Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1927-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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reiche jüdische Mädchen zur Mutterschaft zu gelangen. Eine der Ursachen des Geburtenrückganges ist ferner die Spitehe: sie trägt erfahrungsgemäß auch einen großen Teil der Schuid an dertra nigen Tatsache, daß Nervosität unter den deutschen Juden starker verbreitet ist ats unter/ anderen Bevölkerungs- Schichten, daß die Zahl der Selbstmorde, erschreckend zugenommen hat und Mißstäcde auf geschlechtlichem Gebiete.rait ihren.5^h_.veren gesundfieißie’hen Folgen sich ausbrehen. Die Selbstmorde betrugen in Pteußen auf 100 000 ‘.Lebende der Bevölkerung im'Jahre 1925. bei der evangelischen'Bevölkerung 27,9, der katholischen ,13,5, der jüdischen-53,•_! . ' ' Wölit Ihr solchem Niedergang m:t*Verschränkten Armen zuscliau^n: Nein und abermals nein! Der Bestand des Judentums jnuß gesichert Werden- .und ..er kaqn gesichert werden, Wenn man diedrohenden Gefahren erkennt und ih.ten zu begegnen sucht. .Was aber kann geschehen?.. Wirksame Maßnahmen, müssen einsetzeri. Von diesen sind zunächst ins Auge zu fassen: die Ermöglichung der F r-ü h e he durch Ausgestaltung der Ehekassen von Selten der jüdischen Gemeindei:, die Einrichtung von, Eheberatungs- Stellen, Wochenhiife, Förderung der Sjilipropaga-:da durch Wort und Ta*; dus Unterstützung aller Bewegungen, die auf körperliche Kräftigung .unserer Jugend abzielen-. Daheben muß an eirfer Beruf-um'.eitung gearbeitet wtrden, die allen äußeren Schwierigkeiten zum Trotz, beyvonin sie nach rufs ä.igb Juden 'da einreiht, Äniabrcn und Neigungen gehören, und sie .nicht . nhios in wenigen Berufen an^iäuft, weil man sie bisher nur in diesen dulden wollte. Ebenso müssen die Siediuugsbestrebuingcn mit allen, Kräften geförderi werden. So rhuß endFch eine •.•ernänkige Verteilung von Judm auf'S'aJt und Land zustande kommen und nicht allmählich die' licht- und luftlose Großstadt zum einzigen Asyl eines verkümmernden Geschlechts werden. Und vor allem; Mütter! An Euch ist es,:in Euren Kindern das Verantwortungsgefühl für das eigene Geschlecht und ‘für die künftigen jüdischen Generationen zu erwecken und zu stärken.' . Der Wohlfahrts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdi.cher Gemeinden gejit in Gemeinschaft mit gleichsirebenden großen Organisationen voll Ernst an die Bearbeitung dieser Aufgaben. Er ijfb sich bewußt, daß re Lösung noch viel Zeit und Arbeit erfordern wird. Unlösbar aber müssen sie bleiben, wenn d<e Juden Deutschlands ihnen nicht das nö^ge Verständnis entgegenbringen. Darum, Glaubensgenossen, achtet von nun an mit erhöhter Aufmerksamkeit auf alle Fragen der jüdischen Bevölkerungspo'.itik. arbeitet in Euren Gemeinden an ihnen mit und benutzt im Kreise Eurer Familien und Eurer Bekanntschaft jede Gelegenheit, um Gleichgültige und Ununterrichtete mit Hilfe des von uns zur Verfügung gestellten Materials darüber aufzukläreft, daß es augenblicklich keine wichtigere Frage für uns geben kann, als einen ausreichenden Nachwuchs in körperlicher K'aft und geistiger Frische. Ijeranzuziehen! , . ' An die Rabbiner und Lehrer ergeht der Ruf, in gottesdienstlichen Veranstaltungen und öffentlichen Versammlungen im Sinne unseres Aufrufes zu wirken, den Gemeindevorständen erwächst die Pflicht, ihre Kraft einzusetzen für cHe Eriic terung eines gesunden Familien lebens. * Uer Wohlfahrts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Zur Soziologie uhd Psychologie der jüdischen Ehen. Von Bi . -Professor Dr. W. ln einem im vorigen Jahre ini der »Zeitschrift für Sexualwissenschaft« erschi menen Aufsatz habe ich mich mit dem Problem der jüdischen Ehen der Gegenwart auseinahdergesetzt, ich habe hier zunächst die Bedeutcng der Ehe für dre Kultur und den Fortschritt gewürdigt unddann die Frage der Menschheit et örtert, ob die Hanauer« Frankfurt a. M. jüdischen Ehen Besonderheiten aufweisen, welche sie aus ihrer Umgebung herausheben. Hier müssen wir zunäch-.t die Tatsachen der Statistik sprechen lassen.: Die Juden in Deutschland, und das gilt ’ überhaupt t ir Westeurqpa, zeichnen sich durch eine geringere Heiratsfrequenz gegenüber den anderen Kdnüssionen aus; das durch- 194