Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1928
- Issue
- Nr. 2 - Februar (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6727475-6029143-6074768--1678-4868305- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Berthold Auerbach Es ist bekannt, daß Berthold Voii'E x p r ä si d e i t S. Rothschild, Worms. Auerbach hls Übingen den später se ne Student der Theologie sich .in Burschenschaftlern anschloß, wj Verurteilung ' auf den hohen f sperg (Staats gefängnis) zur Folge hatte, wo lurch ihm die Zulassung zum Rabbinatsexameii verboten und ihm gleichzeitig eröffnet wurde, daß er nie in Württemberg eih Rabbineramt bekleiden dürfe. Um den Verfolgungen der Polizei! iiv Tübingen izu entgehen, verließ er diese Stadt, Jiji in tyünc! en 'seine Studien fortzusetzen. Außer ier Otlegen! eit beim Rabbiner hier Bibel und'Talmi id zu studier :n, wollte er die Künstschätze, Müt chens kenren lernen. Ein Maler, der in Tübingen sein Freund geworden, unternahm es -gerne ihm in cen Galerien das befere Wesen der Kunst zu - erschließen. Wie er das tat, schi dert Auetbrch folgendermaßen: »Vor diesem ur d jenem Bi de blieb nun Bartholomäus,« 'so hie SI sein Freund, »stehen und sagte: »Du, da guck, idees isch;emölt.« »Das sehe ich!« »Guck, dees isch |jemolt. O, Herr Gott, die hän mole könne und dabei führte er, die Faust ballsnd, mit dem 1 Daumen die Linien in der Luft dach und rief beständig, die Zähne auf« jnande' beißend, »die .hän mole könne!« Das war die ganze l:r klärung die ich von ihm erhielt!« Späier lesen wir in den Briefen Auerbachs an seinen Freund und Vetter Jakobi daß er sich zeitltbens für*die Kunst interessiert -hatte, die Museen öfters besuchte und gründlich studier e. Wie aber Auerbach seine e (r s t e bildende Kur st kennen lernte, das erzählt ei äußerst anschaulich in der von Patil Lindau im Mahre 1874 kurz .vorher begtündeten Zeitschrift »Gegenwart«, diei mir zufäilrg| dieser Tage Sn die Hände fiel. : ' I »Wenn ich mich auf die irsten Kindt reindrücke, noch bevor ich in, die Dorfschule kam, besinne, so sehe ich 7- 8 Bilder vor mir, die an den weißen Wenden meiner Elternstube hingen. Sie stellten die Geschichte von Joseph in Aegypten dar > und a raren, wie ich nachher erfahren habe, Nürnberger Lithographien, Anläßlich der in d Auerbach innerungstage an d$n Dichter Berthe|f Geburtstag und Todestag sindjder 26« Februar 1812 upd der 8. Februar 1882 i— bringet wir ii einige Ausführungen über deji Dichte’ unseres w. Expräsidenjten Rothschild, W > dieser Numm:r aus der Fedfr hns. , . etwas blaß Oewanduni Josephs. Wie ch die bildende Kunst kennen lernte. koloriert, mit viel Rosarot in den en, namentlich im Mantel'/izekönigs Mein Onkel Miier, der St alz der großen Familie, gebrauchte firmier das üdische Sprich: wort! »Jed«f Famijid muß ihrel Joseph haben (er sprach es »Josseph« au3) das hei lf,; m jeder Familie mü^se einer sein, der die andern zu Glanz und j\nsehen erhebe Was gp9t es füjr die jugendliche Phantasie anregenderes als die deschfehte von dem verkauften Bruder, der zum Könige' w ird knd seinen alten Vater, und seine schlimnen Brüder in Wohlleben |und Glanz versetzt. Daiu war der Patriarch uijser direkter Stammväter, (nein Vater f hieß wie eri Jakob. Ich bin das d ritt jüngste von 1 Geschwistern; ich wollte oft über qie Bilder .in der liiternstube fragen, weil ich di^e oder jeio St* verstand, aber wenn ich eins Oeschwister darüber fragte, wurde abgewiesen.! Die Bilder hängen da, noch viel darüber fragen! — A 5 icljj. später in Ferdinand der Dresdener Oalerje das Bild von Bol sah, wie Joseph seinen Vater dpm Pharao vorstellte, ging mir dasselbe ve r aßen anderen am ersten ein, woh( in der Erirneruig‘an die' Bilder im Heimathause, und es ist' in tfer Tat sehr wirksam, wie Bol die Gegensätze gefaßt hat: hier der weichliche,/verlas; ennuf seinem Throne sitzdnde ägyptische Fürst, vor ihm der edle Erzvater, durchgeistigten Antlitzes., und, zwischen ihnen der jugendlich schöne Joseph. fm Hause meines Onkels Mendel, der sogar eine tapezierte Stube und' ein Scfa ,hatte, hingen Bilder mit der Geschichte der G;nov<fa.< Genovefa und Joseph von Aegypten ve'schlangen sich in meiner Phantasie. > Droben auf der kleinen A ihöh e bei; n Brunnen wohnte meine Tante Beete itnd in iirer Stube hingen Spottbilder auf Napoleon. Ich weiß bestimmt, daß man mir der Rein unter einem Bilde Sagte und daß (ch ihn auswendi g lernte er ist mir entfallen; ith seh^ aber noejh, daß ein äjlann in grauem Rock mit < den Mo^at Februar fallenden Erhohen Stiefeln im Straßenkojt waiete. ergründen, wie diese versc liedenartigen Bilder auf eine Knabenphantasie wirken? weckten sie eine eigene, schiedene Empfindung. - 10 —f von lung nicht meiiier älteren ich barsch :wer wird reiec feiger 1 Hut und Wer mag n mir erandern unter- 1