Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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sein müssen. Aber die Not und das Bewußtsein des Elends sind noch nicht groß genu£. um für nahe Zeit eine Umstellung des Proletariats und der menschlichen Gesellschaft erwarten zu lassen. Man läßt sich von der Industrie schleppen und hofft — für einige Zeit wohl auch nicht ohne Grund — auf neue Verstärkungen und Erweiterungen .der Industrie ' oder auf Ausbeutungen durch Eroberungskriege. Das soziale Problem ist also vorläufig noch im höh'eren Grade ein sittliches als ein wirtschaftliche s. Für den Ethiker treten die Mängel unserer Gesellschaft und die ihre Glieder entsittlichenden Fojgeri, längst klar hervor. Er empfindet den notwendigen Verfall der Sittlichkeit und die sittliche Wertlosigkeit der menschlichen Gesellschaft als brennendes Problem, dem kr sich nicht entziehen kann. Seit Nietzsche .kranken die besten Männer an dieser Wunde. W irftschaftlich ist aber die Not der Unselbständigen noch nicht groß und nahe genug, um ^ie'den Weg zur Umkehr erkennen oder verwirklichen zu lassen. 'Deshalb wird die sittliche Gesellschaft noch nicht wirklich. , Demnach ergeben sich für den pbktischen" Ethiker der heutigen Zeit folgende Aufgaben: Er muß sich vor allem selbst über die Umgestaltung der Gesellschaft, die er ersehnt, klar zu Werden suchen, und über die Möglichkeit e.ner solchen nach den Gesetzen der menschlichen Gesellschaft, Hierüber glaube ich — zum Teil auf F-ranz Oppenheimer gestützt — genügende Andeutungen gemacht zu haben. Eine Umgestaltung, wie sie' oben dargestellt ist. halte ich für durchaus möglich und dem sittlichen Ziele gemäß. Er hat aber außerdem die Widerstände zu beachten, die der heutige Mensch der praktischen Ethik entgegensetzt. Diese sind kaum zü hoch einzuschätzen. Aber apch hieses Zeitalter wird einmal vorübergehen; und eine neue Zeit wird allmählich heraufziehen, eine Zeit, in der der Mensch wieder etwas gelten, die Kunst wieder etwas bedeuten und die Religion wieder etwas leisten, Krieg und Ungerechtigkeit nicht mehr Tüchtigkeit sein werden. Diese Zeit muß der Sittliche, so nah oder so fern sie sein mag, vorzubereiten suchen, sobald er selbst dazu vorbereitet ist. Er kann dies nur durch Propagierung der Ideen einer neuen Gesellschaft tun. Die Schäden müssen aufgedeckt, nicht mit Beredsamkeit umschrieben und beschönigt werden. W i r brauchen höher geschulte Menschen, Nachfrage nach den Produkten menschlicher K.un stfertigkeit und individueller Leistung. Siedlung der Brotlosen auf der ergiebigen aber noch unbebauten E r d e, ^e r• s e 1 b s t ä n d i g u n g der Menschen. Dies allein kann er .sagen, wenn er Sittlichkeit erstrebt und zu - verwirklichen sucht, Sittlichkeit und nicht blos leiblichen Bedarf der Menschen für einige Zeit. . Eine Siedlung ‘ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldatert. Der jüdische Bauer auf deutscher Scholle. Am Sonnabend, dem 15. Oktober 1927, hielt der Reichsbund jüdischer Frontsoldatenunter der Leitung seines Vorsitzenden Dr. Leo Löwenstein vor einem ansehnlichen Publikum im Herrenhaus eine Tagung ab, die dem Problem der Siedlung gewidmet war. Professor Franz Oppenheimer erläuterte die wissenschaftlichen Grundlagen, die die Notwendigkeit des Projektes zwingend ergaben. Domänendirektor Dyk besprach die praktischen Verhältnisse. Unter dem Beifall der gesamten Zuhörerschaft äußerten sich in zustimmendem Sinne: der Vertreter des Zentralvereins Dr. Glaserfeld an Stelle des verhinderten Just.-Rat Dr. Brodnitz, Dr. Klee und Dr. Baeck X Ludwig: Cahen geboren 26. September 186S gestorben 10. September 1927. Einer der Besten ist von uns gegangen. der Stärke seiner Leistung und seiner Person- Einer. der durch fast drei Jahrzehnte im Jichkeit und so unermüdlich, hingebungsvoll — Sinne des Ordensgedankens und in seiner Tat, Tag für Tag, durch Jahrzehnte hindurch, arbeitend, - in Wohlwollen und Wohl t u n gelebt und schaffend, helfend, beeinflussend — bis zum gewirkt hat, einsetzend gleich im Beginne mit letzten Atemzug, den das erkrankte Herz aus- — 202 — _ 1