Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- Beilage 1927 (1927)
- Issue
- Juni/Juli (6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6727475-6074758-10846861--1596-4868217- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gesetzt würde, wurde wiederum zur Auslegung führen. Gegenüber denjenigen, die in der Möglichkeit der Auslegung der Worte etwas Gefährliches sehen, betont er, daß gerade darin das Schöne liegt, daß man in die Worte das hineinlegen kann, was für den Augenblick notwendig erscheint. Die Loge erhält ihrerPrägu*ig durch die Individualität des Präsidenten. Man muß es also dem I V» Präsidenten überlassen, das aus den Worten herauszulesen, | was ihm am wichtigsten erscheint. Es ist gesagt worden, daß die Entwicklung des Ordens gegen seinen Anfang . so außerordentlich, seine Ausdehnung eine so gewaltige ist, daß andere Aufgabengebiete ihm gestellt sind, so daß die drei Worte seiner Devise mit der historischen Wahrheit nicht übereinstimmen. Das erster^ ist richtig, jedoch würden kleine Aenderungen genügen, die L'ebereinstimmung herzustellen. Im einzelnen betrachtet möchte er meinen, daß die Devise durch Aenderungen nicht aus dem jüdischen Milieu herausgehoben werden darf, aus dem sie entstammt. Der den Grundbegriff und die Grundidee des Judentums verkörpernde Begriff der Wohltätigkeit gehöre an die Spitze einer jüdischen Organisation. Der Begriff der Wohltätigkeit sei, geschichtlich betrachtet, ein anderer geworden, ist gesagt worden- Das ist nicht richtig, denn bei Begründung des Ordens ebenso' wie heute ist die Ausübung der Wohltätigkeit ein Wesentliches des Ordens, und namentlich unsere amerikanischen Brüder haben für andere Aufgaben wenig Verständnis. Wenn man meint, daß in dem Begriff der Wohltätigkeit etwas von dem »Almosengeben« liegt, dann müssen eben die Logen darauf hingewiesen werden, daß es nicht Aufgabe Üer Logen ist,’ Einzelwohltätigkeit zu üben, sondern daß das Eintreten der Logen nur dem großen Ganzen gehören darf. Von diesem Gesichtspunkte au^ braucht also an dem Wort nicht gerüttelt zu werden. Gegen das Wort Wohlwollen« ist einzuwenden, daß es das rein Gefühlsmäßige zu'sehr betont. Gott ist gütig und tut Gutes, lehrt unser Glaube, und findet die höchste Idee des Menschen in seinem Mühen, dem sittlichen Ideal des göttlichen Wesens nachzukommen. Dann muß aber [zum Gefühl auch, stets die Tat hinzukommen. •Wohltun« erscheint Besser als Wohltätigkeit und Wohlwollen, weil in ihm die-beiden Begriffe enthalten sind Ah dem Worte »Bruderliebe« wird an dem Ausdruck Liebe«-Anstoß genommen. Er gibt aber doch nur das wieder,* was in dem Spruch enthalten ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, denn er ist w ie du. . Eine andere Bedeutung kann das Wort nicht haben. Die beste Erklärung findet sich in der Lebensgeschichtfe des Stammvaters, die für unsere Logenidee auch sonst von Bedeutung ist: Wir wollen keinen Zwist mit einander haben, wir sind ja Brüder. Gegen die Ersetzung des Wortes durch Brüderlichkeit wären Bedenken nicht . zu erheben. Das Wort »Eintrachtkann nicht entbehrt •werden, gleichgültig, ob es besonders aufgeführt oder in das Wesen der Brüderlichkeit hineingeführt wird. Zeitvorkommnisse zeigen immer wieder die Notwendigkeit seiner starken Betonung. Die Einwirkung auf den Einzelnen, die Hebung der Persönlichkeit, die von manchem der Brüder in der Devise vermißt wird, liegt in dem E, das auch als »Erkenntnisgedeutet werden könnte. Das wäre wieder ein echt jüdischer Gedanke, denn die Bitte ' der Erkenntnis steht an der Spitze der Bitten:unseres täglichen Hauptgebetes. Die Aufrechterhaltung des W. B. u. E. ist notwendig, um mit -den andern Distrikten Hand in Hand geh^n zu können und len Zusammenhang mit der Welt iicht zu verlieren, i Br. B e e r sieht kjeine Notwendigkeit fUr die Aenderung der Devise, in die' Wir hineinlegen kennen, was wir herauslesen wollen,! an die wir gewohnt sind und die geschichtlich mij uns verwachsen isti Dem in den Thesen von Br. Gojdstein ausgesprochenen Grundsatz: Bruderliebe verlangt Einschränkung in | der Aufnahme neuer Brüder, widerspricht er. Es d^if nicht dahinkommen, daß Brüder zurückgewiesen werden, wenn sie geeignet erscheinen.! Materielle Vorteilej dürfen in der .Loge nicht gesucht Werden, andererseits aber muß den Brüdern vor Augen geführt werden, daß sie materiell den Bruder unterstützen und bei gleichen Leistungen ihn bevorzugen müssen. j Br. G o 1 d s c h jn i d t: Die Aenderung der Devise wird nicht leichtfertig ins Auge gefaßt- Es hat nur zu denken gegöben, daß ein Begriff, den m^n abtun müßte, an erster Stelle stehj, und daher bedeutet es auch keine Aenderung im Sachlichen, wenn man für den abgegriffenen Begriff, der das, w^s gewollt ist, nicht imehr trifft, den richtigen Ausdruck j setzt, und dasisl »Wohlwollen«/ Die Frage ist ausführlich im Sonderausschuß für die geistigen fnteressenj behandelt und im Sinne der Anregung artgenommefr worden. Es'handelt sich nicht um einen Streit’um [die Devise, sondern lediglich darum, sie mit der größtmöglichen Klarheit zu fassen, ein falsches Wort zu entfernen, weil es eine schlechte For- ' mulierung darstellt, j Er bittet die Sach; scharf durchzudenken [und nichtt zu einer Ablehnung zu kommen. Die Buchstaben W. [B. u. E. sollen beibehalten werden. Br. Jeselsoh^i: Bereits vor etwa 30 Jahren waren ähnliche Bestrebungen im Gange und Br. Liebmann, Heidelberg, hatt^. vorgeschlagen, die Devise auszulegen in Streben nacfi/Währheit, Bescheidenheit und Ehrenhaftigkeit: Die rortjiulierung ist abgelepnt worden und es blieb beim Altem Eine Reihe von Alnträgen von Br. Goldstein sind zur! Debatte zu stellen, so: Vorsicht bei der Aufnahme tieuer Brüder, Forderungen an die neuen und an die ähen Brüder, Herstellung einer Verbindung von den afcen mit den neuen Brüdern. Br. Leszynsjry stellt fest, daß sejine Befürchtung, daß die Debatte eine rein theoretische Kein werde und nicht das * bringen werde, was sie bringen sollte, sich zum Glück nicht ^riuM habe. Sie hat sehr in die Praxis hinejngetührj. Den Aüsführungejn von Br. Goldschmidt vermag erj nicht zu folgen. [ Das, was vorgesehlagen worden ist. ist nicht besser, als das bisherige war, und, wie Br. Gjoldstein ausgeführt hat, je weiter bin Begriff ist, umso ^nger ist sein Inhalt. Unter Wohlwollen kann alles itiögliche subsummiert werden. Aber gerade in der Forderung der Wohltätigkeit, in der Forderung, etwas zu tifn, wollen wir energischer sein. Wir müssen die Energie; haben, . an die Brüder Forderungen zu stellen. In dieser Beziehung sind wir zu bescheiden gewesen. Mit dem; Begriff Wohltun« siollte mehr Ernst gemacht werden, als es meist der Fall:ist. Wir haben zu wenig getan undzu wenig gefordert. Der Begriff Einklang ist so wfflt gefaßt, daß er unmöglich in die Devise aufgenommlen werden kann. Br. Levi bittet er, seinen Vorschlag, Hebräische Worte statt der deutschen zu setzen, wenigstens soweit als Antrag zu stellen, daß die hebräischen Wqrle als, Erklärung zu den deutschen io Klammern dahinter gesetzt werden. Eine dahingehende offizielle Erklärung! sollte abgegeben werden, daß die 24