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Der Orden Bne Briss · 1927-11-01 · Nr. 11 - November · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 11 - November
Date
1927-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Kriege die Flucht des jüdischen Mannes ivor der Ehe in ungemein starkem Maße festzustellen, so haben Krieg und Nachkriegszeit weiter stark retardierend gewirkt. Die Aussichten, daß sich hier eine Besserung zeigen werde, sind nun gerade in der Gegenwart sehr trübe. Die ungeheure Verarmung, die Depression im Wirtschaftsleben läßt es noch mehr als früher für viele Männer ein Wagnis erscheinen, zur Eheschließung zu schreiten. Die Stellenlosigkeit zahlreichere junger Kaufleute, die Sorge das Brot zu verlieren, der Mangel an Mitteln eine selbständige Existenz zu gründen, alle diese Umstände wirken gegenüber der Ehe direkt abschreckend, dies umsomehr, als sogenannte Geldheil aten nicht mehr wie'früher die Möglichkeit bieti :n,.sich eine eigene Existenz zu gründen. Auch1 die Heiratsanzeigen spiegeln dem’ aufmerksamen Beobachter die Nöte der Gegenwartwieder, das Angebot der märchenhaft großen Mitgiften der früheren Zeit ist verschwunden, und -es sind höchst bescheidene Summen, die zur Begründung der ehelichen Existenz angeboten werden. Eines fällt dabei auf: die außerordentlich häufigen Gesuche von »Einheirat*. Sie werden vielfach vom Manne gewünscht, noch häufiger von den Eltern des zu versorgenden Mädchens angeboten. Denn das ist feststehend gegenüber der Zurückhaltung der Männer: das Bestreben der Eltern, ihrp Tochter zu versorgen, ist nach wie vor ungemindert, vielleicht noch lebhajfter als je. Im Hinblick darauf, daß die Heiratschancen der jüdischen Mädchen verringert sind | durch die ungünstigen wirtschaftlichen Umstände nicht allein, sondern auch vor altem durch den Verlust vieler tausender jüdischer Männer im Weltkrieg, kommt der jüdische Vater in dem brennenden Bestreben, die Tochter, wenn auch bescheiden, zu versorgen, da er'Kapitalien nicht mehr bieten kann, dahin, zu überlegen, ob nicht durch Aufnahme des jungen Mannes in sein Geschäft diesem eine Existenz bereitet werden kann. Auch gegenseitige Heirat von Oeschwistern werden zu diesem Zweck in den Kreis der Möglichkeiten gezogen. i Um dieEhenot zu beseitigen, hat man den Vorschlag gemacht, gemeinnützige Ehevermittlungsstellen einzurichten. Die Idee mag auf den ersten Blick frappierend wirken, sie;hat aber, was weiteren Kreisen wenig bekannt sein dürfte, bereits mehrfach praktische Verwirklichung gefunden, und es dürfte daher von Interesse sein zu schildern, was auf diesem Gebiete bereits geschehen ist, wobei es sich jedoch durchweg um allgemeine, nicht speziell jüdische Einrichtungen handelt. Als erster, ist vor Jahren Geistlicher dem Problem der ein englischer e emeinnüjtzigen :lien die jungen die '(Großstädte ab- Mädchenver- Ehevermittlung näher getreten, is 'er erkannte, daß an (deinen Orten, von welcl Leute in der Regel in strömten, zahlreiche prächtige kümmerten, während in der GrcÜstadt viele zügezogene Männer mangels Familienanschluß oder Zeit eine geeignete Gattin nicht finden. Er federte daher in Zeitungen Ehekandidaten auf zur Einsendung von Adressen mit genauer Angabe ihrer Wünsche” und Verhältnissi, tauschte/diese nadh seinem Ermessen-aus unT* überließ das weitere den Beteiligten,- Seine ■rfofge waren durchaus ermutigend und er erhielt häufig Pankbriefe von glücklich gewordenen Paaren. ' , Zum ersten’.Male wurde eine gemeinnützigje Ehevermittlung 1908 vom Frauenbund dejr deutschen Kolonialgesellschaft,eirgerichtet. Die Wahrnehmung, daß deutsch^ Kolonisten in Afrika mangels deuts'cher freuen nicht in der Lage waren, Stammesgenos; innen' zu heiraten und sich mit Eingeborenen vermischten, also Gründe der Rassenhygieiie, veranlaßten den Frauenbund, deutsche Mädcfen nach.Afrika zu verpflanzen, die vielfach von ddutschep Kolonisten geheiratet wurden, D trüber berichtet Prof. T)r. Kuhn, der Direktor des hygienischer -Instituts 4n G.ießen, in der Zeitschrift »Oefferttliche Gesundheitspflege 1919 S. 152« in seinem Aufsatz »Eheförderung^ und Rassenhygiene in den Kolonien«. Eine erste öffentliche amtliche Heiratsvermittlungsstelle in .Deutschland wurde in Magdeburg von Benno Basch 1917 gegründet. Sie bezweckte in erster Linie Kric gerV/itwen m t Kriegshinterbliebenen zu verh£fra en, um derer wirtschaftliche Existenz aufrecht zu erhalten. Ehelustige erhielten einen Fragerogdn, in wel-’ ehern sie genau ihre Verhältnisse und Wünsche anzugeben hatten. Die Angaben wurden amtlic ti nachgeprüft. . Ein Extrakt dieser Angaben wurde ohne Namensnennung' mit Nummer r in einer Lazarettzeiiung veröffentlicht. Bewerberiji, welche sich für einzelne” dieser Veröffentlichungen interessierten und näheres zu wissen wünschten, wurden diese Angaben gemadht und später auch die genauen Adressen .äng igeben.1 Diesie amtliche Ehevermittlung bestand 2 Jahre und vermittelte in dieser Zeit .126 Ehen. * Leider ginjg die segensreiche Einrichtung wieder ein; weiil der damalige Referent für Krjegslimterbliebeneiifürsorge aus weltanschaulichen und religiösen 197

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