Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 12 - Dezember
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Lied von der Erde vorausgeahnt —nur wenige Monate überlebte. Was Mahler uns bedeutet, sei zusammenfassend mit folgenden Worten Richard Spechts gesagt: »Wenn wir den mit Recht einen großen Künstler nennen, der unser aller Glück und Leid auf sich nimmt ufid es hoch empor hält, der mehr von den Dingen der Welt weiß, als e^n anderer und dieses rätselhafte »Mehr« in magischen Zeichen gestaltet, die unser Weltbild runden urid bereichern — dann war Oustav Mahler ein großer Künstler und in diesem Sinn neben Rodin und Strauß der größte, der in unserer Zeit gelebt hat. Er hat sichganz dargebracht, um dem Ruf zu folgen: »accende lumen sengibus«. »Entflamme das Licht,in allen Sinnen und senke die Liebe in a$er Herzen.« Eine Botschaft der Liebe an eine lieblose Zeit, wie kaum ein anderes Werk unserer Tage.« Zu Zolas 25jährigem Todestage. Von Br. Siegmund Emile Zolas Stellung zur Judenfrage ist ja bekannt und War, wenn man seine Werke kennt. Man braucht sich nur an die jüdischen Gestalten zu erinnern, die er in seinem grandiosen Werke Geld . 'vor uns stellt. Wie er da die korrumpierende Wirkung des Geldes malt, die aber den inneren Charakter des jüdischen Börsenmaklers nicht tangiert, dieses Händlers, der der innigste und tiefste Mensch zu Hause ist. Wie er als Gegensatz den schwachen Sohn dieses. Juden malt mit! seiner brennenden Begeisterung für alles Schöne, für die Kunst und für alles Erhabene und seiner ungemessenen Verachtung für alles, was mit Geld zusammenhängt. Zola sucht und'findet den Juden als Menschen auch in der Verhüllung iles aufgezwungenen, scheußlichen Kapitalismus. Zolas mutiger und herrlicher Kampf gegen alle Gewalten des damaligen Frankreich, sein unvergeßlicher Zorn und Wahrheitsmut in der Affaire Dreyfuss, des Juden, ist unjd wird ja nie aus den Annalen der Menschheitsgeschichte verschwinden. Zola fragte nicht, was und wer Dreyfuss war, er ist für ihn ein unterdrückter Mensch. Und trotzdem Dreyfuss Jude war, trat Zola in se dem heri liehen Kämpfermut für diesen Juden, in dem die Gerechtigkeit und Wahrheit verfolgt war, ein. Das Ergebnis dieser Schlacht für den Menschheitsgedanken ist mit goldener Schrift in das Buch der Menschheit eingetragen. Viel zu wenig wird der Gedenktag des 25jährigen Todestages dieses großen Menschen und Dichters bei uns gefeiert. Er ist es wert, um seiner großen Rolle im Schrifttum aller Nationen und um seiner heldenhaften Gesinnung im Leben, nicht vergessen zu werden. R e i s , .Hindenburg O.-S. Ein eigenartiges Licht auf Zolas Gedankenwelt und seine literarischen Pläne wirft Maurice Le ßlond in der »Mercure de France« in seinen Erinnerungen an Emile Zola. Zola ist im Jahre 1902 voll von Projekten. So schien es mir besonders, im Verlauf des letzten Besuches, den ich ihm machen sollte, im Juni jenes Jahres, kurz' vor seiner Abreise nach Medan. Er zeigte sich voll Vertrauen. ’ Seine Hauptsorge war die Beendigung von Verite, damit er »Justice«,' das letzte von seinen vier Evangelien, in Arbeit nehmen könne. Er teilte mir seine Idee mit, daß er einen , Romap üher den Zionismus schreiben möchte. Das Thema eines neuerbauten Jerusalem im vollen Orient, erbaut von den verstreuten Söhnen einer alten Rasse, erregte seine Begeisterung. Das würde ihm erlauben, eine seiner Fresken zu entfalten, wie er sie malen konnte, und »seine Palette zu erneuern«. 5* Alletoes war — wie er'sich ausdrückte ihm nötig, sich auf der Stelle zu dokumentieren, und der Gedanke einer langen Reise beunruhigte ein wenig den häuslichen Zola, wie übrigens die Mehrzahlder Schriftsteller seiner Nation. Er sprach mit mir sehr ausführlich von diesem Projekt. Daher hatte ich lange geglaubt, daß der Zionismus das große Thema sein sollte, auf dem er »Justice« aufbauen würde. Es war . wähl lieh keine Müdigkeit bei Zola sichtbar. Ich werde mich immer an diese letzte Unterhaltung, die ich mit Zola gehabt habe, erinnern. Ich sollte ihn erst auf dem Totenbette Wiedersehen, einem mit Blumen bedeckten Bett, das Gesicht schlaff, durch Einbalsamieren gefärbt, was ihm unter.dem Glanze der elektrischen — 220 —