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Der Orden Bne Briss · 1928-03-01 · Nr. 3 - März (3.1928) · p. Seite 44

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 3 - März (3.1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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geweint, ich könnte sie aus den Gräbern wecken und sie miterleben fassen, was mein Auge sab, und empfand es als ein Unrecht, als das Unrecht des Beglückten, daß ge-, tede ich in der langen, langen Kette meiner Ahnen der erste war, der es erleben darf, und fühlte in .dieser Gnade eine tiefe»heilige Verpflichtung. Und als ich 14 Tage später droben auf dem Amphitheater der Hebr. Universität vor ddm Stein hielt, drrt^ der.britische Premier vor Jahresfrist "als Grundsrein hier gehämmert, da habe ich angesichts des noch-nach Faibe und Leim riechenden Neubaues nicht daran gedacht', daß »es bei der-Eröffnung keine Studenten gegeben hat und sie auch heut noch nicht da sind» — ich habc auch nicht an das »Deutsch-evangelische Institut für Altertumskunde •d?s) heiljg^b Landes» gedacht, das -eine schon über 20 jährige Tätigkeit in Palästina hinter sich hat "und wertvolle. Arbeiten erscheinen ließ, und eine große Anzahl evangelischer Theologen mit Palästina vertraut macht»^ auch die 22 Bände des evangelischen Palästina-Jahrbuches — 130000 Bücher‘der hebräjschen Nationalbibliothek bleiben unerwähnt — haben meine Bewunderung^ nicht erregt, mir ward das Bjbelwort lebendig vom Stei'p, den die Bauleute *der Weltgeschichte verworfen und der nun zum Eckstein geworden». Und als eine große Vision stand mir vor Augen, daß hier an diesem Stein vor Jahresfrist jene von den Römern übef alle Erd-, teile zerstreuten und seither von den Machthabern aller Länder mit Feuer, Schwert und Taufe verfolgten Juden, 1S55 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems, »von den vier Enden der Welt», aus Bagdad und Shanghai, aus Johannisburg und Helsingfors, aus Moskau und New York hierher zusammenäilte^ — nicht zum Bau eines »Forschungsinstitutes», zu. dem der kritische Refsende den Gedanken degradiert wünscht, sondern zu einem dritten Heiligtum, zur Universität, der nach, allen Seiten gewendeten ‘ und alle . Seiten vereinigenden 'Universitas der Geisjer und Seelen, die das Schicksal über den Globus ‘zerstreut» Nennt's; Fatum, Zufall, nennt es Vorsehung — wieder einmal {ist Palästina', dieses kleine Land, das eben nicht _in der Krim und nicht in Argentinien, sondern hier am Brückenübergang der drei alten Kontinente liegt, wieder einmal ist dieses Palästina zum JWagebalken der Geschichte zwischen Ost und West geworden, das Einfallstor na> h Asien für Europa, die Ausfallspforte nach Europa für Asien und uns, -uns Juden, ward der Auftrag der Völker, hier auf dem heiligen. Berg das Haus def, Universitas zu bauen! Und—idie Gegenwart des Werdendenist ja die Zukunft — ich träumtevon der Stunde, da an diesem Stein vielleicht einmal die Vertreter eines neuen Europa den Abgesandten des erwachten Asiens-die Hand entgegenstr$cken zu jenem größeren, jenem größten Völkerbund, der kommen muß, und-der eine jüdische Idep, die Idee der Propheten gewesen, und daß so dereinst auf diesem Berge die Weissagung der Bibel in Erfüllung gehen wird: .Ich, der Ewige, ' habe Dich berufen zum Heil’und Deine Hand erfaßt Hn'd Dich gebildet und. erwählt zum Band für die Völker --zum Norden spreche ich: Gib her T und zum Süden: Halte nicht zurück! Bringe meine.Söhne von der Ferne und meine Töchter von den Enden dir Erde L . .'versammelt seien die Nationen und _ Zusammenkommen mögen ‘ die Völker!« . i Und als mein Blick auf die steinigen Berge der Wüste Juda da drunten fiel und mc in Herz wieder einmal daran war, traurig zu werden ob der Härte des Landcjs — da kam es über mich wie eine Erleuchtung, daß auch( diese Kargheit ein Stückchen Vorsehung sei, denn wenn, dies Land von Natur nicht so hart und durch Mißwirtschlaft nicht so verkommen wäre, wer gäbe‘es uns? Hat m^n den Hohen-, zollern denn Brandenburg nicht auch dsjrum geschenkt, weil den Kaisern die »Streusandbüchse« so!wertlos dünkte, und sind nicht sie am Harten Land, und ist nicht das harte Land, an ihnen groß geworden? Und ich rief dem Lande unter mir zu: Sei hart, «i doppelt |hatt!> Spei sie aus, die Weichen,, zerschell an Deinem Feilsen die Spekulanten, laß Krise nach Krise über die Menschen kommen, auf daß das Geschlecht, das du erziehest; sturk und gestählt den Preußen gleich im kargen Norden werde. Die Schwierigkeiten der Palästinakolonisation sind vielleicht das Unglück der Generationen, die sie tragen müssen, aber -sie sind, das Glück des Volkes, das in diesem Lande heranwächst. Klein bist du, Land, besonders wenn man dich auf einer K trte neljen die •'1 klima malt, das freilich auf dieser Karte nicht, zu sehen | ist. Aber war der Sinai nicht groß genu j, urrt von ihm die zehn Gebote zu verkünden? Ist die S ritze des Moria;" | die nicht größer ist als ein Berliner 'Eßzimmer, nicht * hundert Millionen Menschen so heilig, (laß man einen j neuen Weltkrieg entfesseln würde, kämman auf die absurde Idee, diese Reliquie den Arabern zu rauben, und j der Garten Gethsemane unter mir, die katholische Kirche verkaufen. Ein dessen Krippen Felsen einst Volksbuch mehr id nicht danach dich und bauen bist und fragen würde ihn nicht für die ganze Lombardei Land, in dem Hirten zu Propheten und in Heilande j geboren werden, aus dessen Mohamed auffahren soll, und dessen gedruckt und gelesen wird als alle Bülcher der Weltliteratur zusammen, ein solches Land brr ucht nicht groß zu sein. So wie man die Muttet liebt u fragt, ob sfe schön sei, so lieben wir auf dich, weil du das Land unserer Väter so wenig danach, ob anderswo der Boden besser oder billiger sei, Wie der Inselbauer, der dit Hallig seiner Ahnen pflügt, sich nicht darum kümmert, ob drüben auf dem Festland der Weizen fetter grüne. Uns ist es groß genug, die um ihres Judentums willen vom Daseinsglück in so vielen Ländern Ausgeschlossene aufzunehmen, uns ist es groß genug, uns für dienäetsten SO Jahre mit Sorgen zu versorgen. Und das ist d is Entscheidende, das uns von der Gedankenwelt der »Kritischen Reise durch Palästina« . trennt: Für uns existiert dii Problematik dieses Buches nicht. Diese Kompilation von Zejtungsstellen aus Gestern und Vorgestem^-diese Sammlung von: der hat dies gesagt und jener hat das gesagt, diese Reminiszenzen aus 1920 und diese Zweifel für 1932 — Aras sind sie uns? Was kümmert es uns. ob bei der -Grundsteinlegung zuc Universität d$r Minister X'dabei gewesen pder nicht — und gar darüber noch schreiben? Das sirtd die Sorgen der Sorgenlosen. Wir sind so glücklich, keine Zeit zu haben für Gestern und Morgen — wir sind erfüllt vom Heute mit all seinen schweren, drückenden, aber auch beglückenden Sorgen! Wir bauen auf!! Herzl-rief den Juden seiner Zeit zu: »Wenn Ihr es wpllt — ist es kein Märchen!« In noch nicht 30 Jahren sitid wir so weit gekommen, daß wir heute rufen können:| »Auch wenn Ihr es nicht wollt — ist es kein Märchen!.« 1 * . . . r. 6\

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