Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 4 - April (4.1928)
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Denken ist das nicht. Es nützt rnichts, daß Philosophen irgend) eine Abstraktion >Oott« nennen, daß man da* Gefühl den* menschlichen Kleinheit und Ohnipacht als, tief religiös bezeichnet. Nicht dieses Gefühl ist ja die Hauptsache, sondern die Reaktion dagegen. Es wäre sonderbar, wenn unsern »armeil unwissenden, unfreien Vorvätern * die Lösung ailler schwierige i Welträtsel geglückt Sein sollte.! Man wird einwenden, es ist gefährlich, den religiösen Olauben jzu untergraben, und es int grausam. Denn die Wissenschaft allein kann die Bedürfnisse desjMenschen nicht befriedigen. Freud erwidert, aucp andere haben schon solche Ausführungen gemacht. Er habe sie nur psychologisch begründet. Schaden werde er sich höchstens selber utld seiner Wissenschaft. Dfie Religion hat der I^ultur wohl Dienste'geleistet, aber nicht genügend. Die {Menschen sind •weiter unzufrieden, und schlecht. Es könnte noch schlimmer werden, wenri die Ergebnisse der Wissenschaft pinsichtlich per Religion erst allgemein bekannt) würden. {Darum müssen Kultur und Religion in ihren Beziehungen neu geregelt werden. Würde man das Gebot, nicht zu morden, ratiorjell begründen, so würde es seiner Verklärung — als göttliches Gebot — beraubt, aber seine Gefährdung vyürde vermieden. Viele kulturelle Einrichtungen^ die jetzt als »heilig« gelten, würden dann iji ihrem menschlichen, Ursprung erkannt und verbessert. Aber man muß ja auch in der Religiotj »eine allgemein menschliche Zwangsneurose« erblicken. Sie birgt >verdrängungsähnliche Vorgänge« in sich. So wird sich ohnehin die Abwendung von der Religion mit der schicksalsmäßigen »Unerbittli :hkeit eines Wachstum Vorgänge^« vollziehn. Rationelle Geistesarbeit muß die) Erfolge der V erdrängung ersetzen). Noch einmal jbetont Freud, seine Schrift ist ungefährlich. Ein! Glaubender wird sich durch sie nicht bestimmen lassen. £s ist auch rieh tig, daß die Menschen Vernunftgiünden nicht s»hr zugänglich sind. {Aber freilich, muß es so sein? Ist nicht vielleicht! die religiös^ Erziehung gerade an der schwachen Intelligenz! der Erwachsenen schuld, wenn man diese mjft der »strahlenden Intelligenz des Kindes« vergleicht? Der religiöse Einfluß kommt viel zu früh, j Man sollte jedenfalls den Versuch! einer »irreligiösen Erziefiung« unternehmen und! das Ergebnis abwartenj Auf «inen Schlag sollte man niemand das »Schlafmittel« Religion entziehen. Das würde ihlm den Schlaf — die Ruhe nehmen! So soll nujn ihm das »süße Gift« lassen, aber ein rjei^es Geschlecht gerade die rel ‘ liehe Läuterung Realität«. Die ür ’das Leben, nüchtern erziehen, d. h. zur Wissenschaft gibt ihm Hilfsmittel und das Schicksal wird es mit Ergebung ertragen müssen. Bezeichnet man aber die Hoffnung, durch Religionsverzicht die Intel selbst als Illusion, behauptet Erziehung ohne!etwas »Heiliges, sames« auskommen zu ikönnren, igonz zu stärken, min, bei keiner Stures, Unduldfi idet man aber giösen Höhen für eine »begriff- und Sublimierung' so geeignet, daß durch sie der Riß der »umgebildeten Klasse und dem philosophischen Denk?« vermieden - werden kann, j S9 gibt Freud zi 1, daß Seine Illusionen im Gegensatz zu den religiösen nicht unkorrigierbar sind. »Aber man kamt sic 1 oft nicht abhalten zu sagen, was inan meint«. Der Primat des Intellekts liegt in weiter, aber nicht unendlicher Feme. Auch er wira sich »Mensi rhenliebe und Einschränkung des Leidens« zum Ziele jsetzen — soweit die ananke es gestattet. Der Gott logos wird von unsern Wünschen erfüllen, was die Natur außer uns zuläßt. Entschädigung des ' Leidens verspricht der Gott nicht. Immerhin i;t die Wissenschaft |k e i n e Illusion! Sagt man uns, daß sie wenig! gelehrt und noch mehr im D Jnkel gelassen hat, so darf man nicht vergessen wie jung sie ist. * Die Wandlungen der wissenschaftlichen Meinung sind »Entwicklung, Fortschritt und nicht Umsturz«. Behaupte! man, da l alle Ergebnisse der Wissenschaft subjektiv sind, weil an unsere Organisation gebunden, sc vergißt man, daß die Aufgabe der Wissenschaft nur darin bestehen kann, zu zeigen,'wie wir die Welt — eben durch unsere Organisation — sehen müssen. »Nein, unsre Wissenschaft ist keine Illusion. Eine Illusion aber 'wäre es zu anders woher bekommen geben bann.« sich glauben, daß wir könnten, was sie uns nicht Soweit Freud. Man ist erstaunt, wie jerjiand, 'der 'andauernd um Seelenleben beiriüht hat, vom religiösen Erlebnis nur als-von »Schlafmittel« und »süßem Oift« und einer »Wahnidee« sprechen kann, wie er sich dam t die Seichtheit materialistischerZeiten vollständig wieder aneignet Zugegeben, daß Furcht und Abwehrbedürfnis ynd Schutzverlangen bqi Entstehung der Religion mitgewirkt hat, zugegeben, daß hier heutp noch für viele die Quelle ihrer Religion liegt,! schon 'die ungeheuren sozialen, ethischen Auswirkungen . der Liebe, die in ihrem Zeichen stehn, der'Schatz von Erhebung und ^Beglückung, derj vielen Millionen ur d Millionen durch dieses Erlebnis