Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1927-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1927
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1927-10-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/6727475-6029141-6074746--1527-4868153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

jungfräuliches Land ziehen, um ein neues und bedarif es der nie rastenden Hände von Gut» besseres Lebe« zu führen. — Wieder der Traum gesinnten ganzer Generationen! — In dem Kampfe vom »dritten Reich!« — Ach, dieses Märchenland um dies bessere Sein ist der Dichter Heinrich gibt es auf dieser Erde noch nicht! Es zu schaffen, Eduard Jacob bisher ein »braver Soldat« gewesen! ✓ ' Advokaten des -Menschseins. . . Von Heinrich'E Ein Blick auf das neue Drama der. Juden in der Weltliteratur lehrt etwas Erstaunliches, aber in seiner Natürlichkeit, doch wieder Gesetzmäßiges. Der jüdische Dichter wird im Anblick der Bühne sogleich zum Adyokaten. Ein so großer Raum, beserzt von Herzen und Hirnen, (entfesselt sogleich (erinnerungsmäßig, möchte man j^agen) alles An» klagenwollen und Richtenwollen im Juden. Schärfer als jeder andere erfühlt er im Theater das Forum.* Dem Sohn des durch Jahrtausende ethisch geschulten Volkes wird die Szene zum Tribunal — in einem ganz unbedingten Sinne, der über Schillers Forderung . vielleicht noch hinausgehr. — Es gibt wenige Literäturen, die in sich so gefriedigt sind wie die holländische. Die nationalen Kämpfe liegen mehr alsi dreihundert Jahre zurück. Ein ohne Mühe erworbener Reichtum strahlt * auf einen -beträchtlichen Teil des Volkes Behagen . und Sattheit aus, und noch die ärmeren Schichten haben ihre Kirmesse, ihre vieltägigen Feste. In der etwas schwerfälligen Heiterkeit der holländischen Literatur kehrt die Spiegelung dieser Glückslage wieder. Da kommt — typischer Zusammenstoß! — der jüdische Dichter und enthüllt, daß es bei diesen Glücklichen Unglück und Verbrechen gibt.. Für •Hermann Heijermans ^1864 1924) trägt die Welt der wetterharten Schiffe, der Fischernetze, der Blinkfeuer, Sanddünen, Leuchttürme nicht nur die Merkmale hochgemuten nordischen Menschen* tums und der körperlichen Gesundheit: derlei auf* zuzeigen überläßt er den Positivisten der nieder» _ ländischen Literatur. Seinem unbestechlichen Blick trägt diese Welt eine moralische Wunde: den Kapitalismus, der jenen armen Fischern gebietet. All diese Einzelleben sind Posten im Hauptbuche des Reeders, der, ein zweiter Gott, beleben und töten kann. Unerbittlich wie Baal Und gerade dieses Stück — »Op Hoop van Zegen« (Die Hoffnung auf Segen) — ist seit 1900 das meist* gespielte holländische Stüde in Europa und Amerika geworden! Es mag ein künstlerischer Fehler sein, daß der fremde Wille,, der den Schiffern gebietet, uard Jacob. 1 nicht allein als Druck der sozialen Umstände, sondern in seiner Ausartung zum Verbrechen gezeigt wird. (Der Reeder Boos ist, wie man weiß, ein Ver* Sicherungsschwindler, der einen alten Kasten von Schiff mit Mann und Maus untergehen läßt, um die Prämie einzustecken.) Ja, diese Kraßheit ist ein Fehler. Gleichviel: Gerade solche Heraus* arbeitung eines * Falles«, das gleichsam forensische Eintreten des Dichters für die von einem Verbrecher ausgebeuteten Gutgläubigen hat den ungeheuren Erfolg des Stückes bestimmt — der einem stilleren und vielleicht gerechteren Milieustücke versagt ge* wesen wäre. Die niederländische Literatur aber kann Heijermans noch für seine Fehler dankbar sein: dieser naturalistische Führer ist in manchem ihr Korrektor geworden Er hat in dem etwas satt* gewordenen Schrifttum der Holländer das Kapital der sozialen Ehrlichkeit und des anklägerisdien Mutes gewaltig vermehrt. Er hat, wozu Multatulis Kraft allein nicht ausgereicht hätte, die in Behagen entschlafenen Herzen wieder zu Trägern des Welt* gewissens gemaefit — als wie in alter Zeit — und so gehört auch das Bild dieses heutigen Juden in die Galerie jener edlen Mühlsteinkrausen/ zu den Bildern des Philipp Marnix und Wilhelm von Nassau. Es gibt Literaturen, in deren seelischen Rhythmus das advokatorische Auftreten jüdischer Dramatik nicht gut passen will: eine aber gibt es zumindest, die seit Jahrhunderten diesem Rhythmus gleichschwingt. Es ist die französische. Der aus dem Denkerischen gewonnene Elan (der doch zugleich die Befehle des alten Blutes ausführt), er ist dem Franzosen wie dem Juden gemeinsam, und es ist darum nicht sonderbar, daß jene nordischen Länder,, als sie die französische Literatur zum Lehrmeister nahmen, eine breite Einflußsphäre zugleich auch jüdischen Gestaltern geöffnet haben. Die dänische Literatur des neunzehnten Jahrhunderts ist nicht denkbar ohne die betrachtende Schärfe von Hertz und Brandes. Im Bildnerisch- Dramatischen zeigt am besten die glückliche Verschmelzung von Judentum und Dänentum Henri

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.