Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 12 - Dezember
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Schaft, wenn gemeinsctiaftbildende Kräfte in ihm vorwiegen, Gesellschaft oder Verein, wenn das Zweckhafte in den Vordergrund tritt. Im U. O. B. B. ist das Judentum, gleichviel ob man es als Gemeinschaft des Blutes,'der Ueberlieferung, des Schicksals oder der Religion nimmt, die gemeinschaftbildende Kraft, die noch da die Bundesglieder aneinander kettet, wo das Erlebnis von Gefühl und Symbol fast völlig aussetzt. Ohne dies Bindemittel wäre unser Orden bei sfinem rationalistischen Gefüge längst in eine humanitäre Gesellschaft, einen Wohltätigkeits* oder Bildunesverein ausgemündet. Den bundhaften Charakter mit seinen gewaltigen Gefühlsantrieben *• zu erhalten und zu steigern, sind uns zwei Wege, zwei JC,äfte gegeben: Menschentum und Judentum, sie zu vereinigen: Menschentum, erschaut durch das Medium des jüdischen Geistes. i Weg zu Gustav Mahler Von Br. Dr. Wi 1 h e 1 m K a r o (J. H. L), Berlin. Die Rolle, die Tönio in Leoncavallos Oper Der Bajazzo als Piologus spielt, indem er durch Schilderung des dichterischen Erlebnisses den Kontakt zwischen Publikum und Bühne vert mittelt,. soll die folgende Betrachtung als Einführung in Mahlers Kunfet übernehmen. Meine kurze Skizze von Mahlers Wesen und seiner Musik ist ein rein persönlicher Reflex, doch kein Referat über den Künstler. Denn ein solches Referat, in dem sachlich neben einer Kritik und Besprechung der Werke auch zu berichten wäre, daß Mahler als Sohn jüdischer Eltern 1860 in der Tscheche! geboren, mit lojahren das Wiener Konservatorium bezog und mit 19 Jahren seine Kapellmeisterlaufbahn begann, deren einzelne Stationen' durch die Städte Hall, Laibach,Olmütz, Kassel,Prag, Leipzig, Pest, Hamburg und schließlich Wien bezeichnet werden, in dem weiter berichtet werden müßte, wie er in Wien in zehnjähriger Sisyphus-. arbeit die vollkommen heruntergewirtschaftete Hofoper emej vorher nicht für möglich gehaltenen Glanzzeit entgegenführte und Wien dadurch zur musikalischen Weltmetropole gestaltete, wie er, durch Intrigen vertrieben, in Amerika als Interpret gewirkt und, den Todeskeim, im Herzen, 1911 in die Heimat zurückkehrte,' um kurz darauf in Wien zu sterben, ein solches Referat kommt nicht in Frage, denn die Voraussetzung hierzu wäre Sachlichkeit, um nicht zu sagen: kühle, Nüchternheit, die ein Vorrecht der berufsmäßigen Kritik bleibe, die, wie Beckmesser jeden Fehler ankreidet und immer ggnau weiß, was der Musiker bei jeder Note gemeint. Mit solcher Sachlichkeit kann man e;nem Genius* wie Gustav Mahler, nicht gerecht werden. Nicht Wissen um Einzelheiten, sondern Ergriffenheit und Begeisterungsfähigkeit sind jdie Zauberworte, die uns den Schlüssel geben zum Eintritt in Gustav Mahlers Reich, die uns seines Geistes einen Hauch verspüren lassen. Robert Schumanns Dichterwort »Der Verstand irrt — das Gefühl nicht«, ein Wort, in das Gustav Mahler selbst seine künstlerische Ueberzeugung kleidete, sei Motto und Leitmo iv meiner kurzen Betrachtung, die ihren Impuls erhält von dem unvergeßlichen Eindruck, den Mahler als Dirigent seiner 3. Symphonie in der hiesigen Philharmonie vor nunmehr 20 Jahren im Winter 1907 auf michausübte: Vom Augenblick, wo er das Pult betrat, bannte eine hypnotische, dämonische; Kraft einen jeden, Musiker, wie Hörer Es war unmöglich, von seiner faszinierenden Gestalt Ipszukommen, von seinen suggestiven, deutlich heftigen Zeichen, die magnetisch die Töne aus den Musikern hervorzauberten und sie nicht nur dem Ohre, sondern plastisch dem Auge./zugänglich machten. Diese Art seines Dirigier.ens mit ihrer Ekstase, mit dem völligen Einäwerden mit dem darzustellenden Werk, spiegelt Mahlers ganze Persönlichkeit wieder, die, wie bei einem so impulsiven Genie, natürlich manche Widersprüche aufweist. Seine Seelenart war auf Güte und Energie gegründet, hymnisch nennt Emst Bloch Mahlers Grund wesen. Die Festigkeit seines Willens erhob .sich in der göttlichen Manie des Künstlers, wie in dem unerbittlichen Drang nach Wahrheit in allen Lebensäußerungen, zum alttestamentarischen Fanatismus, wie wir ihn .ähnlich bei den Propheten und Aposteln beobachten. Mit ihnen hat Mahlers Charakter mancherlei Analogien. Gemeinsam mit ihnen ist Mahler die ständige Hochspannung, die fiebrige Rastlosigkeit des Suchens nach Sinn und Gesetz der Weit* seine Gläubigkeit, seine Himmelsgewiflheit, seine Demut vor allem Göttt