Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1927 (1927)
- Issue
- Juni/Juli (6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Generalkojnitee sich müht, die Frage zu klären und den Logen Anregung zu geben. ,Br. Baeek (zur geschäftlichen Behandlung): Es ist selbstverständlich, daß eine Abstimmung nicht herbeigeführt wird. Eine Abstimmung über Fragen der Idee würde ^etwas von einem Konzil haben. Das, was gesprochen] worden ist, soll in weite Kreise geführt werden. Dafür wäke'es gut, wenn die Referenten dem Büro ihre Referate zugänglich machten. Zur Sache selbst steht er auf dem Standpunkt, daß wir das Recht haben, eine Abänderung vorzunehmen. Das Recht, weil der deutsche Orden in mancher ff insicht anders ist als der amerikanische, Der Orden muß seinen rechten Boden erst in Deutschland gefunden haben, d. h. in den Ländern, die einen deutschen Kulturkreis bilden. Hier sind Gedanken in den Orden hineingekommen, die drüben fehlen oder so stark hinter dem reinen Wohltätigkeitsbeginnen zurücktreten, daß man sie nicht erkennen kann. Wir brauchen keine Empfindsamkeit oder Sentimentalität gegenüberdem Alten zu haben, wir haben das Recht, neue Gedanken in neue Worte zu kleiden. Alles Denken ist Kampf mit dem Wort; jeder geniale Mensch ist Wortschöpfer. Wenn wir also neue Gedanken zu gewinnen suchen, können wir auch neue Worte wählen. Vor einer Gefahr aber müssen wir uns hüten, das ist die Gefahr, daß wir uns am Worte genügen lassen und meinen, etwas geleistet au haben, wenn ein neues Wort gebildet ist, nicht aus innerem Zwang, sondern weil wir unter der Herrschaft des Programms stehen. Das neue Programm hat die Gefahr, daß der Mensch sich mit dem Worte begnügt. Bei vielen macht sich im Unbewußten der Wunsch geltend, gewissermaßen Logentum »in der Westentasche* zu tragen. Vor dieser Gefahr muß man sich hütpn. Eines aber können wir tun, Wege zu »Krait. und Schönheit* finden. »Brüderlichkeit* erscheint ihm schöner als »Bruderliebe«, »Wohltun* kraftvoller und schöner als -Wohlwollen* und besonders gefallen hat ihm das Wort »Einklang«, und das Wort wird ,auä der Debatte so leicht nicht mehr schwinden. Gegen ein Wort aber habe er wesentliche Bedenken, gegen das Wort »Wohlwollen . Es ist'richtig, daß die Philosophie des Menschen so Ist, wie er ist, seine Persönlichkeit kommt in ihr zum Ausdruck. Es ist aber auch richtig im anderen Sinn. Bei den meisten Menschen ist ihre Philosophie ihre- Rechtfertigung für das, was sie immer getan harben. Er wendet sich gegen »Wohlwollen*, weil am Anfang die Tat steht. Es ist ein Irrweg, daß man Empfindung und Gesinnung an den Anfang stellt. Wir glauben letzten Endes immer an das, was wir tun. Wenn wir rechtes tun, dann kommtauch der rechte Gedanke. Gesinnungsteht im Leben hinter der Tat. Tue das Gute, das Wahre, dann hast Du auch die rechte Gesinnung. Darum wendet er sich gegen »Wohlwollen*. Wohltun am Anfang, dann kommt Wohlwollen von selbst Wenn man in die Loge kommt, »ertrinkt man manchmal fast in Wohlwollen. -Ein Mangel an Wohlwollen wurde selten empfunden, aber oft ein Mangel an Wohltun. Darum müssen wir den Brüdern einschärfen: Bringt Opfer! Liebe wird nur zu dem empfunden, wofür Opfer gebracht werden. Am Anfang das Opfer, dann die Liebe. Darum müssen wir immer und immer wieder predigen: Bringt Opfer! Wohltun am Anfang, alles übrige kommt von selbst Das ist das Wesentliche, das er zu-dem Gegenstand zu sagen hat. Wesentlicher aber ist, daß der Gedanke in die Logen hinausdringt und diejenigen, die die Dinge wollen, dazu gebracht werden, sie durch zu-, denken.! * 1 *; An die Aussprache schloß sich die Erörterung der folgenden Gegenstände an: Br. G r o ß p r ä s I d-e n t bittet sodann, noch eine geschäftliche Angelegenheit zu erledigen und, falls noch ■ Zeit sein sollte, Br. Baumann das Wort zu seinem Referat zu geben, um (so die Möglichkeit zu haben, am kommenden Tag etw^s früher zu schließen. Er macht Mitteilung, daß in Hannover die Vorbereitungen zur Gründung einer zweiten Loge getroffen worden sind. Die Installation tsoll am 12. Juni stattfinden. Nachdem ursprünglich, der Loge ein lokales Kolorit zu geben, der Name »Mbritz Simon-Loge* und evtl. »Beethoven-Loge* in Vorschlag gebracht worden ist, wird nunmehr von der Löge in Uebereinstimmung mit der Zion-Loge der Name I-Leibniz-Loge* gewünscht Leibniz steht auch unter jüdischer Einwirkung. Cohen glaubte, bei ihm Gedanken des Maimonjdes zu entdecken. Er ist der Mann, der den (Gedanken der Toleranz so stark gefördert hat, daß schein aus dem Gefühl der Dankbarkeit heraus gegen den Namen nichts ■ einzuwenden ist. Er bittet, dem Wunsche der Loge die Zustimmung zu geben. Der Name »Leibniz-Loge* wird genehmigt. Punkt 4. Die Aufgabe der Logen, eine Annäherung zwischen Juden und Christen herbeizuffihren. Br. Bau man n|: Es hat den Anschein, als ob der Gedanke der Annäherung auf starken Widerstand stößt. Es ist ihm dies eine] Genugtuung, weil das, was die Zukunft sich erobern will, zunächst auf Ablehnung und Widerstand stoßen rhuß. Zunächst stellt er negativ fest, daß es nicht heute ifnd morgen die Aufgabe des Ordens sein kann, eine Annäherung herbeizuführen, sondern daß der geeignete Augenblick vielleicht erst in Jahrzehnten kommt Trotzdem ist die Anregung nicht^ überflüssig, denn man muß sich! rechtzeitig auf die Sache einstellen, - wenn man nicht dpn rechten Moment verpassen will. Die Frage muß von feiten Gesichtspunkten aus beleuchtet werden. Ist es erwünscht, daß eine Aussöhnung zwischen Juden und Christen in Deutschland stattfindet? Da erscheint es absonderlich, daß bei einer Reihe von Brüdern' ein innerer Widerspruch vorhanden zu sein . scheint. Er verweisj auf Ausführungen im vertraulichen Protokoll des Ges^häftsausschusses, die dartun, daß manchen eine .gewiäse Feindschaft zwischen Juden und Christen für das j4dentum förderlich erscheint. Wird die Frage der -Annäherung zwischen Juden und Christen als erstrebenswert bezeichnet, so erhebt sich die weitere Frage, von wem sri ausgehen soll, ob von Juden oder Christen. Da muß gesagt werden, daß das Gesetz des Handelns nicht vom! Gegenkonträhenlen bestimmt werden darf, und daß das; Ghetto — wir leben noch in einem gewissen Ghetto — nicht verewigt werden daft. Es entspricht der Geschichte, daß das Ghetto in Deutschland nicht ganz ein Erzwungenes war, sondern eine gewisse Freiwilligkeit darstellte. Das besteht auch noch heute. Viele von uns stellen sich darauf ein, daß eine gesellschaftliche Trennung bestehen muß, und daß hieraus die Kbnsequenzen zu ziehen sind. Das bedeutet eine Gefahr. Eine weitere Schwierigkeit ist die: Sind die Logen, ist der Orden geneigt find berufen, die notwendige Aufgabe zu erfüllen? Zweifel sind angebracht, denn der Orden darf nicht in Abenteuer gestürzt werden. Wenn man trotzdem der Meinung ist, daß der Orden die Aufgabe 26