Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 4 - April (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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beschert wurde und wird, hätte Freud — den Juden — wärmere Töne finden, lassen sollen. Aber freilich, es geht um den Primat der Intelligenz. Erlebnis hat nicht jeder, aber Intel-, ligenz. Darum »erzieht irreligiös.« Wieder angenommen, es könnte jeder intellektuell zum Begreifen der Welt herangebildet werden — was durchaus zu bestreiten ist — wäre damit der ganze Mensch erfaßt? Ja' mehr — würde diese Bildung zur Intelligenz nicht in ihrem letzten Wert davon abhängen, wie weit sie’ .ein freudiges Echo in uns auslöst, also das Gefühl beeinflußt und damit nicht döch wieder diesem die letzte Entscheidung überlassen? ■ Spricht nicht auch Freudvon ^Menschen- Liebe und Menschen-Leid und Ergebung? Sind ~sie nicht auch ihm‘Ziele seiner neuen Erziehung? Fürchterlich aber der Gedanke, daß in Zukunft Menschen-Liebe nur noch im Namen der Intelligenz geübt, Leid durch vernünftige Erwägungen gestillt würde. Unendliches von dem, was Liebe schon geschaffen hat und noch schafft, wäre nie geleistet worden, würde unvollendet bleiben. Und soll auch Begeisterung so gezüchtigt werden, Sehnsucht, Hoffen, ideales Entbrennen vernunftmäßig erklärt und geregelt werden? Aber der Hauptpunkt. Stellen wir uns doch ruhig den Freudschen Menschen vor, der »ohne Gott«, aber mit allen Feinheiten der Wissenschaft ausgerüstet, durch die Welt geht, müßte er nicht, ja er erst recht, religiös im Sinne der . Ergebung werden, religiös nicht in der ältesten/, kindlichen Weise, die Freud verspottet, nem religiös in einer ganz neuen? Religiös näfzmch aus dem Erleben heraus, das freilich Jtur der Blick auf das Ganze verschafft und/nicht das Hinstarren auf die Teilwissenschaft, aen Teilbezirk, dem unser Leben gehört.- Nur wer ein- Ungläubiger zwar »Gott< gegenüber, aber ein Gläubiger seiner Wissenschaft ist, so starr und so unentwegt und so blind, so stolz und ao hochmütig und seiner sicher, daß ihn Jeeine Religion darin übertrifft, ni|r der übersieht, und nur der bestreitet, t^ur dem ist das Erlebnis verschlossen, daß jed$r Tag jetzt uns mehr Verschafft: wir sind au| dem Weg zu neuer Religion, müssen unweigerlich dahin kommen, wenn wir der sich jagenden, rasenden, peitschenden, stürmenden, umwälzenden und immer wjeder umwälzenden Zeit — auf allen Gebieten — überhaupt noch Verständnis entgegenbringen wollen. War man früher religiös, weil man nichts gewußt hat oder mir wenig, sich vielleicht wirklich »Illusionen« hingab, so treibt jetzt die täglich sich mehrende Fülle des Wissens, Fülle der Erfindungen und Entdeckungen neben der unveränderten menschlichen Begrenztheit zu einem religiösen Erleben hin. Hat; Freud nicht zuletzt gezeigt, wie aus Vergangenheit her in der Gegenwart die Mächt des Unbewußten so stark ist, so sollte er selber doch nicht vergessen, daß das Große und Unbewußte der Zukunft t:— schon immer geheimnisvoll aber jetzt (mehr als je — nur e i n Gefühl in uns auslösen kann, »das Ünerforschliche still zu verehren«, im übrigen aber zu wirken und zu schaffen,-a I s o b‘wir für die Ewigkeit schaffen könnten. Und vielleicht können iwir es wirklich in einem Punkt, von dem Freud freilich so wenig gesprochen hat, im Lieben Und Hoffen, im Sehnen pndVerlangeh, im Gutsein und Weichsein und Mild- und Zartsein. Sie sind noch von niemand und nicht^ übertrumpft pnd scheinen es.- — anders wärs ja auch grausig — niemals werden zu sollen, trot? neijer und neuester Sachlichkeit. Die Religion des Geheimnisses1 und die des! Herzens, die. Religion der Ehrfurcht und die deri Liebe — sie wird «die Religion der Zukunft sein. -Eine Illusion aber wäre es zu'glauben, daß wir anders woher bekommen könnten, was sie uns' nicht * geben;kann« — diese in ihrer Form vielleicht neue, selbst sogar im Hinblick auf »Gott« aber jin ihrer Tendenz! uralt bjblisch. »Und nun Israel«, was fordert der Ewige DeinGott von Dir? Ihn ku ehrfürchten und! ihn zu lieben «. i-; ' i Berliner Medaillenkunst.! Von Br. Dr. Karl Schwarz. L j i i l i J H 1 I i i Als den ältesten in Berlin vorkommenden besondere Auszeichnung erhielt. Bereits der jüdischen Künstlern begegnenwir 1681 den beiden . Vater soll ein guter Künstler gewesen sein und Petschierstechem Joseph und Michael Abraham, -rl698 erhielt Josef Levi, Michaels Sohn, da$ von denen der jüngere von Friedrich I. für Prädikat eines »Hoff-Petschierstfechers mit allen einen kunstvoll geschnittenen Diamanten eine davon dependierenden immunitjeten freyheiten» I — 56 —