefährdete den1 Fortbestand des schwer' um seine Existenz ringendem Judentums. Das Ueberhandnehmen des Proselytismus hätte, bei der völligen Andersartigkeit der Umwelt, sicher, zu einer inneren Erweichung des Judentums und zur Niederreißung der Schutzmauern geführt, die das Judentum im Kampf um seine Selbsterhaltuni, einem weisen imitianenten Gesetz folgend, errichtet hat. Durch den Ausblick auf die messianische Zeit und die allgemeine Menschbeitsbekehrung wurde nichtsdestoweniger im Rahmen des durch, die gegebene Lage Möglichen der Partikularismus in der Richtung auf den von den Propheten gelehrten Universalismus durchbrochen und so die ethische Grundtendenz des Judentums gesichert. Richtig ist endlich auch, daß das Bewußiseirt vonder religiösen Sendung und Auserwähltheit Israels für die Erhaltung des Judentums unbedingt notwendig war, nur verstehen wir nicht recht, warum der Verfasser hinsichtlich dieses Glaubens ein etwas unsicheres und zwiespältiges Verhalijen zeigt. Die religiös-ethische Berufuiig Israels ist keine 'Ueberhebung, sondern eine historische Tatsache. Schöpferisch und als siegreich leidender und kämpfender Oojtesknecht hat Israel sich als Volk der Religion erwiesen. Ob freilich Israel in der Oegenwart den Namen eineB Gottesvolkes verdient, kann bezweifelt werden, und ob dies zukünftig der Fall sein wird, darüber Wird erst die Zeit entscheiden können. Wir meinen freilich, daß wir in Berücksichtigung der in diesem Betracht höchst ungünstigen Verhältnisse der. jüdischen- Neuzeit und andererseits des Grundcharaktdis des jüdischen Volkes die Hoffnung auf eine i Brüder denkt bei der Darreichung von Spenden auch an die O r o B I o g e. Es gibt wohl kaum eine Stelle, von der aus so vielfach die Möglichkeit gegeben ist, Not würdiger Menschen zu lindern. Es gibt Menschen, welche sich, wenn, alle Hilfsmittel versagen, in ihrer fetzten Not an die Großloge wenden, würdige Menschen, denen nur diskret geholfen werden kann. Unter ihnen sind Künstler, Angehörige der freien Berufe usw. Wenn auch die Oroßloge keine Organisation ist, zu deren Funktionen Einzelunterstützung gehört, so kann sie doch im Einzelfall Hungernde nicht ohne Brot, und Menschen in höchster Not nicht ohne unabweisliche Stütze lassen. c Vielfach hört man bei Besuchen kleinerer oder mittlerer Logen, daß die materielle Lage am Orte so günstig ist, daß die einzelne Loge nur wenig für soziale Not des einzelnen herani gezogen wird. — Brüder, denkt bei solcher 1 Lage, wenn Ihr Spenden für Irgend einen Zweck zur Verfügung stellen könnt, auch , an die GröBloge.