Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1928-03-01 · Nr. 3 - März (3.1928) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 3 - März (3.1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6727475-6029143-6074769--1694-4868320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der vielen Unerfreulichkeiten und Widerwärtig- ■ keiten in den gegenwärtigen Beziehungen der Oeschlechter. * * * In der Novembernutrmer des vorigen Jahres ist vom Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ein A u f r-u f veröffentlicht worden, der die eben erwähnten Schicksalsfragen mit beijührt E r nennt sich: Ein ernstes Wort andie jüdische Gemeinschaft., Männer und Frauen, ln der gleichen Nummer hat Br. Prof. Hanauer, Frankfurt a, M-, »Zur Soziologie und Psychologie der jüdischen Ehen« einen Weg gewiesen, der auf einem sehtwesentlichen Gebiete unserer Oeschicke eirie Hilfe ermöglicht Seine von tiefstem Verstäpdnis und Mitfühlen getragenen Ausführungen bezwecken: eine gemeinnützige Ehevermittlung. Der Gedanke verdient schärfste Beachtung. Br. Hanauer verweist auf das Vorgehen eines englischen Geistlichen, der das Problem in seiner ganzen Schwere eifaßte; auf die gemeinnützige Ehevermittlung, die im Jahre 1908 vom Frauenbund der deutschen Kojoniilgesellschaft für Kolonisten in Afrika, .auf die amtliche Heiratsvermittlungsstelle in Deutschland, die in Magdeburg 1917 von unserm Bruder Benn ins 'Leben gerufen worden ist. o Basch Ein Nachdenken, wird Klärung der Anschauungen in unseren eigenen Seelen herbeiführen. Es gab eine Zeit in unserer Oeschichte, eine lange Zeit, in der die Ehen der Kinder von den Eltern'geschlossen wurden. .Ehe wurde als Pflicht angesehen — Ehe in jungen Jahren und reichliche Kinderzahl desgleichen. Es war dies nicht etwa bloß eine der mannigfaltigen Familieneigentümlichkeiten des Ghetto, es war ein groß angelegter Gedanke zur Erhaltung von Art und Gemeinschaft ' In den Zeiten freier Entwicklung machte sich gerade aus der Lösung materieller Anschauungen heraus eine Romantik der Empfindungswelt geltend, die das Selbstbestimmungsrecht forderte,’eine eigen geschaffene -Harmonie der Seelen, eine selbstgewählte Kameradschaft» Diese Zeiten sind vorüber oder zu mindest in ihrer Wirkung eingeschränkt. Andere Forderungen treten an ihre SteHe. Der Krieg hat die Menschen auseinandergerissen, die Ungleichheit der Zah\ der Geschlechter verstärkt, ihre Lebensbedingungen verschlimmert, die jungen Menschen können nicht zueinander kommen. Die rettende l<jüste ist schwer zu erreichen. Das Wasser ist zu tief und zu weit. Die Geeigneten finden’ sich nicht. So muß die Gesamtheit für sie sorgenJ Nur eben anders als früher. Unter verständnisvoller Fürsorge von anderen, aber unter eigener Verantwortung sollen sie wählen. Der Weg ist der von Hanauer gewiesene: ,die gemeinnützige-Ehevermittlung, ein Behelf zum Ziele: die Frühehekasse.*) j; Wer ist ausersehen, die Form I des Weges zu finden, die Ausführung^ ermöglichen? f Die jüdische Frau, die jüdils che Frau in ihrer Gesamtheit, das will sagen: die jüdischen Frauenorganisationenr Nicht eilte einzige nur: sie wäre zu leicht spöttischkritischen Bemerkungen ausgesetzt. Der Ernst der Situation wird erkannt werden, wenn die Gesamtheit die Ausführung auf sich nimijnt. Möge sie wachen und wirken! Der zweite Schicksal skompllejx, den * wir hier gleichfalls in aller Kürze hervprheben, ist die Not der j ü d i s che4n Angestellten, oder richtiger: Anzustellenden, ihr Herausdrängen aus so vielen Berufen, der Boykott ihrer Arbeitskraft. Sie haben die gleichen Opfer für die Allgemeinheit gebracht: zu inr^r Not werden sie noch gedrückt durch das! bittere GefühF der Undankbarkeit, das ihre Seele erfüllen muß. , . Die Not dieser Kreise ist nur ein teil der allgemeinen jüdischen Arbeitsnot. Aber man möge von diesem Punkte ausgehen, um die Welt zu bewegen und zu einer Aenderung'zu führen. Der jüdische Arbeitsnachweis leistet für die ihm gestellten Aufgaben, was i n seinen Kräften steht. Er bringt .mehr als 60°/, der sich Meldenden in Stellungen unter. Diel jüdische Gemeinde Berlin befaßt sich bereits! init der immer dringlicher gewordenen Frage. Der Gedanke einer WirtschaftszentraU i>t aufgetaucht .und soll in der Richtung seiner Möglichkeiten durchgeprüft werden. Der Centralverein wie die Groß löge ha*ben die einschlägigen Fragen in Angriff .genommen. Es gilt in diesem Augenblick, Anschauungen in den eigenen jüdischen Reihen erjtgegenzu- */ confer Bericht'1 der Qroßloge U. O. B. i Dezember 191$. Nr. Q. f ' Ti 3-V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.