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Der Orden Bne Briss · 1928-02-01 · Nr. 2 - Februar (2.1928) · p. Seite 18

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1928
Issue
Nr. 2 - Februar (2.1928)
Date
1928-02-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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I schon längst die Gelegenheit hätten benutzen sollen, der Welt den Stempel dieser Tiefe aufzudrücken? Oder ist der Gedanke zu kühn? Sind 15 000 nicht viel zu wenig, ja lächerlich gering für eine Welt? Oder ist unser Unterfangen toll, weil wir einer Welt mit einer Flut von Problemen, einem Massengewirr von neuen Gedanken in Wirtschaft, Technik, Kunst, Politik doch nur Bibelgedanken zu bieten hätten? Oder sollten wir nicht die Sturmflut fürchten, die aus dem Lager der Gegner an ^nwürfen und Verdächtigungen über uns hereinbre$hen würde, an Verdächtigungen, die durch die Namen: Internationalismus, Weltherrschaft genügend gekennzeichnet sine? Kaum ist es nötig, diesen Einwendungen entgegenzutreten. Nicht 15000 — ein paar ganz wenige haben die Welt heute dahin gebracht, wo sie auf allen Gebieten steht. Ein paar wenige—Feldherren, Dichter, Ethiker, Künstler, Religionsstifter, Sozialisten, Gelehite, ein paar wenige au» allen Gebieten. _ Auf ihren Schultern stehen wir heute. Die Masse folgt mach, die Masse gestaltet, die Masse baut aus, aber ein einzelner, eif weist den Weg. Und Bibelworte für unsere Welt? Nun, da wir ja nicht die Technik beeinflussen und die Psychoanalyse nicht umdeuten wollen, da es um die Seelenhaltung geht, so wird niemand im Ernst bestreiten können, daß das Wort' des Micha einfach nicht zu übertreffenj ist: »Es ist. dir gesagt, o Mensch, was gut isf. Und was fordert der Ewige von dir? Recht tun, Liebe üben und in Demut wandeln mit deinem Gott.« Und es war ja ein nichtjüdischer Theologe, der . den Aus'spruch tat, daß die Welt gerade über diesen Satz nicht ■ hinauskommen wird. tUnd die Furcht vor neuen Sturmiluten — könnte sie uns noch ernstlich bewegen? Haben wir uns nicht endlich abgewohnt, ohne, sie unsere Entschlüsse zu fassen? Aber selbst, wenn es noch gar nicht gelänge, die Dinge der Welt zu beeinflussen, und selbst, wenn man diese Pläne als zujhochtrabend •und als Utopie überhaupt nicht ernsthaft erörtern möchte — hätten wir nicht jedenfalls der Sache— des Judentums und der Judenheit einen ungeheuren Dienst erwiesen oder besser für den Dienst am Judentum, für die Mission also, Unberechenbares vielleicht geleistet, wenn wir von hoher Warte aus, einmal im Jahre, durch unsere Berufensten, zu den Dingen der Welt vom Standpunkt des Juden aüs Stellung 'nähme i, wenn wir unsere Gedanken, der Welt kündetet, unsere Bücher wieder lebendig machten, unser« Großen aiis ihren Oräbern erweckten, das Judei itum als Kulturfaktor einer aufhorchenden Welt c arböten. Wir würden ja .nicht eine »Loge halt«n« und würden nicht die.Tore »des Tempels« schließen — nein, wir würden gerade in sojehen Stunden . »ein Tempel sein für alle Völker«. Und dazu sollten wir uns endlich tjufraffen. .Wi reden * so viel von unseren Enttäuschten, wir suchen ständig nach neuen Aufgaben. Sollt: nicht eine darin 'liegen, daß wir unsere Mission erkennen, .die darin besteht -I- Mission zu ’ll reiben? Ja, als Loge gilt es, draußen;zu wirken m Geist der verstehenden Brüderlichkeit, im Geist der echten Neutralität, die Jede andere Meinung anhören kann, im Geist also wahrhafter Befriedung. Als Loge, und das müßte stets reißen, an die Tiefe des Jüdischen allezeit rühr erd, als Loge, uqd das könnte bedeuten, immer wj^c er und wieder zusämmenzuführen und edles Men sehengefühl zu erzeugen, das für unsere jüdische Entwicklung so" wichtig ist, den MutP ^«jüdischen Arbeit belebt, die Freude an ihf immer, wieder stärkt,'den Glauben an uns siets von neuem festigt. , i Ja, der Weltlogentag — soll ^r. nicht kommen und als dauernde Einrichtung < angeführt werden,’ ein Tag, auf dem die Dinge der Welt, die Dinge der Seele in dieser Welt -im Lichte des Judentums zu besprechen wären — die Sache des Friedens'und des Sozialismus, die Sache des Glaubens und der Ethik die Sache der Jugend und der -Familie, die Sache der Ehe und des Individuellen, die Sache der Kunst, der Erziehung und Wirtschaft. Hier könnten Brücken geschlagen werden, hier würde die Logepraktisch wirken, hier würde sie wirklich zur Förderung beitragen für alle »höchsten Güter der Menschheit«. Machen wir doch endlich den Vorwurf zu schancen, daß wjr zu hohe Worte gebrauchen, und es sind nijeht unsere Schlechtesten, die ihn :rheJ>en; diskutieren wir nicht mehr über Bruderlieb«: üben wir sie, aber so unbegrenzt', urpfassend und ausgedehnt, daß eine Steiger jng überhaupt nicht mehr möglich ist. Brüder, Schwestern, treibt Logenlnissic so alN ont / J , 18 —

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