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Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 45)
Language
German
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N al h a n s e n. Seine Komödie »Mutter hat recht« - |ri der Form Ibsenschule und eigent- 'ich unoriginel! — ist von einer ungewöhnlichen Menschenkenntnis diktiert. Es stellt eine IbsengestaltI auf die Szene, den Lehrer Ramsing: Dieser RamSing hält sich für einen Gregers Werte, aber er ist, keiner. In ihm revoltiert die fort«,, schreitende naturwissenschaftliche und ethische Erkenntnis gegen den Religionsunterricht, den er in der Schute zu geben hat. Diese Revolte ist zu Jcurz: es ist der Unrechte, der revoltiert. Ramsing kann nicht, ‘wie dies in der Bibel; einmal verlangt, wird, alles Von sich tun. Er ist Sohn, Gatte und Vater: so schwenkt er denn nach einem kurzen Exzeß in die Bahn der Versöhnung mit der bürgerlichen Ordnung zurück. Die leise und kennerische Aitv mit der dies gestaltet wird, ist meilenfern von 'Spott und ist weit menschlicher als etwa die Unbedingtheit jener Nadikriegssrücke, die den von Natur Schwächen, der mit der Revolution lediglich geliebäugelt ihat, .ohne weiteres als Spießer und Verräter darstellen würden. Ein sehr wesentliches Element im Schaffen Nathansens ist der Takt. Es ist dänischer Takt. In Dänemark werden’ja politische, kirchliche und soziale Gegensätze auf einem Niveau ausgetragen, das unter alten LImständen ein Niveau gleicher Volksgenossen bleibt. Und ferner spielt hier eine jüdische Ironie mit, die scheinbar in Dänemark zarter und schmerzloser ist, als anderswo. Von dieser jüdischen Ironie, die Nath^nsen mit feiner Kanüle handhabt, könnten patheteri^che Dichter anderer V ölker lernen! Vielleicht konnte ein so still ausgewogenes Theaterstück wie »H i n t e r Mauern« doch nur in Dänemark entstehen, wo eine gute Sonne schließlich heilend die Mauerzinnen übersteigt. Dieses heutige Ghettostück, worin die Tochter des alten Levin sich mit dem Sohn des einstigen Antisemiten Herming verlobt, dies Stück, das bifc zum menschlich-gütigen Ende so viele tausendjährige Bitterkeiten herbeischwemmt —* hat Nathansen mit Recht in ganz Europa bekannt gemacht. Der Staub, der gleichwohl' auf seinem Namen ruht, rührt daher, daß Nathansens Technik — die französisch - not wegische Technik — aus zweiter und dritter Hand ist. Wie anders steht es um Israel Zang will! Als dieser englische Jude <1864'1926> in London dcjs Dichten begann, da fand er allerdings in den Elendsquartiefen der britischen Literatur schon die Gestalten des Dickens vor, die Trinker, die Bettler, die Armen — dennoch aber war i h m beschieden, den Engländern eine Kammer aufzuschließen, dje jPickens nicht gesehen . hätte : das jüdische Proletariat. Die schwarzhaarigen / 187 Völker^äus Polen und Rußland, tfie,.eine Stadt 'Inaer Stadt, die Ostseite London» füllen, wurden seinem Zeichenstift Flejmar. Beg äbt. mit. großem) Sprachsinn, begabt aber vor allemj nfit einem Auge, das von Rembrandt die Liebe tutn menschlichen Helldunkel erlernt hatte, hat erj sie festgehaltein: mit pastosen Farben der Trauer jittid des Humors den »King of Schnorrers« uj d die »ChjldrCn of the Ghetto«. Es gibt in dgr angelsächsischen Welt kaum ein jüdisch-schllderiide s'Budi, das nithT auf Zangwiil als Ereignis zurück); inge. Zangwill war vbn Hause aus ' eigentlich ’elj großer Epiker. E:r dramatisierte seine Epik. - pir schrieb seine Schauspiele im Grunde aus derji sehr englischen Glauben heraus, daß die Bühne »Fi guren« brauche : so nahm er die im Röman'schonJ bewährten Charaktere und stellte sie auf dljj, .Szene. Seihe Bühnenstücke sind also inj des f Wortes wahrem . Sinne »Bearbeitungen«. Eine .1 :ise Verachtung des Theaters liegt in dieser Tatsaq e. . . Aberdas Theater hat sich gerächt. sDenn die effekt-, reichen Stücke, die Zapgwill jf ir das Theater schrieb, können den Vergleich njt t seinen Prosawerken nicht im entferntesten ausj alten* . Das Haschen nach dem Eflfiikt wird .immer, wieder von den ^Feinden des jüdis chen Schrifttums unseren Dramatikern vorgeworfy v. Es (ist. _ejn ungerechter Vorwurf — denn ergrifft den psychologischen Kern nicht. Den Kern ijst der, daß jeder Jude Advokat ist, Beauftragter irgendwelcher Verkannter, Sachträger seiner eigene j Brüder; genau so gut wie der entferntesten Untt rdrückten. Das Drama des Juden entwickelt ^uncjl ,'sej es in kaufn Spürbarem, Unterbewußtem) einen) Prozeß. Ein Prozeß aber muß zu Ende komme), er nruß einen Schluß, eine Wirkung, einen Effektij; -haben. Gerade weil die forensische Form der Kor :eptiön aber bei Juden ettfas Selbstverständliches i:; > gerade darum scheinen mir die wertvollsten jüdischen Dramen die zu sein, die, ohne ’ ihn |u’ vermischen, sich am weitesten von ihrem Ausgängspun ct entfernen: .die Spartne der Welt zwischen beiden P. ten wira größer. Welch wundervolles Kunstwerk* ist D y m ö"w s »Nju«. Dieser russische Emigrant, dessen eigentlicher Name Ossip Isidorowi t.sch PereLmann ist <geboren 1878), hat, al?| :r nach Amerika * auswanderte, sein Jüdisches nicht ä jfgegeben, 'aber zUgleich doch den weiten Grasdufi der russischen Heimatsteppe mitgenommen. * Dytjt bw entsche idet * nichts. Erträumt. Er träumt in len zarten Romanen »Haschen nadi dem Winde und -in »(Der Knabe Wlass«. Ist nicht auch sein tisches Hauptwerk geträumt? Diei:.J^ju,• so rensitiv, so zart, so ganz nuj-- ^escha^en';;'Vom gpten kleines dram.a- ,

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