Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1927-06-01 · Juni/Juli (6.1927) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
Beilage 1927 (1927)
Issue
Juni/Juli (6.1927)
Date
1927-06-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6727475-6074758-10846861--1594-4868215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

druck dessen, des [Empfangens und des Gebens, der Gegenseitigkeit ist es, daß wohl zum ersten Mal, an einem Teil der Sitzung wenigstens, Präsidenten und Expräsidenten teilnehmen, die dem Generalkomitee nicht zugehören. Möge ‘der Tag reich sein an gegenseitigem Schenken! * * ♦ (Die Ausführungen der BBr. Alfred Goldschmidt, Berlin, Julius Goldstein, Darmstadt, Sali Levi, Mainz, sind im Hauptteil dieser Nummer wiedergegeben.) Aussprache. Br. Mer zb ach: Es ist darüber eine Einigung ‘herbeizuführen, ob die Ordensdevise geändert werden soll Br. Goldschmidt bejaht dies für das erste Wort, das Wort »Wohltätigkeit«, Br. Levi verneint es. Die Stellungnahme von Br. Goldstein ist nicht ganz klar. Anscheinend möchte, er sich nicht für eine Aenderung der Devise aussprechen. Br. Goldschmidt hat darauf hingewiesen, daß Wohltätigkeit etwas von Almosengeben in sich trage und hat die Bedeutung des Wortes »Wohlwollen1«, das er empfiehlt, dargelegt. M. E. liegt in »Wohltätigkeit« durchaus nichts von Almosen, und seine Ausführungen, die den Vorzug des Wortes »Wohlwollen« darlegen sollen, können ebensogut für Beibehaltung des Wortes »Wohltätigkeit« herangezogen wetden. Wenn Br. Goldschmidt ausfjihrt, daß beim schöpferischen Menschen Wohlwollen die Grundlage seiner Leistungen ist. so ist damit nichts gesagt, was für die Aenderung der Devise spricht. Zu einer Aenderung sollte man sich dicht so leicht entschließen. Die Abgegriffenheit eines Wortes, die durch den jahrzehntelangen Gebrauch entsteht, würde sich in kurzer Zeit genau so bei dem Wort Wohlwollen zeigen. Gegenüber der Aeußerung, daß Wohlwollen eine bessere Uebersetzung des Wortes benevolence sei, bemerkt er, daß die Devise in Amerika ursprünglich in deutscher Sprache entstanden sei und damals »Wohltätigkeit« gelautet habe. Erst die Uebersetzupg habe hieraus »Wohlwollen« gemacht An dieser ältesten Tradition sollte nichts geändert werden. Das Wort »Wohltätigkeitsei besser als »Wohlwollen«, weil es auf die Tat hinweise und nicht auf innere und unkontrplIierbarcVorgänge. Die Tat aber und die Gewöhnung' zu einem bestimmten Tun war immer das Wesentliche jüdischen Lebens Das Judentum hat immer auf dem Standpunkt gestanden, daß Erziehung Gewöh- ■ nung zy. bestimmtem Tun ist, aus diesem Tun folgen die Empfindungen, die wir verlangen, Wird älsb das von uns gewünschte »Wohlwollen* geboren. Auch das Wort Brüderlichkeit legt den Hauptwert auf das Tun. Mit diesem Wort ist leicht eine gewisse Verschwommenheit verknüpft. Ich verstehe unter Brüderlichkeit nicht, etwa, daß jeder Bruder jeden .andern wie einen eigenen Bruder' betrachten müsse, sondern ich sehe darin mehr jenes Gefühl von Sympathie, das aus der Achtung Und Zuneigung für den Mitstreiter entsteht und das Zwischen den Mitgliedern ein Freundschaftsempfinden schafft, das Uber das allgemeine Menschheitsempfinden hinausgeht und gleichzeitig den Willen lebendig werden läßt, im Falle yon Meinungsverschiedenheiten diejenige .Rücksicht auf dien andern und diejenige Beschränkung in der Wahrung eigener Meinung und Interessen walten zu lassenj, die ein hochgespanntes Anstandsgefühl im Verkehr zwischen nahen Angehörigen vorschreibt. Auch das Wort »Eintracht« deutet auf ein einheitliches tun. Man kann es nicht durch das Wort Einigkeit ersetzen, denn eine völlige Einigkeit ist eine Unmöglichkeit und auch nicht einmal wünschenswert. Viel ist aber erreicht, wenn ein einheitlicher Wille erzielt wird und sich jeder »Bruder diesem Wfllen unterordnet. Dasjiegt indem Worte »Eintracht«! Die bisherige Devise scheint mir also in jedem ihrer Worte die T a t jn den Vordergrund zu stellen. Aus diesem Grunde widerspreche ich einer Aenderung. Etwas! anderes wäre es, wenn wirklich gegen die jetzige Devise: große Bedenken beständen. Dann müßte, man sie ändern. Man darf sie aber nicht deshalb ändern, weil man rein gefühlsmäßig eine andere Deviye vorziehen würde, i Sollte sich im Geueralkomitee eine Mehrheit für die Aenderung der Devise finden, dann m(ißte auch den Logen diese Frage vorgelegt werden. Der von den Referenten geäußerten Meinung, daß alle Themen in der Loge besprochen werden können und sollen, ist prinzipiell zuzustimmen. Eine Aussprache im einzelnen muß ,bei anderer Gelegenheit erfolgen, weil die prinzipielle Zustimmung noch nicht die Erörterung der praktischen Ausführung erspart. Br. G o I d s t ei n trägt seinem Referat nach, daß er für die Beibehaltung der Devise ist. Br. Baumanji: Die Aenderung der Devise-erscheint nicht erwünscht. Eine ausführliche Aussprache erscheint aber gut, um zu vermeiden, daß unfruchtbare Debatten wiederholt werden können. Er ist im wesentlichen gegen eine Abänderung der Devise, wenn man auch nicht saget) kann, daß sie über allen,Anfechtungen steht. Der Mangel liegt darin, daß neben dem Wort »Brüderlichkeit« auch noch das Wort »Eintracht« steht, daß also zweimal der gleiche Gedanke ausgeführt wird. Eine Üevise besteht meistens aus drei Schlagworten, während das Wesen unserer Devise sich erschöpft in den beiden Punkten: Verhalten nach inaen und nach außen, Brüderlichkeit nach innen, Wohltätigkeit nach außen. Als Drittes kommt dann das Verhalten gegen sich selbst Daß auch die »Eintracht« in der Devise erwähnt ist, hat seinen praktischem Vorteil, wenn der Begriff auch im wesentlichen in dem der »Brüderlichkeit« enthalten ist Die Uneinigkeit unter den Juden ist eine so große, daß es sich empfiehlt, den Gedanken der Eintracht zum Ausdruck zu bringen. Für. die Aenderung der Devise muß eine dringende Notwendigkeit vorliegea. Ohne eine solche darf eine alte Tradition nicht Uber den Haufen geworfen werden. Die Devise stellt eine ideale Forderung dar und muß daher über das hinaus gehen, was erfüllt werden kann. Upd da muß freilich gesagt werden, daß die Devise des Ordens nicht wesentlich ü&er das geht, was erfüllbar ist. Nur das Wort »Bruderliebe« ist etwas zu hoch gegriffen. Die .Frage aber, ob das Wort geändert werden soll, weil es nicht erträglich ist, möchte er verneinen. Die Brüder würden glauben, dajß nicht nur das Woyt, sondern auch der Begriff geändert werden soll. Eines freilich ist richtig, . daß das Wort nicht ohne inneres Erröten ausgesprochen werden darf. Br. Auerbach, Köln.- Die Ansicht Br. Baumanns, daß die Debatte unfruchtbar sei, trifft nicht zu. Er ist anderer Ansicht als Br. Baumann. Es: handelt sich um das Wohl und Wehe der Logen. Daß die Logen, wie Br. Merzbach gesagt hat, befragt werden müssen, ist selbstverständlich. Wenn der Antrag auf Abänderung eine Mehrheit fände!, dann müßte an die Großloge her- 22

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.