Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Breslauer Logen haben sich somit durch die Erwerbung und Einrichtung des Hauses »Giersdorf« ein bleibendes Verdienst erworben. Aber über diese Annehmlichkeiten des Eimelempfindens hinaus hat eine derartige Einrichtung auch beachtenswerte soziale Bedeutung: Nicht nur, daß eine Logentat wirksam in .Erscheinung tritt und auf diese Weise nachhalliges Zeugnis ablegt für den Orden und seinen Geist; die Logengesinnung selber wird bei diesem Zusammensein durch piehrere Wochen hindurch gestärkt: in ungezwungener Rede und Gegenrede werden Erfahrungen und Anschauungen ausgetauscht; in ruhiger Vertiefung werden Fragen behandelt, welche in der Hast des geschäftlichen Alltags, auch bei Logensitzungen, nur oberflächlich gestreift werden können. ' Und schließlich sei auch eines nicht vergessen: In einem solchen Heim, wo man zumindest doch sabbatliche und feiertägliche kurze Gebetversammlungen veranstaltet oder gemeinsam Tischgebete verrichtet, wird für Eltern und für Kinder durch Erinnerung oder junges Verständnis der jüdische Sinn belebt und befruchtet. Gefühlsregungen und Willenskräfte werden auf diese Weise geweckt, welche oftmals der Gesamtheit wieder zugute kommen. Man" sieht also, wie schwierig es ist, eine Grenze zwischen der Alternative »Für uns« — »Für andere« zu ziehen. Es wird vielleicht eine Zeit kommen — und ich bekenne, daß ich sie begrüßen würde — wo zumindest jeder Lögenverband eine Einrichtung besitzt, (Jie dem Gemeinschaftsleben seiner Logenbrüder in der gezeichneten Weise zugute kommt. Mag der eine Verband in der Ebene, der zweite auf den Bergen, der dritte an der See ein solches Heim errichten:^Durch gegenseitigen Austausch wird dann jeder Bruder landschaftlich das finden, was ihm zusagt oder nottut; aber allen Brüdern wird eine dem Orden und der Gesamtheit zugutekommende Förderung zuteil werden. (Vermieden werden soll allerdings hierbei eine Konkurrenz mit örtlichen rituellen Speisehäusern pder Gasthöfen, die schon ohne diese Schädigung schwer genug um ihre Existenz zu kämpfen haben.) Und schließlich ist es vielleicht nicht nur materiell gedacht, wenn einmal darauf hingewiesen wird, daß unser Orden seit Jahrzehnten viele Tausende von Mark an Beiträgen aufgebracht hat, um Einrichtungen, die in anderen Händen sich befinden und nicht immer nach unserem Sinn wirken, zu begfünden oder zu erhalten. Wenn wir diese Mittel für Eigengründungen der Legen verwendet hätten, so. wäre das Logen wohlfahrtswerk zwar begrenzter, aber konzentrierter geleistet worden. Die Eigenleistung, die als solche in die Erscheinung tritt, ist aber heute ein wertvolles Fundament für die Schätzung jeder Organisation; man vergleiche nur einmal die Werke der Caritas außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft. Um nicht mißverstanden zu werden, sei! ausdrücklich betont, daß die Eigengründungen nicht etwa der ausschließlichen Selbstberücksichtigungdienen sollen: Erholungsheime beispielsweise könnten in einem Teil ihres Umfanges oder für einen Teil des Jahres auch Nichtlogenkreisen zur Verfügung gestellt werden. Zu diesen allgemeinen zeitgemäßen Betrachtungen hat das Krummhübeler Erholungsheim, welches die Förderung verdient und dessen Besuch warm empfohlen werden kann, die Anregung gegeben. Vielleicht ist das Thema »Eigengründungen der Loge« ein Verhandlungsstoff der deutschen Distriktlogen für den kommenden Winter. Rabbiner. Dr.. L e v i - Mainz.' Die Frage der Gesellschaftsform als sittliches Problem Von Dr. L e w i n s k i - Berlin. W o h e r_tü hrt.die Unsittlichkeit? Daher, weil der Einzelne sich nicht in Einheit mit einer menschlichen Gesellschaft fühlt. Ist dieses Motiv der Unsittlichkeit auszurotten? Das wird sich allgemein schwer beantworten lassen. Jedenfalls ist aber auch die soziale Ursache der Unsittlichkeit nicht zu bezweifeln, wenn sie auch vielleicht nicht der erste Ursprung fst. Ist die Gemeinschaft so geordnet, daß das Individuum in ihr nicht notwendig ist, sondern bald benutzt, bald abgestoßen werden kann, so kann das dienende Individuum sich ihr nicht Verpflichtet, das herrschende sich durch Rücksicht auf die anderen nicht gebunden fühlen. So ist die Gesellschaft des Maschinen- Zeitalters gestaltet, wenn man überhaupt von einer »organischen Gesellschaft« hier reden will., Die Industrie braucht im 200