Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Männerhänderi umschlossen zu werden und im Hauche liebenden Atems aufzublühen, stirbt hin wie eine kleine Melodie, die niemand aufzunehmen, niemarul zu spielen versteht. Aber daß die Männer, die sie begehren, es nicht verstehen, auch das ist Schicksal und nicht eigentlich Schuld . . »Nju« ist vielleicht das unjüdischste Stück eines Juden, das ich kernig. Es hat nicht die großen Solj, die Hymnen und die advokatorischen Beweisführungen/ es ist kein Oratorium. Dennoch aber: wie jüdisch ist es! Denn auch hier ist eine Advokatur. Die Advokatur der Menschengattung Frau. Freilich nicht mit forensischen Mitteln. Es ist ganz Kammermusik Ostjüdischc Dramatiker D c m l> f: : e r . - . S j 1.1 in o n Bei einer Betrachtung der esrjüdischen Dramatik sreht Perez im Vordergründe, trotzdem er kein ausgesprochener Dramatiker war, und ' Hervorragendes auch auf dem Gebiere der Novelle und der Lyrik geleistet hat. I. L Perez ist im Mai 1S51 zu Samoschz im damaligen russischen Polen geboren. * Sein Leben ging im Ganzen ruhi^ und ohne srarke Erschütterung dal,in. er har" vielleicht nicht soviel Leid am eigenen Leibe erfahren, wie andere Dichter: doch wird er mit Recht gefeiert als Künder und Gestalter der Schmerzen und Sehnsüchte der leidenden Mensch - "heit. Im Alter von 20 Jahren schon heiratete er und tat sich als Winkeladvokatauf. ersteu literarischen Versuche schrieb, et in Hebräisch, um aber sehr bald zur Dichtung in Jiddisch überz'ugchen. Seine schöpferisch bedeutendste Epoche begann mit seiner llebersiedlung nah Warschau. Hier ershienen die Bücher von ihm-, die seinen Namen rasch . bekannt werden ließen. Anfangs war er Realist und stark beeinflußt you der genialen polnischen Diditerin Maria Konopnicka. Dieser Einfluß ist deutlich 1h seiner Novelle »Kellerzrzählungeu, die sein Ich .(uält, dann der duldende Jude, wofür »Bonsze- Schweig* ein Beispiel ist, der in*den Himmel gekommen, die Ereudcr. ,die er dort 'um sih herum sicht, nicht begreifen kann und der, als er gefragt w ird, welchen Lohn für all sein irdisches Leiden lind "Entbehren er "sih nun wünsche, antwortet: wenn man wirklich mih meint, so möchte ich dann jeden Morgen ein Stück frisches Brot mit frischer Butter haben.-. . . Diese Gestalt, die nur wje > ein Schatten durch das Leben geht, alle Ungerechtigkeit und alles Unglück 'ohne Murren auf sich nimmt, ist wohl die schönste, synipatischste Gestalt aus dem Ghetto. Der dritte Typ: 'die Gestalt des singenden Juden, der alles Leid dieser Welt überwunden, auf alle Freuden verzichtet hat, ist von Perez am reinsten in seiner Novelle »Die Kabbalisten» geschildert. . Es würde hier zu weit führen, die ' »Chassidischen Erzählungen« und die Lyrik zu , analysieren, ■ mir der J Perez uns beschenkte. Wenden wir un^ seinem. dramatischen Schaffen zu, -so ist es besonders das symbolische Drama »Die •■goldene Kette«, das' uns fesselt und erschüttert. Die goldene Kette, das sind vier. Geschlechter' \X underräbbis, beginnend mit dem uralten Rabbi Salomo, der ganz Mitleid und Trauer, Tiefe und und der plötzlich beschließt, am Sabbath nicht mehr die Hawdalah zu machen, damit auch der Sabbath der Verdammten in der ihit psychologische und Drei Haupttypen treten Ekstase ist. Der grübelnde Jude als der der sidi mit den Rätseln seines I. L. Perez. stube», einer der ersten großes Talent, erkennen’ lie Später beschäftigten pathologische Probleme, in ihnen hervor: ■•närrische Batlen»