Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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schnittliche Heiratsalter der jüdischin Männer ist ein späteres wie das ihrer Umgehung. Auf' fallend groß und in zunehmender [Steigerung -begriffen ist die Zahl der Mischehen, entfallen doch heute in Deutschland auf 10Ö neu geschlossene rein jüdische Ehen etwa 40 Mischehen, bei welchen entweder der Mann oder die Frau dem jüdischen Olauben angehört, so daß jeder sechste Jude, oder Jüdin, die in die Ehe eintreten, eine Mischehe eingeht. Wenn wir diese Tatsachen würdigen wollen, so müssen wir hier drei Perioden unterscheiden: 1. die Vorkriegszeit, 2. die Kriegsjahre und 3 die Nachkriegszeit. Nicht immer haben sich die Juden durch eine niedrige Heiratsziffer ausgezeichnet. Jahrhundertelang ' ist das Schöpfungswdrt befolgt worden? »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.« Die Refigionsquellen, Bibel und Talmud, weisen immer wieder darauf hin, daß die Ehe gleichsam zum Leben gehöre. Der Ehelose wird gering geachtet, einmal sogar als Mörder bezeichnet. Auch die Rabbiner der späteren Zeit propagierten eifrig die Eheschließung. Als 1738 in Frankfurt a. M. die israelitische Männerkranken- 1 kasse gegründet wurde, bekämpfte der damalige Rabbiner die neue Institution mit der Motivierung, wenn erst die Frankfurter Juden in Tagen der Krankheit von der Krankenkasse unterstützt würden, dann hätten sie keine Veranlassung mehr, zu heiraten. Auch die Vereine und Kassen zur Ausstattung armer jüdischer Bräute dienten der Eheförderung. Trug man doch sogar kein Bedenken, Verkrüppelte und Minderwertige zu verheiraten. * Seit dem Mittelalter wirkten ungünstig auf die Heiratsfrequenz die Eheerschwefungen, die über die JuBen im Ghetto verhängt wurden, die noch bis zum 19. Jahrhundert nachwirkten. Betrug doch infolgedessen in Frankfurt a. M. in den Jahren 1825—44 die Heiratsziffer nur 5,3 auf 1000 der jüdischen Bevölkerung. Aber auch als die gesetzlichen Ehehemmnisse wegfielen, weisen bereits die älteren Ziffern der Statistik die geringe Beteiligung der Juden an den Eheschließungen nach. So entfielen in Berlin in den Jahren 1863-80 auf 1000 der Gesamtbevölkerung 10j5 Eheschließungen, bei den Juden dagegen nur 6,6. In (den Jahren 1911 —14 waren die entsprechenden Ziffern 10,8 und 5,6. ln Preußen heirateten in den Jahren 1876-r80 von der Gesamtbevölkerung 7,9, bei der jüdischen 7,1, 1886-90 waren diese Zahlen 8,9 und 6,9, 1914 6,8 und 5,7. Dabei müßten eigentlich die von vornherein eine höhere Heiratsziffer uden | aufweisen, weil infolge der Kinder^irnut me lr im heiratsfähigen Alter befindliche ^Personen sich bei |hnen finden. Das durchschnittliche Hciräts-, alter der jüdischen- Männer liegt löher a s'be» *der allgemeinen Bevölkerung, das l'OOF—Q5 im Deutschen Reich 29 war. Diese abnormen Heiratsziffem* .der beruhen nun nicht etwa auf Einflüssen der oder-der Religion, sondern sie hängen ntft wirtschaftlichen Verhältnissen zusammen,* klären sich durch das Fehlen des Prolet welches häufiger und auch frühe heiratet dadurch die allgemeine Heirats riffe;’ be Die Juden gehören vorwiegend dem habenden und gebildeten Teil der Bevoll an, und je mehr diese Voraussetzungen bei einer Volksschicht zutreffen, umso z jrüekhaljender steht sie der Eheschließung gegenüber, umso später wird geheiratet. Das trifft auch bri den '.Berufen zu, die vorwiegend von len Juden ausgeübt werden, dem. Handel, der Industrie und den freien Berufen. - Was die Mischehenanlangt? so hat e ich deren Statistik für das Reich, die Lände- und eine-Anzahl größerer Städte, fürdie Düsseldorfer Ausstellung bearbeitet und deren F esültate waren in der Abteilung »Hygiene der Juden«' bildlich zur Datstellung gebracht worder Die Arbeit selbst wird demnächst im »Allgemeinen statistischen Archiv«, veröffentlicht werden.« Diese Statistik zeigte daß bis zum Jahre 1874, bis zum lnkrafttrieten des Gesetzes über, die bürgerlichen Ehen, jüdisch-christliche Mischehtn in Deutschland ganz vereinzelt waren. Von da ab werden sie eine regelmäßige Erscheinung und nahmen von Jahr zu Jahr zu., Die-starke Vermehrung der Mischehen tritt jedoch erst q it dem Beginn des 20. Jahrhunderts auf, so.'daß sie.vonjdaab als Mitursache für die geringe l-ahl der reinjüdischen Eheschließungen angesehen' v'erden kann. « Während des Krieges hat ius bekannten Gründen die Zahl der Eheschi eßunger ‘sehr abgenommen, bei den Juden in r och stäikerem - Maße als bei den Nichtjuden. jüdisch-christlichen Mischehen hilf .dagegen in dieser Periode sehr stark zugenoi rimen,- ^o daß in manchen Großstädten, wie BerlfiJ in manchen Jahren die Zahl der der rein jüdischen Ehen überWog Nachstarke Zunahme bei den Eheschließungen, die aber bei* kriegszeit verzeichnen wir zuriäd st eine Die Zahl der und Frankfurt, Mischehen die ln der 195