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Der Orden Bne Briss · 1928-03-01 · Nr. 3 - März (3.1928) · p. Seite 42

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 3 - März (3.1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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Trotz Annahme des Christentums ‘konnte „die Ritterschaft und deren Nachkommen, in denen germanische Wesenselemente am stärksten waren, ihr heidnisches Blut und ihre heroische Ethik nicht verleugnen. < " Trotz des Kampfes gegen das Christentum konnten die Juden ih-e Blutsverwandtschaft mit| den Orürdern des. Christentums nicht verleugnen. , Auch: ohne' christlichen Glauben sind heute die Juden in Europa Träger der christlichen .Ethik, Vorkämpfer der' Menschlichkeit, der Brüderlichkeit, des Briedens und der Gerechtigkeit. Wie die Nachkommen und Nachfolger der europäischen Ritterschaft die heroische Ethik festhälten sollen — ist die soziale Ethik und deren Pflege die große Mission des - Judentums.; . . Denn dessen Aufgabe liegt nicht darin, eine kleine asiatische Republik zu^gründen und zu den zahlreichen Nationalismen einen neuen hinzuzufügen-— sondern gestützt auf seine große .Tradition, die von Moses und den Propheten über Christus und -Spinoza, zum modernsten Sozialismus führt, zum sozialen Gewissen der europäischen Kultur zu werderj. Denn mit dem Schwinden des christlichen Olaubens droht Europa die Gefahr einer neuen barbarischen Epoche, deren Anfänge wir leicht erkennen können Die christlichen Instinkte der Europäer sind zu schwach, um die christliche Religion ersetzen zu können. Darum bilden die europäischen Juden mit ihren sozialen Instinkten eine so glückliche Ergänzung dieses Mangels und ein wesentliches Element der Kultur, auf das Europa ohne Lebensgefahr nicht vernichten kann. Das Judentum wird dagegen seine%ltllung zu Christus und zum-neuen Testamente revidieren und erkennen, daß Christus der reinste und höchste Exponent ‘jüdischer SitflM&keit war, der dem Geiste der Thora und dief Propheten die haljje Welt geöffnet hat.' Dann wird das Judentum die christliche Ethik gegen den heidnischen Geist verteidigen — wie der Adel die heroische Ethik gegen’ den christliche^ ’ Geist durch ein Jahrtausend verteidigt hat.* — (Seite 19—100) So, Und nun wollen wir uns nächstens dem Werke Coudenhove-Kalergis »Held oder Heiliger in seinem ) ganzen Ausdrucke widmen! » ' i- Dr. Alfred Wiener: »Kritische Reise.durch ", P a I ä s t i n a-. Berlin 1927. Philo-Verlag G. m. b. H. . fm Einverständnis 'mH dem Autor des Buckes hoi die Redaktion zwei Bfüder zur Besprechung auf gef ordert, die von verschiedenen Wel'anschauungen. ausgehen. Selbstverständlich 'ist jür die Ausführungen freiester Spielraum gelassen .worden. Br. Alfred Wiener, der sich schon seit Jahrzehnten mjt dem Orient, besonders mit Palästina und Aegypten, beschäftigt haj, besuchte vom 29. März bis zum 2. Mai 192b — zumfünften Mal — Palästina und reiste dabei kre’Jz und quer durch das Land mit längerem Aufenthalt in Jerusalem, kürzerem in Tel Aviv und Haifa. Das Er- „ gebnis seiner Beobachtungen und Feststellungen hat er nunmehr in der Schrift »Kritische Reise durch Palästina« 'niedergelegt. Wiener Bekennt 'sich offen als entschiedenen Gegner' des politischen Zionismus. Er’ übt an Einrichtungen und Aufnahmen, die ihm verfehlt erscheinen, die sachlich SCbärfeteJCritik. Er läßt aber auch dem Opfer- , riftit und Idealismus der Chaluzim und Chaluzoth, der I Pioniere des Aufbaus, volle Gerechtigkeit widerfahren , und vor allem spricht aus jeder Zeile seiner Schrift — auch dort oder gerade dort, wo er die schwersten Bedenken geltend macht — die Liebe zun Judentum und zum Lande der Väter. Darum ist es völli \ unverständlich,; daß ein jüdischer Kritiker die vom Willen zur Objektivität getragene Schrift ein »Buch des Hasse i« genannt und > sein Bedauern darüber ausgesprochen hat, daß die Ein-1 richtüng de? Che'rem, des Bannfluchs, nie lt mehr bestehe. Solchen Entgleisungen gegenüber muß hervorgehoben werden, daß Wieners Schrift sicherlich nicht nur seinen] jüdisch-politischen Freunden, sondern auct seinen Gegnern vielfache Anregungen geben wird. Wiener, schildert zunächst seine Arbe tsmethoden und geht dann iuf die Größe des Landes und die Verteilung des jüdischen und nichtjüdischen Bodenbesitzes ein. Er1 bemerkt, dkß die Rheinprovinz fast dreimal so* groß wie der gesamt^ kulturfähige Boden Palästinas ist, und daß| sich in jüdischem Besitz rund 919 qkm befinden. Zum Vergleich Wird angegeben, daß Groß-B:rlin eine Flächevon 878,40| qkm bedeckt. Aus der Dar Stellung der Bevölkerungsgliederung sei erwähnt,, daß n ich der Zählung i vom 1. September 1926 der Anteil der Mohammedaner. 72,27°/0, der der Juden 17,81 %, der der Christen 8,8%■) ist Von den 158 000 palästinesischen Jude i wohnt weniger. als ein Fünftel' auf dem Lande, mehr als vier Fünftel in den Städten.. Vom jüdischen Bodenbesitz entfallen 4Q*/0 auf die vom Baron Edmund von Rothschild gegründete »PICA«, 20jo,o auf den Jüdischen Nationalfonds, 20°/» auf die alten Kplonien und Achusoth und der Rest auf diel American Zion Commonwealth, ander: Gesellschaften und PrivateL Eingehend schildert Wiener danach di e Organisationen der vorwiegend sozialistisch eingestellten Chaluzim. Unter den Hungerten der Arbeiter des Solei Boneh, der von der zionistischen Exekutive unterstützten Arbeiter-Baukooperative; seien prächtige Gestalten. Durch zügellose Finanzgebarung habe die Organisation aber vor dem völligen Zusammenbruch gestanden. Bedenklich seien auch die Zustände in den auf kommunist scher Grundlage errichteten Siedlungen, dpn sog. Kwuzotl. Eine der schärfsten Forderungen der jüdischen! Arbeiterschaft in Palästina sei die Verwendung von nur jüdischen Arbeitskräften. Wiener erheb! gegen ‘diese sich I gegen die Araber richtende Forderung finanzielle und politische Bedenken. Er beklagt ferner lie Zerrissenheit | der jüdischen Bevölkerung, die sogar zu politischen Ex-; zessen geführt habe. | Neben der arabischen bespricht e' die englische Frage. Die politische Arbeit der Zioniste n der englischen { Regierung gegenüber bedeute zu einem Art Kampf um die Minderheitsrechte. Die rein jüdische, ihrem Wesenskem i Stadt TelAviv mache einen freundlichen Eindruck, habe! breite Straßen, fast nur neue Wohnungen und vor allem .einen wunderbaren Strand. Es tauche aber die Frage auf, ob sich diese Stadt halten werde. D e Kredite fehlten im Lande.. Das Land köune sich nicht selbst ernähren. Die Universität in Jerusalem sei vorläufig nur ein Forschungsinstitut, das unter der Forderung leide, daß die Lehrenden in absehbarer Zeit unbedingt hebräisch unterrichten sollen. Teil schon eine' nach ostjüdische 42

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