Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Leid im Gefühl des vorzeitigen Schwindens der Lebenskraft. Auch im Logensinne tragisch. Ejine Sehnsucht ist mit ihm 'durchs Leben gewandert, die, als unerfüllt, noch nicht still geworden. Nicht als ob sein Wirken nicht von jedem einzelnen von uns freudig anerkannt worden wiire. Aber es gibt vieles im Leben, das wir erst als Glück erkennen, wenjr wir es verloren haten. Und die Erkenntnis, “daß er ein Präsident besonderer Natür war, wurde vielleicht Crst Gern« ingut, als die Krankheit ihn zu umschatten begann Da war er vorbildlich im Stark sein und Stillehalten. Er gab im vorigen Jäh e, schon schwer krank, eine Einleitung in unseie Winterarbeit, die allen denen von uns unvergeßlich bleiben wird, die sie gehört. Diejenigen Brüder, die die Sitzungen nur selten besuchten, haben Unwiederbringliches verloren. Er selbsj diente natürlich nur der Sache wegen. Aber das unbewußte Verlangen nach Gegenliebe, “das in jedem Menschen ist, wurde hinsichtlich der Betätigung für c ie Logenarbeit nicht ergiebig genug von uns erfüllt. Es schadet nicht, wenn wir uns eingestehen, daß die Erinnerung an ihn nicht ohne diesen besonderen Wehmutsrest aufgeht. Schmerzloses Erinnern ist schon halbes Vergessen. Tragisch auch in einer weiteren Bedeutung. Heinrich Pinthus wäre in einer Großstadt einer der Großen des Ordens geworden. Da^ Leben in einer kleineren Stadt setzte dem Grenzen. Aber war seine Zugehörigkeit zu einer mittleren Loge auch eine' gewisse Erschwerung für seinen Aufstieg, so war sie doch für die Entwicklung unserer Loge und des Lebens in ihr ein Gewinn. Und in Liebe mit uns verbunden, wird er immer um uns bleiben! Und so Wollen wir ihn in Erinnerung behalten als einen.Gipfel unserer Loge, auf den .wir stolz sein dürfen. Er konnte von sich mit Grillparzer sprechen: »Vorahnend dürft’ ich zu den Großen sagen, Die längst der Ruhm umwallt wie Opferrauch: So hoch als Euch mag mich kein Flügel tragen, Doch, Meister, schaut! ein Künstler bin ich auch.c Dr. Frohnhausen, Präs. Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Api 2. November .1927 konnte die-Ges« llschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums auf ei n 25jähriges Bestehen zurückblicken. ' Ihre Gründung fä Tt in eine Epoche tiefer Depression und seelischer Not der. westeuropäischen Judenheit. Es war die Zeit, da auch aus wissenschaftlichen Kreisen unterminierende Angriffe gegen das Judentum erfolgten. Da war es ein junger Rabbiner, Br. Dr. Leopold Lucas in Glogau, der die Anregung zur Gründung einer Gesellschaft zur Fort erung der Wissenschaft des' Judentums gjab. Sein Zit 1 war, -alle verfolgbarengeistigen Kräfte der gesamten w issenscfiaftlichen Bewegung zusammenzusichließen. und damit1 die Möglichkeit bedeutsamer gemeinsamer Arbeit zu schaffen. Die Gründung glückte und die Gesellschaft trat unter der tatkräftigen Leitung von Prof. Philippsohn, Berlin 'gestorben falb) uni ndj R; Dr. Martin bbiner Dr. Jacob Guttmann, Breslau (gestorben .1919) ins Leben. Sie übernahm die von Dr. M. Brann in Breslau (gestorbeh 1920) geleitete Monatsschnff-tür Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Den, Mitgliedern ging ferner das »Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur« zu. Werke, die von Bedeutung für das Judentum waren, wurden herausgegeben, monumental - wissenschaftliche Veröffentlichungen in Angriff genommen. Ein Unternehmen ganz großen Stils war der Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums, der zunächst auf 36 Bände berechnet war. Bisher sind 13 Bände erschienen. Die Gesellschaft hat Anregungen und Belehrungen in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen in 5 Erdteilen vecbreitet und so für das Judentum gewirkt. Als Jubiläumsauflage erscheint das Prachtwerk von Dr. C. TasSilo Hoffmann: Abraham - Abrahamson60 Jahre Berlinischer Medaillenkunst. r Hilfsvertin der deutschen Juden. Aus den Mitteilungen des Generalsekretär des 'Hilfsvereins, Dr. Wischnitzer, erfahren wir manche lei Interessierendes über die jüdische Kolonisation in der Krim, ln einem-' begrenzten Gebiet d£r Nord-Krim wurden bis jetzt 2500 Familien untergebraclit. SOOO Familien Irönnen, ’ untergebracht werden. Eine Kolonie soll CO— (0 Familien ^umfassen. Der HäusCrbau folgt langsam (en Bedürfnissen der Siedlung. Die Regierung steift Boden und Gebäude zur Verfügung. Die Siedlungen erhälten jüdische Selbstverwaltung. Das russische Regierungskomitee (Komzet) beabsichtigt auch in Sibirien größere Siedlungen anzulegen. In den Siedlungen sollen Sommer- und Winterweizen, Futterkräuter und Gräser gewonnen werden. Ica und Joint beabsichtigen aus prophylaktischen Gründen zum Schutz gegen Mißernten auch Wein und Obstbau anzulegen. Das Menschenmaterial ist gut. Es ergibt 206 —