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Der Orden Bne Briss · 1927-06-01 · Juni/Juli (6.1927) · p. Seite 23

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
Beilage 1927 (1927)
Issue
Juni/Juli (6.1927)
Date
1927-06-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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.angegangen werden. Man muß sich von aller Sentimentalität freimachen.- Eine Sache ist nicht deshalb gut. weil sie alt ist, sondern sie kann gut sein, obgleich sie alt ist. Das Leitwort muß sinnvoll und klar sein. Die Losung in Bruderliebe und Eintracht ist die gleiche, ein Unterschied ist nicht vorhanden. In dem englischen Wort steckt der Dreiklang. In fdem Wort »harmony« steckt das, was Br. Baumann vermißt hat, die harmonische Ausbildung der eigenen Persönlichkeit. Es enthält die Forderung: Bilde alle deine Fähigkeiten aus, damit du ein vollkommener Bruder wirst. Warum soll man den Leitspruch verkümmern lassen nur aus dem Grunde, weil er früher falsch gemünzt worden ist. Der Orden ist weit über das hinausgewachsen, ^was von seinen Gründern bezweckt worden ist, deshalb muß auch sein Losungswort mit demjenigen Gehalt erfüllt werden, mit dem man auf andere wirken kann und der der heutigen Auffassung entspricht. »Wohltun« ist Selbstverständliches. Auf die Gesinnung kommt es an, upd wenn Br. Merzbach alle Worte auf das Tun ausgedeutet hat, so darum, weil sie in sein System hineinpassen. Daß Gesinnung sich in Tun umwandelt, ist Selbstverständliches und braucht nicht besonders gefordert zu werden. Die neue Fassung würde untef Beibehaltung der bisherigen Buchstaben, wenn der lletzte Begriff dem englischen »harmony« angepaßt werden soll, lauten: Wohlwollen, Brüderlichkeit, Einklang. Denn wir haben die Pflicht, mit uns selbst im Einklang .zu stehen und alle Kräfte in uns nutzbar zu machen im Sinne der Brüderlichkeit und des Einklangs. Wenn die Präsidenten einen solchen Leitspruch bekommen, können sie die Arbeit befruchten und mit neuem Geist erfüllen. Das Leitwort gibt dann eine Stufenfolge von so zwingender Logik, daß die Einführungsrede sich geistvoller darstellt, yor Aenderungen darf man nicht zurückschrecken. Heute können nur Vorschläge gemacht werden, aber sie sind bedeutungsvoll. Br. Stein: Jeder Bruder, der zu dem Thema, das jetzt zur Diskussion steht, das Wort nimmt,. muß mit dem Bekenntnis beginnen, daß die vorangegangenen geistvollen Interpretationen unserer Orcfensdevise durch die drei Brüder Referenten einen tiefgehenden, erhebenden Eindruck ausgelöst haben. Dies gilt in gleichem, ungeminderten Maße auch.von Br. Goldschmidts gedankenreichem Referat, auch wenn wir seine Schlußfolgerung und seinen Antrag auf Umänderung des Wortps »Wohltätigkeit« in »Wohlwollen« ablehnen. Allem,' was Br. Goldschmidt der Begründung seines Antrages in so feinsinnigen, schönen Erklärungen unterlegt, ' sind Deutungen und Auslegungen, die auch der beizubehaltenden Devise »Wohltätigkeit« mit auf den Weg gegeben werden köpnen. Der Begriff der Wohltätigkeit ist weder in der jüdischen Ueberlieferung an sich, noch auch in unserem Orden so eng gefaßt, daß wir darunter nur primitive, beschränkte Unterstützungsbereitschaft jind Almosenfreudigkeit zu verstehen hätten. Schon von der Bibel heißt es, daß jedes Wort derselben auf tausend Arten zu -erklären sei. Das Gebot der Wohltätigkeit ist im Judentum wie in unserem Orden villdeutig, weitgesteckt und allumfassend. Dennoch ist die Wohltätigkeit ein Fundament des |udentums und auch des Ordens. Diese Tatsache wird nicht im geringsten dadurch aufgehoben, daß, wie -der Vorredner, Br. Auerbach, ausführte, sich die Tendenzen und der Aufgabenkreis unseres Bundes seit seiner Begründung zu einer reicheren Mannigfaltigkeit und zu großzügigeren Zwecken entwickelt haben. Die Wohltätigkeit bleibt grundlegende^ Gebot und Erfordernis, das auch in seinem wortgetreuen Hinweis aus unserer Ordensdevise nicht wegzudehkeh ist. Auch der Antrag des Br. Goldschmidt will iih prhnde genommer weiter nichts, als den Begriff der Wohltätigkeit erweitern zur Gesinnung, zu Wohlwollen im;allgemelnen, zu MeisChenfreundlichkeit, zu Hingebung* JOpferwilUgkeit, Fürsorge, zu Rücksicht undJNachsicht, zjü einem individuellen Eingehen auf die Bedürfnisse unserer Mitmenschen Aber all dies sind Interpretationen, mit denen wir oinedies schon seit jeher“unsere -Wohltätigkeitzu erklären gewohnt sind. Br. Goldschmidt will-dieses Wort durch den Ausdruck Wohlwollen« ersetzt sebert und wildieses Wohlwollen sich beziehen lassen aufalle VWritänsehs uungsfragen, auf unser ganzes Verhältnis zum Judentum, zur Politik, auf die Beziehungen der Menschen 'und der Völker, auf den Verkehr der Staaten und N; tionen, kurz, er erstrebt, »Wohlwollen« als Weltprfnzip. Aber' gerade diese unbegrenzte, weitgestreckte, überjgl; s' Verhältnis von Mensch zu Mensch hinausragende Fo'mulierung läßt sie zu abstrakt, zu. doktrinär,, zu all feinem gefaßt erscheinen gegenüber der konkreten, besti nmten Forderung, der Wohltätigkeit. Wohltun, Wohlt figkeit setzt Wohlwollen voraus. Wohlwollen bedingt nicht absolut positive Wohltätigkeit. E^pe positive Hilfsbereitschaft aber ist es, die Wir fordern, die -W^ zum Ordensgebot erheben und auf die wirauch in i nserer Ordensdevise hinWeisen wolieh. In. der Politik’ spricht man von einer »wohlwollenden Neutralität«, hinter der sich häufig nur eine bequeme Passivität verbirgt Eine 'wohlwollende I Gesinnung hat: nicht ohne weiteres'die tatsächliche, opferbereite Hilfsbereitschaft im G sfolge." Wir aber fordern Wohlwollen; nicht nur als Gesinnung, rsondern als Tat. Es mag diskutabel sein, das Wort »Wohltätigkeit« in »Wohltun«, das Wort» Bruderliebe« in »Brüderlichkeit« umzuredigierän, das würde an dem wirklichen Gehalt der beiden; Worte nicht wesentlich und Materiell viel ändern. Den Hinweis auf das Gebet der »Eintracht«, die der Br. Vorredner mit Bruderliebe für synonym erklärt, können Wir um so weniger entbehren, als die heutige Zeit des Parteihaders, dei Zerklüftung, der Gegensätze im Judentum die Mahnung zu/ Eintracht zu einer so gebieterischen macht. Nach al edem erscheint es durchaus unzutreffend, wenn die A ltragsteller unsere Devise als »überwunden« und als »u izeit— gemäß« erklären. Mit der überwiegenden Mehrhe t des Generalkomitees und, wie Ich glaube, im Einklanj Vnit der Stimmung und Auffassung unserer Logen, im be- ■sonderen - auch mit den Beschlüssen* meiner eij;enen Montefiore-Loge, erkläre ich mich für die Beibeha tung unserer Ordensdevise. ' Br. Goldstein (zur Geschäftsordnung) bittet, darüber abstimmen zu lassen, wer für und -wer gegen eine Abänderung der Devise ist, um die Debatte abzukürzep. Br. Großpräsident - spricht sich gegen eine solche Abstimmung aus, da nur eine gründliche Aus- ' Sprache von Nutzen sein kann. Es kommt wenigen, auf praktische Resultate als auf eine klärendeJDebattB an, da das'Generalkomitee ja nur vorbereitende Instaif^ ist. Br. Freudenthal: Für die Aenderung der t>|evise ist zuerst die Frage zu beantworten: Ist dif Aenderung,. geboten aus Gründen der Wahrlleit oder aus solchen1 des Geschmacks. Von dem Gesichtspunkt der Wahrheit aus erscheint eine Aenderung, nicht notwendig, denn, jedes andere Wort, das an Stelle der . drei bisherigen — 23 -

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