Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1927
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1927-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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in Laufbahn: er fing alskaum -Zwanzigjähriger mit einem Novellenbande »Das Leichenbegängnis der Gemma Ebria« — an, der schon völlig abgeklärte und vollendete Erzählerkunst enthielt, dem nichts Tastendes, Suchendes, Jugendlich-Chaotisches war. Dieses Buch war ein gar glanzvoller Anfang 1 Als dann der beginnende Krieg selbst die besten Köpfe verwirrte, und sonst klare Geister einer unübersehbares Unglück bringenden Psychose verfielen, da war Jacob einer der ganz Wenigen und Seltenen, die ohne Schwanken »Menschen* blieben. Er blieb ein Mensch, der nur die lebenswerteste Inkarnation des Göttlichen und Ewig-Schönen in sich tragen wollte, der an kei-‘ nem politischen Rausch, der die europäischen Völker wie eine geistige Epidemie hejmsuchrje, erkrarikte. In seiner umfangreichen! Schrift 'Reise durch den belgischen Krieg*, die schon in den ersten Kriegsmonaten verfaßt wurde, steht nichts von Haß und Greueln. — Sicher eins der festen deutschen »Kriegsbücher.! Es ist ein in stilistischvollendeter . Prosa geschriebenes Bekenntnis zum-»Bleibenden« und wirkt wie eine Aufforderung an die Kommenden, nach einer anderen ünd besseren Einstellung zum Dasein zu ringen. Dabei geht Jacob durchaus nicht etwa als der kühle, unbeteiligte Betrachter durch das Leben. In seinem Verhalten zur »schönen Erde« schwingt nur ein anderes, höheres Ethos jals das alltäglichpraktische. In der »Gemma .Eferia« knistert es übrigens schon von verhaltenem dramatischen Teuer. Nicht endenwollender Beifall, durchbrauste im Januar 1921 das »Neue Volkstheater« in Berlin, als Jacobs erstes vieraldtiges Schauspiel »Beaumarchais und Sonnenfelsjt aufgeführt wurde. — Nun, dieser enthusiastische Jubel war wohl doch verfrüht! Mehr als eine sehjr beachtenswerte Talentprobe, ein nach jeder Ri|d>tung hin sy^t- pathisches Werk ist diesesjSchauspiel nicht. Im Laufe der Jahre ging es über vii :fe -deutsche Bühnen und den junjgen Autor. Aber H. Ed. Jacob. warb an vielen Orten für die große befreiende Dichtung unserer Zeit, nach der wir alle Ausschau* halten, ist dieses Werk nicht. Noch haftet. ihm manches Angelesen-Literatenhaft£ und fein Dialektisch-Rhetorische an. Immerhid ist des Rühmenswerten in diesem Drama genug! Und was uns in ihm vor allem! fasziniert, ist die gläubige Jugend des Dichters, die eine neue politische; Sittlichkeit schaffen, ist seine sehnsüchtige Hoffnung, die das Verweilen auf dieser Erde wohnlicher gestalten möchte.1 Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will'ich Euch dichten: ’ Wir wollen hier auf Erden sehen Das Hiqimelreich errichten!« Und nicht zuletzt leuchtet das gute Judentum Jacobs a js seiner Dichtung hervor. — Vielleicht hat 1 der unselige, schon seit Jahrhunderten bestehende Anta-. gontsmüs zwischen Deutschland ünd Frankreich die erste Anregung zu dem Schauspiel gegeben, ' dfcnn seine »Tendenz« ist eine Art Propagierung des Sidi-gegenseitig-Verstehens und Sichseelisch-Ännäherns der beiden Völker. — Es wurde denn auch prompt in Deutschland während des Krieges verboten^ — Aufgebaut ist es auf einer wahren historischen Anekdote. Die Handlung: Der geniale französische Lustspieldichter und Hochstapler Beaumarchais1 har in Paris mit einer heute fast komisch anmutenden Betrügerei die Schatulle des Monarchen ein wenig erleichtert. Zum Teil ist's eine kleine Rache des über die Historie Reflektierenden, der auf den groben höfischen Klotz einen nicht minder üblen spitzbübischen Keil setzen möchte. Beaumarchais kommt nach Wien, um dort sein Gaunerstückchen zu wiederholen Mir einem frischen Vorspiel an der Grenze, das die Krähwinkelei der Perückenzdit launig verspottet, beginnt das Stück. In Wien tritt nun dem französischen Abenteurer das Schicksal in Gestalt des Ministers und Staatsrechtslehrers Sonnenfels entgegen. Dieser Gelehrte ist Jude und »leidet« an der seltsamen Eigenschaft, die dem guten Judentum seit Urzeiten anhaftet, an einer Hypertrophie des ethischen Feingefühls. Er ist ein idealistischer Vertreter starrer Rechtsbegriffe, und mit instinktivem Haß wittert er in dem anarchistisch-revolutionären Ausländer den geborenen Feind. Er . entlarvt seine Betrügereien und nimmt ihn gefangen. Und nun 184 {