Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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den Juden geringer ist als bei den Nichtjuden (1910 in Preußen 13,3 bei der Gesamtbevölkerung, 10,5 bei den Juden) und bald in stärkerem Maße abnimmt wie bei der nichtjüdischen Bevölkerung (1922 in Preußen 11,2 Eheschließungen bei der Gesamtbevölkerung gegen 7,8 bei den Juden). In den letzten beiden Jahren haben die reinjüdischen Eheschließungen in Deutschland rapid abgenommen. Die Ziffer fiel voni5617 im Jahre 1923 auf 2964 in 1925. Nun die psychologische Seite des Eheproblems. -Die Gründe für die Besonderheiten der jüdischen Ehepolitik werden in rationalistischen Erwägungen gesucht und wohl auch mit Recht darin gefunden. Der Jude von heute betrachtet die Ehefrage mit nüchternem Kalkül. * Regungen des Herzens hat er in jüngeren Jahren kaum Raum gegeben oder hat sie niedergekämpft, in reifere Jahre gelangt, kann er sich nur noch dann zur Elte entschließen, wenn er damit seine materiellen Verhältnisse verbessert. Diese Erwägungen geilen aber nur gegenüber einer jüdischen Ehepartnerin, sie treffen nicht zu gegenüber den Angehörigen anderer j Konfessionen. Der Jude, der niemals ein armes jüdisches Mädchen geheiratet hätte, entschließt sich, ohne Bedenken, den Ehebund mit einer armen Christin zu schließen, der jüdische Mann heiratet hier vielfach unter seinem Stande. Ats Gründe für diese Mischehen werden unter anderem angegeben,' daß der jüdische Mann Wert darauf lege, sein Blut durch Mischung mit der »arischen« Rasse zu veredeln (?). Auch wird behauptet, daß er deswegen das christliche Mädchen bevorzuge, weil ‘ es. anspruchsloser sei als die Jüdin und ihn im Daseinskampf besser unterstütze. Bei dieser Einstellung der jüdischen Männer sind die Konsequenzen für das jüdäsche Mädchen sehr ungünstig. In steigendem Maße zur Ehe-' losigkeit verurteilt, kann es nicht mehr seine Bestimmung darjn finden, die Gehilfin des Marines zu werden, sondern es ist gezwungen, sich auf eigene Füße zu stellen und selbständig ins Erwerbsleben einzutreten. Will es heiraten, so ist es, namentlich so weit die unbemittelten Schichten des kleinen jüdischen Mittelstandes und Proletariats in Betracht kommen, oft gezwungen, eine Mischehe einzugehen, da der jüdische Mann Vermögen beansprucht, der Christ in gleicher wirtschaftlicher Lage, jedoch davon absieht. So erk ären sich die zahlreichen Mischehen in den unteren Ständen, b^i der die Frau dem Judentum angehört. | Das Eingehen der Mischehe unterlieg! gewissen soziologischen Oesetzen. Ein solches ist das Gesetz, daß bei den Mischehen in besonderem Ma^e die zerstreuten religiösen Minderheiten beteiligt sind, weil bei ihnen die Auswahl unter den Angehörigen der gleichen Konfession eine beschränkte ist. So gehen in Norddeutschland mehr Katholiken eine Mischehe ein als Protestanten, in Bayern mehr Protestanten als Katholiken. Auch bei den Juden, die doch in Westeuropa eine beinah verschwindende Minorität darstellen, trifft dieses Momentzu. Es erklärt aber natürlich nicht die enorm steigende Zunahme der jüdisch-christlichen Mischehen, denn auch vor 50 Jahren haben die Juden in diesen Ländern eine Minorität gebildet, und doch waren damals Mischehen noch ungewöhnlich selten. Dieses Minoritätsprinzip gibt uns den Schlüssel für die Art des Zustandekommens vieler, vielleicht der meisten reinjüdischen Ehen. Dieses Zustandekommen wird durch die Kleinheit der jüdischen Bevölkerung und das zerstreute Wohnen, ungeheuer" erschwert, die Auswahl ungemein eingeengt, und so erklärt sich auch die viel kritisierte, ja bespöttelte Gepflogenheit der Juden, durch äußere Hilfsmittel, auf dem Wege *der Heiratsvermittlung, diese Hindernisse aus dem Wege zu räumen. Dieser Weg ist unentbehrlich für die Juden, niie eine Ehe mit einem j ü d i's c h e n Partner wünschen. Der Mangel an Bekanntschaft wird gewiß in den meisten Fällen nicht vorgeschützt, sondern ist tatsächlich vorhanden, und wir sind überzeugt, d[aß zahlreiche Juden und Jüdinnen zur Ehelosigkeit verurteilt würden, soweit sie eine Mischehe nicht eingehen wollen, wenn dieser Weg nicht eingeschlagen würde Die Anbahnung von Ehen auf dem Wege von Zeitungen und durch den Vermittler ist übrigens kein Monopol der Juden, sondern auch andere Konfessionen bedienen sich ihrer, obwohl bei diesen das Bedürfnis ein ungemein geringeres ist. denn hier ergeben sich, je nach den verschiedenen Gesellschaftsschichten, andere Wege der Eheanbahnung: in der Fabrik, im Betrieb, im Büro usw. Dem Juden sind diese Möglichkeiten überaus eingeengt. Will er, was durchaus zu billigen ist, die Verwandtenheirat und damit die Inzucht vermeiden, so muß er die Möglichkeiten, eine Partnerin oder einen Partner zu finden, erweitern und die Orte der näheren -und weiteren Umgebung ins Auge fassen. Aber diese äußeren Mittel zur Förderung der Ehen könnet* leider die starken inneren Hemmungen nicht beseitigen. War vor dem 196